Vor dem offenen Fenster eine schmale Straße, hin und wieder ein surrendes Elektroauto. Keine Spaziergänger. Noch keine Tagestouristen. Hinter der schmalen Straße niedrige Heckenrosen, der Wind treibt den Duft herein, dahinter die Nordsee, ruhig, glitzernd, weit. Zwei kleine Ruderboote, leer. Rechts die Hafenmauer, schmuckloser Beton, aber in Häfen ist das ja alles immer dennoch attraktiv. In Hamburg wäre da Graffiti dran, auf Helgoland nur weißgekleckste Vogelkacke. Am Horizont ein roter Frachter auf Reede, keine Aufträge, das Schiff liegt seit Wochen herum und wartet. Ganz oben, natürlich, Möwen.

Wenn ich jetzt hier weg wollte, keine Chance. Kein Schiff, kein Flugzeug. Ringsum nichts als Wasser, ein heute sehr freundlich aussehendes Meer, aber doch ein Meer. Weiter weg von allem kann man gar nicht sein, denke ich, so entfernt von Hamburg habe ich mich lange nicht gefühlt. Könnte auch ein anderer Planet sein, denke ich. Und höre fast im selben Augenblick am Nebentisch seltsam bekannte Begriffe und Satzfetzen. „Schlutup, Siems, die Herrenbrücke… der Architekt hat sich dann ja umgebracht, damals… da sollte ja eigentlich immer schon ein Tunnel hin…wieviel Stunden haben wir da im Stau gestanden… Priwall… der Fährpreis…“

Die Damen sind Travemünderinnen. Ich höre eine Weile zu, bekannte Geschichten, bekannte Namen. Die Welt ist ein Dorf. Genau genommen: Mein Dorf.

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