August, 2009 Archives
Aug
Gruseln für Anfänger
by Maximilian Buddenbohm in
Der Nachtschreck bei Kleinkindern ist ein normales Vorkommnis. Etwa ab dem Alter von zwei Jahren kommt es des öfteren vor, daß ein Kind nachts in panischer Angst schreit und dadurch die Eltern unsanft weckt. Mutter und Vater hasten an das Bett und finden den zitternden, heulenden Nachwuchs, der mit bebendem Finger in eine Ecke des Zimmers zeigt, die Augen vor Angst geweitet. Kleine Hände krallen sich in Papas Arm, Ärmchen schlingen sich um Mamas Hals, während die Hände der Erwachsenen die zu Berge stehenden Haare des Kindes glätten. Man flüstert Tröstendes. In der Ecke des Zimmers lauert ein Monster. Oder eine Schlange. Oder eine Spinne. Jedenfalls etwas, das es nicht gibt. Also nicht in Wahrheit. Aber es ist schlimm. Sehr, sehr schlimm. Man muß nur das Kind ansehen, dann weiß man, wie schlimm.
Bei uns geht der Nachtschreck ein wenig anders. Ich wache um halb drei von dem äußerst unangenehmen Gefühl auf, daß jemand in meinem Bett sitzt und immer wieder “Monster” flüstert. Ganz leise, aber deutlich. Ich lasse mich zu dieser Uhrzeit ungern anflüstern, schon gar nicht mit dem Begriff Monster. Ich mache mühsam ein Auge auf und sehe nach, was da los ist. Der Sohn sitzt zwischen der Herzdame und mir, er ist in unser Bett gekommen und hat ein Buch mitgebracht. Ein Bilderbuch mit Monstern. Er hält das Buch in einen schmalen Streifen Mondlicht, in dem man gerade eben etwas erkennen kann. Er fährt mit den Fingern die Zeichnung nach. Tippt auf die spitzen Zähne und sagt “beißen”. Denkt ein wenig nach und sagt dann “böse”. Blättert um, eine neue Seite, ein neues Monster. “Monster”, sagt der Sohn anerkennend, “groß”. Er schiebt das Buch ein wenig aus dem Mondlichtstreifen. Das Monster verschwindet im Schwarz der Nacht. “Monster weg”, sagt der Sohn und kichert. Zieht das Monster wieder ins Licht, sagt leise “hallo” und schiebt es dann wieder zurück ins Dunkel: “Tschüß Monster”.
Er sieht, daß ich ihn beobachte. Legt mir eine Hand aufs Knie, wie um mich zu beruhigen, zeigt auf das Buch und sagt verschwörerisch: “Monster weg.” Ich nicke. Er grinst mich an.
Er hat es ganz gut im Griff, das mit dem Nachtschreck.
Aug
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Lange kein Schafbild mehr zum Wochenende gezeigt. Dafür nun gleich zwei und mit Möwe! Ich bin sowas von steigerungsfähig. Und drüben im Westen ist wie immer das neue Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.
Aug
Astrologischer Exkurs: Spracherziehung bei Jungfrauen
by Maximilian Buddenbohm in
Ich wasche die Töpfe ab, die nicht in die Spülmaschine passen, der Sohn steht auf einem Hocker daneben und guckt mir interessiert zu. Ich mache das Wasser an und sage “Wasser”, der Sohn nickt verständig und sagt “Wassa”. Ich nehme den Schwamm und sage “Schwamm”, der Sohn nickt und sagt “Schamm!”. Ich reibe an dem Topf herum und sage “schrubben”, der Sohn nickt und sagt “schrubba”. Spracherziehung ist sehr entspannt und einfach, man macht irgendwas und spricht vor sich hin, der kleine Papagei spricht nach und lernt. Vielleicht. Ganz unwichtig, ob sie schon alles verstehen, was sie da nachplappern, irgendwann kommt das schon. Bis dahin kann man einfach beliebig viele Wörter einfüllen, die teils bewußt, teils halbbewußt und teils völlig gedankenlos als Echo zurückgeworfen werden. Stundenlang. Ich puste Schaum vom Topf und sage “Schaum”, der Sohn pustet auch und sagt “Aum”.
