Neu auf dem Nachttisch

Mai 6th, 2009 von Maximilian Buddenbohm

Und dann gibt es Bücher, die man geschenkt bekommt. Einfach so! Oder auch nicht ganz so einfach, siehe hier.

Ein Buch mit einer schönen Idee. Da gerät die Queen von England zufällig in den Büchereibus, der die Angestellten ihres Palastes mit Literatur versorgt, leiht sich aus Höflichkeit ein Buch aus und wird, beraten von einem Küchenjungen, nahezu umgehend eine begeisterte Leserin, die kaum noch ohne Buch in der Hand anzutreffen ist. Das bleibt nicht ohne Folgen, die Literatur verändert ihr Denken und ihren Stil, ihr Umfeld ist über die Entwicklung not amused – sehr erheiternd, sehr anregend.

Alan Bennett: Die souveräne Leserin. Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Das Buch erschien zuerst 2007 und beginnt so:

“Auf Windsor gab es ein abendliches Staatsbankett, und als der französische Präsident seine Position neben Ihrer Majestät eingenommen hatte, reihte sich die königliche Familie dahinter auf, und die Prozession setzte sich langsam in Richtung Waterloo Chamber in Bewegung. “Wo wir jetzt unter uns sind”, sagte die Queen, nach rechts und links lächelnd, während sie durch die glanzvolle Gesellschaft glitten, “kann ich Sie – was mir schon lange auf dem Herzen liegt – nach dem Schriftsteller Jean Genet ausfragen.” “Ah, sagte der Präsident. “Oui”. Die Marseillaise und God save the Queen unterbrachen ihre Unterhaltung, doch als sie beide Platz genommen hatten, wandte sich Ihre Majestät an den Präsidenten, um den Faden wieder aufzunehmen. “Sicher, er war homosexuell und ein Sträfling, aber war er tatsächlich so schlimm, wie man ihn darstellte? Oder besser gesagt”, und damit ergriff sie ihren Suppenlöffel, “war er tatsächlich so gut?”

3 Kommentare

  • ja das Buch hab ich neulich auch gelesen und musste häufig schmunzeln – ich hatte allerdings während des Lesens oft den Wunsch es im Original zu lesen einfach weil es passender ist :)

    Falls Du es noch nicht fertig gelesen haben solltest: hab Spaß! :)

    ein weiteres Buch das ich auch (und noch viel mehr) empfehlen würde ist “Der alte Mann und Mr. Smith” von Ustinov – werde bald in meiner Rezensions-Ecke bei Diana (http://www.himmelskratzer.de) darüber schreiben…

  • Kommentator

    Wenn wir gerade bei herzerfrischenden Empfehlungen zu englischer Literatur rund um englische Literatur sind:
    Mir liegt immer – und aus gutem Grund – am Herzen, die Bücher von Jasper Fforde (Waliser, daher der Doppelkonsonant im Familiennamen) rund um seine “Heldin” “Thursday Next” weiterzuempfehlen.
    “The Eyre Affairs” ist das erste Buch, es geht um den Eingriff einer “Literatur-Agentin” in den Klassiker von Charlotte Bronte, Literatur ist das Grundthema, auf dem eine putzmuntere Galerie von Action-Sequenzen und Wortspielen aufbaut, die Sequels halten das Niveau oder steigern es sogar – Empfehlung, bitte einfach probieren, und wenn jemand Blut lecken sollte, dann nur weiter, aber bitteschön die Reihenfolge einhalten.
    Ich lese Jasper Fforde sehr, sehr gerne im Original – nicht, dass die deutschen Übersetzungen schlecht sind, aber leider ist zum Beispiel “Der Fall Jane Eyre” neuerdings nur noch zu kaufen in einer üblen Aufmachung mit kleiner, häßlicher Schriftart und Empfehlungen einer nicht zur Literatur berufenen Frisurpostille auf dem vorderen Deckel – man sehe dem Autor diese Verfehlungen seines deutschen Verlages bitte nach, wenn man kann (ich muss, leider, ich bin Fan, zudem ist in Großbritannien derlei leider sowieso üblich, warum auch immer).
    Empfehlung, wirklich, und: Nein, ich arbeite nicht bei dem Verlag, ich ernte nichts für diese Empfehlungen, Lob höchstens. Nebenbei: Die Webseiten des Autors sind, incl. reichlicher Fan-Fiction, sowieso eine Reise wert.

  • Kommt auf die Vormerkliste, danke!