April, 2009 Archives

9
Apr

Saisonanfang

by Maximilian Buddenbohm in

Hugo machte Frühjahrsputz in seinem Imbiß und Stefan und ich saßen auf den weißen Plastikstühlen davor und sahen ihm zu. Er schob gerade die neue Eiskarte in den Aufsteller und wir konnten es nicht glauben, daß sie wirklich ein Eis “Flutschfinger” genannt hatten, aber so stand es da tatsächlich und das Eis sah auch genau so aus, wie es hieß. Stefan kicherte vor sich hin, ich fragte Hugo, ob er schon Eis da hätte. “Nein”, sagte er, “Eis kriege ich morgen. Werde heute erst die Truhe anwerfen.” Er schob den wackeligen Aufsteller mit dem Fuß vor die Tür und fing an, die Tische im Innenraum abzuschrubben.

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8
Apr

Street-Art

by Maximilian Buddenbohm in

Street-Art

8
Apr

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Arno Geiger: Es geht uns gut. Der Roman erschien zuerst 2005 und beginnt so:

“Er hat nie darüber nachgedacht, was es heißt, daß die Toten uns überdauern. Kurz legt er den Kopf in den Nacken. Während er die Augen noch geschlossen hat, sieht er sich wieder an der klemmenden Dachbodentür auf das dumpf durch das Holz dringende Fiepen horchen. Schon bei seiner Ankunft am Freitag war ihm aufgefallen, daß am Fenster unter dem westseitigen Giebel der Glaseinsatz fehlt. Dort fliegen regelmäßig Tauben aus und ein. Nach einigem Zögern warf er sich mit der Schulter gegen die Dachbodentür, sie gab unter den Stößen jedesmal ein paar Zentimeter nach. Gleichzeitig wurde das Flattern und Fiepen dahinter lauter.”

6
Apr

Einkaufen

by Maximilian Buddenbohm in

Morgens um halb acht die Tür zur Bäckerei auftreten, breitschultrig zum Tresen schlendern und grußlos “Eier! brüllen, dabei auf die bunten, hartgekochten Ostereier zeigen, die neben den Zeitungen liegen. Wenn die Verkäuferin nicht sofort reagiert, doppelt so laut “EIER!” rufen und kräftig mit beiden Händen gegen die Verglasung hauen – bis die junge Dame endlich ein Ei überreicht. Nicht danke sagen, nicht zahlen, sich grußlos umdrehen und gehen, von draußen aber nach einer schwankenden, angetrunken wirkenden Pirouette noch einmal unerwartet durch das Schaufenster hineinwinken, machomäßig grinsen und Küßchen werfen, woraufhin gleich alle drei Verkäuferinnen in höchsten Tonlagen “hach, ist der süß” flöten.

Bei gewissen Sachen weiß ich ganz sicher, der Sohn kann es besser als ich, das muß ich gar nicht erst probieren. Obwohl ein Versuch vielleicht doch reizvoll wäre.

6
Apr

Street-Art

by Maximilian Buddenbohm in

Street-Art

5
Apr

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Truman Capote: Sommerdiebe. Aus dem Amerikanischen von Heidi Zerning. Der Roman, der erst 2004 im Nachlaß des Dichters entdeckt wurde, war sein Erstling und beginnt so:

“Du bist ein Rätsel, mein Liebes”, sagte ihre Mutter, und Grady, die versonnen duch einen Tafelaufsatz mit Rosen und Farn über den Tisch blickte, lächelte nachsichtig: ja, ich bin ein Rätsel, und der Gedanke gefiel ihr. Aber Apple, acht Jahre älter, verheiratet und alles andere als rätselhaft, sagte: “Grady ist dumm, weiter nichts; ich wünschte, ich könnte mitkommen. Stell dir vor, Mama, nächste Woche um diese Zeit wirst du in Paris frühstücken! George verspricht immer, daß wir hinfahren… aber ich weiß nicht.” Sie schwieg und sah ihre Schwester an. “Grady, warum in aller Welt willst du mitten im Sommer in New York bleiben?” Grady wünschte, die anderen würden sie in Ruhe lassen; immer dieses Nachhaken, dabei war nun endlich der Tag gekommen, an dem das Schiff auslief: was gab es da noch zu sagen, über das hinaus, was sie schon gesagt hatte?”