Ich schiebe den Topf zur Seite, zeige darauf und sage “sauber”. Der Sohn hebt den Zeigefinger, deutet auf einen ganz kleinen Krümel, der noch daran klebt und sagt “nein”.
Aug
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Das ist natürlich auch praktisch, wenn man Bücher geschenkt bekommt, für welche andere schon einmal die Rezension geschrieben haben, manche erinnern sich vielleicht an die Besprechung bei Isa zu: James Krüss – Mein Urgroßvater und ich.
Ein Buch, das ich schon als Kind geliebt habe, wie alles von James Krüss. Sollten Sie James Krüss nicht kennen, dann schämen Sie sich und holen Sie das nach. Mit oder ohne Kinder.
“Mein Urgroßvater und ich” erschien zuerst 1959 und beginnt so:
“Mein Urgroßvater war ein weiser Mann. Als er fünfundsechzig Jahre alt war, zog er das Boot und die Fangkörbe, mit denen er sein Leben lang Hummer gefangen hatte, an Land und fing zu drechseln an. Er drechselte Drehkreisel und Gedichte für Kinder, was – wie jeder zugeben muß – eine weise Beschäftigung ist.”
Aug
Warten
by Maximilian Buddenbohm in
Apropos Kalb. Noch 12 Tage bis zum Stichtag und der Mann von Welt weiß: das zweite Kind kommt meist früher. Oder auch nicht. Vielleicht aber auch doch. Die Herzdame hat leichte Wehen, dann hat sie wieder keine, dann wieder doch. Dann sagt sie, sie weiß nicht, was sie hat. Vielleicht irgendwas, vielleicht aber auch nichts. Mal so, mal so. Es kommt ein Gewitter, bei Gewitter, heißt es, gibt es oft einen Blasensprung. Bei der Herzdame springt nichts. Es ist nicht so, daß ich ungeduldig wäre, ich beobachte das nur.
Ich arbeite seit Jahren im Controlling, ich mache Prozeßoptimierung. Ich sorge dafür, daß Dinge richtig laufen und Ergebnisse stimmen. Uns Controllern ist jede Aufregung fremd, wir geben nur sachdienliche Hinweise und warten, ob sie etwas nützen. Irgendwann läuft alles nach Plan. Wir sind gelassen. Es sind immer die anderen, die sich aufregen, das ist das Schöne am Beruf. Mit der ganzen Ruhe und Coolness, die ich diesem Beruf verdanke, möchte ich zwischendurch doch einmal auf Folgendes hinweisen: SO EIN FRAUENKÖRPER IST JA WOHL EINE VOLLKOMMEN INDISKUTABEL UNGENAUE ANGELEGENHEIT! ECHT JETZT!
Aug
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Im Hamburger Hafen stehen goldene Kälber herum und hier im Westen steht wie immer ein neues Wochenhoroskop von mir. Natürlich auch Gold wert, aber für die Leser ganz umsonst.
Aug
Klassiker
by Maximilian Buddenbohm in
Sie kommen, wenn sich der Spielplatz allmählich leert, zwischen sechs und sieben. Die Eltern an der Sandkiste sammeln gerade die Kleinen ein und reden von Abendessen und Bett, die Kinder trotten lustlos hinterher, die Lieblingsförmchen unter den Arm geklemmt, aber das kriegen die beiden kaum mit. Sie drücken sich ein wenig schüchtern am Rand des Platzes auf den Bänken herum, sitzen da und warten. Wenn ein Kind zu ihnen läuft, seinen Ball zeigt oder nur guckt, ob sie vielleicht Kekse dabei haben, stoßen sie sich mit den Ellbogen an und lachen unsicher. Sie sitzen ganz dicht nebeneinander, berühren sich aber nicht. Er trägt eine lächerlich kleine Kappe hoch auf dem Haar, strahlend weißes Sweatshirt, Sportschuhe mit offenen Schnürsenkeln und Goldschmuck an den Armen. Sie trägt Jeans, die so eng sind, daß sie wahrscheinlich Stunden braucht, um sich anzuziehen. Pinkfarbenes Top. Handtäschchen mit Glitzer und Gefunkel. Goldener Modeschmuck in den Ohren, riesige Kreolen. Er telefoniert, sicher mit seinen Freunden, seine Hände fuchteln durch die Luft, betont coole Gesten, die Arme holen weit aus. Er lacht zu laut, er sitzt jetzt breitbeinig, er sieht nach dem Mädchen, ob es auch beeindruckt ist. Das Mädchen guckt in einen Taschenspiegel und ist genervt. Er steckt sein Handy weg, sie halten ein ganz wenig Händchen, es ist kaum zu sehen.
