Der Sohn hat einen Luftballon geschenkt bekommen, groß, orange und ziemlich großartig, zumindest aus seiner Sicht. Stolz sitzt er im Buggy und hält ihn in der Hand, während ich mit ihm durch die Stadt schiebe. Er hält ihn gelegentlich hoch und erklärt den Menschen, die uns entgegenkommen und die es ja vielleicht nicht wissen: „Ballum!“

Am Bahnhof passiert, was passieren muß: Ein Luftzug reißt ihm den Ballon aus der Hand. Verblüfft sieht er ihm nach, wie er über die große Straße weht und vom Fahrtwind der Autos hin und hergetrieben wird. Die Unterlippe des Sohnes schiebt sich langsam vor, ein feuchter Glanz ist in den Augen zu erkennen, sein kleiner Zeigefinger folgt bebend dem wirren Flug des Ballons, die Augen werden groß und größer. Ein Junkie, der auf dem Bahnhofvorplatz liegt, rappelt sich hoch. Kaputte Hosen, barfuß, nackter Oberkörper, flächige Ekzeme an den Armen. Wirres Haar, dunkle Zahnstummel. „Warte mal“, ruft er mir zu, „warte mal!“ Und er rennt über die Straße, immerhin vier Spuren, dichter Verkehr, wildes Gehupe. Springt zwischen den Autos herum, weicht ihnen aus wie ein Torrero dem Stier, hechtet dem Ballon nach, greift ihn schließlich und kommt lachend damit angelaufen.

Drückt ihn dem staunenden Sohn in die Hand und haut mir im Gehen auf die Schulter: „Muß doch nicht sein, wa, Verluste so früh im Leben. Muß doch nicht.“

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