Juli, 2009 Archives

20
Jul

Nach Norden

by Maximilian Buddenbohm in

Wir fahren ein wenig durch die Gegend, das neue Auto will ja probiert werden. Der Freund, der uns bei dem Kauf beraten hat, nannte das Gefährt wegen seiner äußerst fruchtig roten Farbe mit deutlichem Widerwillen “Erdbeerkörbchen”, ein Name, den wir natürlich sofort übernommen haben. Das Erdbeerkörbchen fährt tadellos und im Gegensatz zu dem alten Auto kann man mit dem neuen Wagen auch mal wieder eine Küste oder ein anderes Stückchen Norddeutschland erreichen, ohne zwischendurch auf den Aleppi umzusteigen.
Zum Beispiel Friedrichstadt. Kennen Sie vielleicht, das ist eine Stadt, die von Holländern gebaut wurde und entsprechend aussieht, mit Grachten und allem, was dazu gehört, allerdings abzüglich der Windmühlen.

Durch Friedrichstadt kann man spazierengehen und ein giebeliges Idyll nach dem anderen bestaunen. Läden mit Kunsthandwerk, ich kriege ja Fluchtreflexe, wenn ich so etwas sehe. Fischbrötchenbuden, Tretbootverleih, malerische Brücken. Sehr nett. Was mich allerdings schwerer beeindruckte: Ein öffentliches WC, das mit Shanties beschallt wurde. Da singt ein brummiger Männerchor von Wellen, Meer und Seefahrt – und man selbst plätschert mehr oder weniger taktgerecht dazu. Ich liebe solche pragmatischen Ansätze. Friedrichstadt wird mir in guter Erinnerung bleiben.

Morgen nach Husum.

19
Jul

Spaziergang durch die Hafencity

by Maximilian Buddenbohm in

“Man wird nicht wohnen wie gewohnt an den Hafenbecken der HafenCity und am Elbufer. Das Viertel bietet neue Modelle für Eigentums- und Mietwohnungen, für Bau-Gemeinschaften, für Luxuswohnungen und Genossenschaftskonzepte. Es ist eine Rückkehr zu alten, hanseatischen Wohntraditionen mit Häusern, die sich zur Straße und zum Wasser öffnen. Und man erlebt nach Jahrzehnten der Planung von Wohnquartieren auf der grünen Wiese die Rückbesinnung auf die Qualitäten der europäischen Stadt mit ihren vernetzten Nutzungen, mit Wohnen und Arbeiten, mit Freizeit, Sport und Kultur an einem Ort manchmal sogar unter einem Dach.“ Zitiert nach www.hafencity.com.

Nun ja.

Nachtrag: Zu diesem Thema bitte auch den Eintrag von Cem lesen.

18
Jul

Nanu

by Maximilian Buddenbohm in

Rühmsteak

Gibt es auch nicht bei jedem Schlachter, so ein Rühmsteak.

17
Jul

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Hot in the city

Und drüben im Westen ist wie immer das neue Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß damit.

17
Jul

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Graham Greene, da weiß man, was man hat. Man hat zum Beispiel erstaunlich lange etwas von dem erfreulich riesigen Gesamtwerk. Diesmal auf dem Nachttisch einer seiner früheren Romane, von 1932: “Orientexpress”. Aus dem Englischen von J. Lesser. Der Roman beginnt so:

“Der Zahlmeister nahm die letzte Landungskarte entgegen und beobachtete die Passagiere, wie sie über ein Gewirr von Schienen und Weichen hinweg den feuchten grauen Kai überquerten und um verlassen dastehende Güterwagen bogen; sie gingen mit hochgeschlagenem Mantelkragen und gebeugten Schultern. In den langgestreckten Waggons brannten auf den Tischen die Lampen und glühten gleich einer Kette blauer Perlen durch den Regen. Ein riesiger Kran schwang seine Last herum und senkte sie dann; das Rasseln seiner Winde übertönte für einen Augenblick das alles durchdringende Rauschen des Wassers, das aus dem wolkenverhangenen Himmel fiel, das gegen den Rumpf des Kanaldampfers und gegen den Kai schlug. Es war vier Uhr dreißig nachmittags.”

16
Jul

Kuh, später

by Maximilian Buddenbohm in

16
Jul

Alternative

by Maximilian Buddenbohm in

Zu warm, um noch kreativ zu sein. Dachgeschoßwohnung, Sie wissen schon. Aber für ein Kuhbild reicht es gerade.

13
Jul

Eine andere Generation

by Maximilian Buddenbohm in

Der Sohn steht im Supermarkt vor dem Smoothie-Regal, streckt die Händchen aus und gibt wiederholt ein flehentliches „Bitte“ von sich. Ich schleife ihn zum Frischobst, zeige ihm Stachelbeeren, Himbeeren, Äpfel, Kirschen, es ist eine wahre Pracht, was da herumliegt, der ganze Reichtum des Sommers. Der Sohn stupst lustlos eine Beere an, schüttelt den Kopf und zieht mich zum Kühlregal.