Er sieht so albern aus, wie man als pubertierender Junge nur aussehen kann, nichts als unsortiertes Wachstum, Pickel und überdimensionierte Lässigkeit. Sie ist aufgedonnert wie die Schaufensterpuppe in einer Parfümerie, wahrscheinlich riecht sie auch so. Er ist ein Held und sie ist eine Offenbarung, versteht sich.
Sie kommen jeden Abend. Bestimmt dürfen sie da, wo sie wohnen, ein paar Straßen weiter, nicht zusammen gesehen werden. Vielleicht ist er Türke und sie Afghanin, wer weiß, vielleicht gehören sie zu verschiedenen Glaubensrichtungen, vielleicht ist es aus anderen, ganz banalen Gründen geheim, daß sie sich treffen, vielleicht haben sie auch einfach nur keine eigenen Zimmer. Sie sitzen unter dem Flieder und warten, ausgerechnet unter dem Flieder. Wenn alle gegangen sind – und immer erst dann – legt er seinen Arm um sie. Ringsum stehen die Nachbarn genau wie ich gelegentlich an den Fenstern und sehen auf den Spielplatz, während die Kinder essen oder zu Bett gebracht werden. Die beiden da unten kuscheln ein wenig. Neulich zum ersten mal ein langer Kuß, sie haben beide sehr gekichert hinterher und er mußte auch sofort wieder telefonieren. Aber ein Kuß, mehrere Sekunden. Oben die Köpfe zusammen, unten die Hände, die nicht wußten, wo sie hinsollten, sich kurz hielten, dann wieder losließen, auf die Knie sanken, dann faßte er ihr ins Haar und für einen Augenblick wirkt er älter und sicherer, fast wie ein Lover im Film, wie er da ihren Kopf so ganz leicht nach hinten bog, das hatte er ja sicher auch schon tausendmal irgendwo gesehen.
Ich stand am Fenster und sagte zu der Herzdame, “guck mal, jetzt kriegt er die Kurve”. Sie sah nach unten und sagte, daß es auch nicht mehr mit anzusehen gewesen sei. Und wenn die Nachbarn jetzt alle auf die Balkone getreten wären, um den beiden da unten zuzuklatschen, es hätte mich auch nicht weiter gewundert. Ein altes Stück, natürlich, aber doch immer wieder mit schönen Momenten.
“Oh Romeo, Romeo, warum bist du Romeo? Verleugne deinen Vater und entsage deinem Namen; oder willst du nicht, so schwöre mir nur deine Liebe, und ich will keine Capulet mehr sein.” Shakespeare, Romeo und Julia.
Aug
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Stevan Paul: Monsieur, der Hummer und ich – Erzählungen vom Kochen. Sehr angenehm, wenn Menschen aus dem Freundeskreis Bücher schreiben, da weiß man wenigstens, was man kaufen muß. Wenn sie dann noch gute Bücher schreiben, um so besser. Stevan Paul, den kennen Sie natürlich von da. Oder zum Beispiel von zahllosen Hamburger Lesungen, die er organisiert oder bestritten hat.
Das Buch, versteht sich, sollten Sie alle kaufen, es ist grandios geschrieben, exzellent bebildert und enthält nicht nur Geschichten sondern auch noch Rezepte. Der eine oder andere wird auch zu schätzen wissen, daß das Buch sehr schön gestaltet ist, was einem leider nicht mehr sehr oft begegnet. Bestellen Sie das Buch einfach direkt beim Hamburger Mairisch-Verlag und machen Sie es gleich, so oft gibt es hier ja keine Aufforderungen zum Kauf, da können Sie sich schon mal einen Ruck geben. Wenn Ihnen diese Erzählungen keinen Spaß machen, ist Ihnen literarisch nicht mehr zu helfen, wenn ich das mal so dezent andeuten darf.