5
Apr

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Und auch gleich wieder weg, da nur quer gelesen, das war eher nicht mein Fall: Daniel Kehlmann mit “Der fernste Ort”. Die Novelle erschien zuerst 2001 und beginnt so:

“Seien Sie vorsichtig!” Der Mann an der Rezeption sah Julian neugierig an. “Voriges Jahr ist jemand ertrunken. Einfach nicht zurückgekommen. Man bemerkt es nicht gleich, aber die Strömungen…”
“Sicher”, sagte Julian, “sicher!”
“Er wurde nie gefunden.”
Julian nickte zerstreut und legte das Handtuch über seinen Arm. Die Drehtür setzte sich surrend in Bewegung und gab ihn frei. Die Sonne stand bereits niedrig. Ein Mann mit einem Strohhut ging gebückt vorbei, ein dickes Kind warf mit beiden Händen einen Fußball nach dem Stamm einer Palme, verfehlte ihn und sah hilflos zu, wie der Ball den Hang hinabrollte.

3
Apr

Einfache Erklärung

by Maximilian Buddenbohm in

Der Spielplatz vor unserem Haus grenzt an die Backsteinmauer einer Kirche. Ich stand gedankenverloren vor dieser Mauer und guckte dem Sohn zu, der hinten im Sandkasten fremde Frauen anbaggerte, was in seinem Alter natürlich noch ganz wörtlich zu verstehen ist. Ein kleiner Junge kommt auf mich zu, tippt mich an und fragt sehr höflich: “Können sie bitte da weggehen, da ist doch das Tor. Wir spielen hier Ball.”

“Klar”, sage ich, drehe mich um und gucke verblüfft die Mauer an, “ich hab gar kein Tor gesehen”. “Nein”, sagt der Junge sachlich, “sie sind ja auch erwachsen”.

3
Apr

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Eduard von Keyserling: Sommergeschichten. Herausgegeben von Klaus Gräbner. Eduard von Keyserling kennt ja heute kein Mensch mehr, was ich für sehr bedauerlich halte. Lesen Sie zum Beispiel auch einmal seinen Roman “Wellen” und ignorieren Sie um Gottes Willen die grottenschlechte Verfilmung, wenn Ihnen die im Fernseher über den Weg laufen sollte. Keyserling ist ein Genuß. Die erste der Geschichten in dem Band, “Osterwetter”, beginnt so:

“Am Nachmittage dieses Ostersonntages war das Haus ganz still geworden. Alles drängte hinaus in den Frühling, der so überraschend, fast gewaltsam, während der Festtage über das Land gekommen war. Nur Frau Malwida von Albesch ging ein wenig ruhelos in ihren einsamen Zimmern auf und ab. Sie hörte zu, wie die resedenfarbeneSeide ihrer Schleppe auf dem Parkett leise rauschte; wie die Goldsächelchen, die sie an sich trug, sachte klingelten. In der Elastizität ihres Ganges lag etwas, das ihr selbst wohltat. Sie fühlte sich fast schlank. Und dann empfand sie es heute wieder wie einst in jüngeren Jahren als etwas Körperliches, das ausstrahlt und wärmt, daß sie schön und stattlich war.”

3
Apr

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Heute mal mit einem schicken Lampenbild. Und drüben im Westen ist das neue Wochenhoroskop online. Viel Spaß!

1
Apr

5

by Maximilian Buddenbohm in

Ich habe heute vor fünf Jahren zum ersten Mal als Merlix etwas in das Internet geschrieben – bewußt an einem ersten April, denn dann hätte ich nach einer Weile immer noch gut sagen können, was soll’s, das laß ich wieder, war eh alles nur ein Scherz. Ich bin eben ein vorsichtiger Mensch.

Kaum vorstellbar, aber damals war die Herzdame noch die Verlobte, die Älteren unter Ihnen erinnern sich vielleicht. Lyssa war damals noch eine bekannte Bloggerin und wohnte in der richtigen Stadt, Herr Dahlmann hat noch Geschichten geschrieben, Herr Paulsen war noch nicht bei Antville und überhaupt kannte ich ganz viele wunderbare Menschen noch nicht, keine Isa, keine Percanta, keinen Mek, ach, so viele. Ich habe noch nicht jeden Morgen nachgesehen, ob es etwas Neues bei Kid37 gibt und wenn ich an Schafe dachte, dann nicht gleichzeitig an Sakana. Ich las andere Filmbesprechungen als die von Anke und kannte, wie es sich für einen Lübecker gehört, keinen einzigen Kieler, nicht einmal den Winkel. Die schöne Nachbarin wohnte noch nicht neben mir, von Kindern hatte ich nicht die leiseste Ahnung und an Travemünde dachte ich nur ganz selten und abfällig – na was soll’s, Steinzeit, passé. Mittlerweile wäre das Blog wohl ein ziemlich langer Aprilscherz und ich habe nach reiflicher Überlegung auch gar nicht mehr vor, es wieder einzustellen.

Vielen, vielen Dank für’s jahrelange Lesen und Kommentieren, übrigens! Prost!