„Höre“, sage ich. „Obst wächst in mundgerechten Portionen, freundlich verpackt und verzehrfertig. Es gibt keinen vernünftigen Grund, es von der Industrie verarbeiten zu lassen und püriert zu trinken. Obst ist echt und einfach. Als ich so alt war wie Du, da kauften wir nicht einmal abgepacktes Obst im Laden. Das gab es gar nicht! Da mußte ich, wenn ich Obst haben wollte, das noch selber pflücken – mit ohne Leiter!“

„Genau“, sagt ein anderer Vater neben mir, der gerade versucht, seine Tochter für Aprikosen zu begeistern, „wir konnten noch auf Bäume klettern! Wie die Affen!“ „Und durch Brombeerhecken!“ rufe ich, „blutend, aber satt! Das war eine andere Zeit. Wo ist eigentlich mein Sohn?“

„Der sitzt im Kühlregal und trinkt Smoothies“, sagt der andere Vater, „das ist ja ein Ding, daß er die schon aufschrauben kann.“

Nun ja. Jede Generation muß ihre eigenen Erfahrungen machen, nehme ich an.

11
Jul

Schlagermove

by Maximilian Buddenbohm in

Schlagermove 2009

Vollkommen unverständlich, warum da so viele Menschen hingehen um sich zu betrinken, laut herumzugrölen und mit wildfremden Menschen zu knutschen.

Ich gehe ja wegen der guten Musik hin.

10
Jul

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder das neue Wochenhoroskop online. Viel Spaß damit.

9
Jul

Auf dem Wochenmarkt

by Maximilian Buddenbohm in

Ich: “Eine Handvoll Rucola bitte.”
Gemüseverkäuferin: “Hamwe nicht.”
Ich: “Doch.”
Gemüseverkäuferin: “Nein.”
Ich: “Doch, ich steh ja genau davor. Da!”
Gemüseverkäuferin: “Das ist Rauke. Steht doch dran.”
Ich: “Rauke ist Rucola.”
Gemüseverkäuferin: “Nee.”
Ich: “Doch.”
Gemüseverkäuferin: “Meinen Sie echt?”
Ich: “Ganz sicher.”
Gemüseverkäuferin: “Soll ich mal am Nachbarstand fragen?”
Ich: “Machen Sie mal.”
Gemüseverkäuferin: “Aber wenn es dann nicht das Gleiche ist, nehmen Sie es trotzdem!”
Ich: “OK.”
Gemüseverkäuferin: “Müßte ich ja eigentlich auch gleich teurer machen, wenn’s denn Rucola ist.”

Auf dem Wochenmarkt, heißt es ja immer, kennen sich die Leute noch mit der Ware aus. Sicher doch.

8
Jul

Nachwuchsdichter (2)

by Maximilian Buddenbohm in

Fliege tot
Fliege Fliege tot
Fliege tot tot tot tot to
Fliege tot weg
Putt!

Schon das zweite Gedicht vom Sohn, beiläufig auf dem Weg zur Kita vor einer Schaufensterscheibe gemurmelt. Aus dem wird noch was.

3
Jul

Nachwuchsdichter

by Maximilian Buddenbohm in

Baby weint. Spinne tot.

Mama nicht zuhause.

Mehr Milch!

Man muß es nur etwas getragen lesen, dann merkt man sofort – mit dem, was der Sohn jetzt an ersten sinnvollen Sätzen so von sich gibt, muß er sich hinter manchen der modernen deutschen Poeten nicht verstecken.

3
Jul

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Heute, wie man unschwer erkennen kann, mit einem Mallorcabild. Passend zum Wetter. Und drüben im Westen ist wie gewohnt das neue Wochenhoroskop online – viel Spaß damit.

2
Jul

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

John Galsworthy, den liest natürlich kein Mensch mehr. Was bedauerlich ist, gerade für den deutschen Bildungsbürger, der die Buddenbrooks von Mann zwar brav gelesen hat, aber leider verpaßt, wie das englische Pendant zu dem Buch beschaffen ist, die Forsyte Saga. Wer beides gelesen hat, wird die Buddenbrook eventuell hinterher doch ein klein wenig überschätzt finden. Aber das nur am Rande, auf dem Nachttisch liegt eines der kleineren Werke von Galsworthy, ein durch und durch britisches Buch: “Ein Mädchen wartet”, im Original mit dem schönen Titel “Maid in waiting”. Aus dem Englischen von Leon Schalit.

Das Buch erschien zuerst 1931 und man merkt schon nach ein paar Seiten, daß Galsworthy etwas konnte, worum ich ihn sehr beneide, er konnte einen Menschen so beschreiben, daß man nach einer Seite sein Gesicht sieht, seine Haltung kennt und weiß, was er anhat, Und zwar so, daß man ihn auf der Straße erkennen würde. Unglaublich.

Der Roman beginnt so:

“Der Bischof von Porthminster lag im Sterben; man hatte seine vier Neffen, zwei Nichten und den Gatten der einen holen lassen. Es schien, er werde die Nacht wohl kaum noch überleben.
In den sechziger Jahren hatte er unter den Kameraden auf dem College in Harrow und der Universität in Cambridge “Senior Cherrell” geheißen, später in seinen beiden Londoner Gemeinden Pfarrer Cuthbert Cherrell, in seiner Blütezeit als Prediger Kanonikus Cherrell und in den letzten achtzehn Jahren Cuthbert, Bischof von Porthminster. Er war unvermäht geblieben. Zweiundachtzig Jahre hatte er gelebt und fünfundfünfzig – er war etwas später als üblich Priester geworden – hatte er in gewissen Regionen dieser Erde als Gottes Stellvertreter gewirkt.”