Die erste Geschichte in dem Buch, “Der Tanz der Schlachter” beginnt so:
“Fettiger Rauch steigt von ungezählten Grillrosten hinauf in die backsteinschwere Mittagshitze, verwirbelt zwischen akkurat gestutzten Hecken. Es ist ganz still hinter den grünen Abgrenzungen, nur die Kinder stürmen ans Gatter, wenn sich die Fremden nähern, winken, lachen. Es ist ja sonst nichts los hier, die rostigen Wippen langweilen, und im Garten welken die Erziehungsberechtigten auf sonnengebleichten Liegestühlen.”
Aug
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und drüben im Westen ist das neue Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.
Aug
Parallelen
by Maximilian Buddenbohm in
Es ist sehr früh am Morgen, der Sohn steht vor mir und verlangt nach Wlassas. Ich habe keine Ahnung, was Wlassas ist oder sind. Ich bitte ihn, den Schnuller aus dem Mund zu nehmen, er wiederholt ungeduldig: “Wlassas”. Genau genommen sagt er eher “WLASSAS!”, offensichtlich braucht er das Zeug sehr dringend. Die dazugerufene Herzdame weiß auch nicht, worum es sich handeln könnte, vielleicht ein neues Wort aus der Kita. Wir bitten den Sohn, uns Wlassas zu zeigen, er zeigt vage in Richtung Schrank. Toll, sage ich, da sind zehntausend Sachen drin, das wird ein Spaß. Der Sohn verfärbt sich rötlich und weint, die Lieferung dauert zu lange. Seine kleinen Fäuste sind geballt, es ist ein Ding der Unmöglichkeit, ihm Wlassas länger vorzuenthalten. Wir starten die Versuchsreihe am Schrank, ich hebe einen Gegenstand nach dem anderen hoch und warte auf sein geschluchztes Nein. Während er den Kopf schüttelt, spritzen die Tränchen wie im Comic nach beiden Seiten. Nach einer Weile haben wir die Lösung: Pflaster. Logisch, nicht wahr, Wlassas, Pflaster, wenn man es weiß, dann ist es ganz einfach Er möchte ein Pflaster mit Bären drauf, um den vollkommen gesunden Finger, es geht nur um Dekoration. Gar kein Problem, aber gern.
Ich bringe den Sohn in die Kita, ich gehe ins Büro. Eine Kollegin steckt den Kopf durch die Tür: “Hast du Dschadscha?” Ich gucke sie entgeistert an. Sie hat keinen Schnuller im Mund. Sie wirkt nicht so, als würde sie Spaß machen. Sie ist mir als zurechnungsfähig bekannt. Dschadscha. Ihr Blick ist auf meinen Büroschrank gerichtet, toll, denke ich, da könnte ich ja schon wieder alle Gegenstände einmal hochhalten, bis Dschadscha dabei ist. Ich komme mir vor wie in einem Psychoexperiment. Als nächstes wird mein Chef kommen und mich bitten, Flummbumm zu machen, meine Reaktionen werden wahrscheinlich gefilmt. Ich frage lieber noch einmal nach: “Dschadscha?” “Ja”, sagt die Kollegin, “ich habe meinen vergessen”. Ich überlege kurz, ob ich ihr statt dessen ein Wlassas anbieten soll, verwerfe den Gedanken aber wieder. Ich gehe zum Büroschrank und mache ihn auf. “Danke”, sagt die Kollegin und greift nach dem Ladekabel für das Notebook. Ladekabel, natürlich, englisch Charger. Charger, Dschadscha. Gar kein Problem, aber gern.
Man hört nie auf, Vokabeln zu lernen.
Aug
Währenddessen
by Maximilian Buddenbohm in
Man wartet so vor sich hin. Arztbesuch, Hebammenbesuch, alles bestens. Ist ja noch Zeit. Viel Zeit. Wahrscheinlich. Babysachen wieder rausgesucht, gestaunt, daß der Sohn da mal reingepaßt hat. Gewaschen, getrocknet, sortiert. Ein paar neue Babysachen gekauft. Stubenwagen aus dem Keller geholt. Neue Fläschchen gekauft. Den alten Kinderwagen wieder zusammengebaut. Auto schon mal vor der Tür geparkt, denn da findet man nur alle halbe Jahr einen freien Platz, jetzt bloß nicht mehr wegfahren. Den Weg zum Krankenhaus ins Gedächtnis gerufen. Telefonnummern von Großeltern und anderen wichtigen Menschen im Handy gecheckt. Den Sohn zum wiederholten Male vorsichtig aber deutlich darauf hingewiesen, daß der Bruder vermutlich nicht gleich am ersten Tag Lust haben wird, mit ihm Ball zu spielen. Weitere Vornamensdiskussionen mit der Herzdame verweigert. Geguckt, wie die Sterne in den nächsten Wochen stehen.
Nun ja.
Es ist natürlich nicht so, daß ich ungeduldig wäre. Ich laufe hier aus rein sportlichen Gründen in der Wohnung auf und ab.
Aug
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Das Model wollte nicht namentlich genannt werden, eine unbekannte Schöne. Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß damit.
Aug
Eloquenz
by Maximilian Buddenbohm in
Der Sohn sitzt neben mir auf dem Sofa, gibt mir in einem seltenen Anfall von Gönnerhaftigkeit einen Keks ab und sagt:
Sohn: Danke.
Ich: Nein, das heißt bitte.
Sohne: Danke!
Ich: Nein, bitte. Wenn Du mir etwas gibst, sagst Du bitte,
Sohn: Bitte.
Ich: Genau. Kluges Kind.
Sohne: Danke!
Ich: Gern.
Der Sohn hat währenddessen seine Kekse alle aufgegessen und möchte den von mir doch gerne wiederhaben. Er zieht probeweise daran.
Sohn: Danke!
Ich: Nein, wenn Du etwas haben willst, sagst Du auch bitte.
Sohn: Bitte!
Ich: Genau! Da ist der Keks.
Sohn: Bitte!
Ich: Nein, wenn Du es dann hast, sagst Du wieder danke.
Sohn: Bitte! Danke! Hunger! Gib! Keks! Mehr!
Das ist aber auch kompliziert.
Aug
Experiment
by Maximilian Buddenbohm in
Man kann eine Geburt normalerweise weder aufhalten noch beschleunigen, das passiert alles so, wie es sein soll – und wie es soll, das wissen wir nicht. Das heißt, es dauert in unserem Fall noch 27 Tage, vielleicht auch vierzehn Tage mehr, vielleicht auch etliche weniger, wer weiß. Der Natur ihren Lauf lassen, man kennt das ja. Man sieht es der Herzdame nicht an, wann es losgeht. Sie sieht zwar gewissermaßen vollreif aus, aber nirgendwo an ihr erscheint ein Datum im Display.
Wir sind schon wieder in der Phase, in der die selbsternannten Experten ringsum rätseln, ob sich der Bauch bereits gesenkt hat oder nicht, es werden schon wieder Schätzungen gemurmelt, “etwa sieben Tage noch”, “wartet mal bis Vollmond”, wir erinnern uns noch ganz gut, wie das bei dem ersten Sohn war. Als die Herzdame gestern eine Zimtrolle auf dem Spielplatz aß, das einzige Stück Kuchen, das der Portugiese nebenan am späten Nachmittag noch zu bieten hatte, warf man sich ringsum wissende Blicke zu, was wir zuerst gar nicht verstanden – bis uns wieder einfiel, daß Zimt als wehenauslösend gilt. Man kann ja nicht an alles denken.
Wir finden aber gerade heraus, ob es nicht vielleicht einen wehenfördernden Effekt hat, wenn das größere Geschwisterkind, das von Warten noch nicht sehr viel versteht und ein klein wenig zur Ungeduld neigt, in immer kürzer werdenden Abständen an den Bauch klopft und “Bruda! Raus!” schreit.
Wir werden sehen.






