Merlix optimiert

Apr 22nd, 2009 von Maximilian Buddenbohm

Die Mütterschar auf dem Spielplatz vor unserer Haustür wird in diesem Sommer ein gutes Dutzend Kinder zur Welt bringen, durch einen seltsamen Zufall fast durchweg Jungs. Wenn man nachmittags auf diesen Spielplatz geht, sieht man jetzt alle paar Meter nachdenkliche Frauen mit rundem Bauch, die Vornamen murmeln, grübeln, sich fragend ansehen, den Kopf schütteln, weitermurmeln. Zwischendurch ältere Geschwister, die ungefragt sehr seltsame Vorschläge krähen und Väter, die die Vornamen ihrer Väter und Großväter wegen mangelnder Anwendbarkeit verfluchen. Dabei schwankt man allgemein zwischen Offenheit und Geheimnistuerei, einerseits könnte man einen tollen Vorschlag hören, andererseits könnten Namen gestohlen werden.

Ich habe als Mensch, der in Prozeßoptimierung geübt ist, längst vorgeschlagen, das aufwendige Nachdenken in Kleinstgrüppchen einzustellen und alle Kinder einfach gleich zu benennen. Man könnte dann den ganzen Stadtteiljahrgang künftig en bloc behandeln, eine zweifellos sehr praktische Vorstellung. Eis für alle, Rutschen für alle, Schlafenszeit für alle, da lacht das Controllerherz. Auch die Taufe zum Beispiel müßte man nicht zwölfmal teuer einzeln zelebrieren. Ein einmaliger Vorgang mit „Wir nennen dieses Rudel Rudolf“ und fertig.

Seltsamerweise hat den Vorschlag niemand ernst genommen. Was nur wieder beweist: Die meisten Menschen haben einfach keinen Sinn für Effizienz im Alltag.

28 Kommentare

  • So ist es. Wenn sich dann alle noch auf die gleiche Körpergröße einigen könnten? Das würde die Ausgaben für Kleidung dank des dann möglichen Einkauf “en gros” deutlich reduzieren !

  • “durch einen seltsamen Zufall fast durchweg Jungs” – das ist kein Zufall, das ist Methode. Ich bin inzwischen überzeugt, dass es gar keine Babymädchen gibt. Mädchen kommen, die Beobachtungen auf Wochenstation und Spielplatz lassen nur diesen Schluss zu, erst im Kindergartenalter dazu.

  • Liebe Percanta, vielen Dank für Ihre glasklare Beobachtungsgabe. Aber das macht mich natürlich sehr betroffen! Denn wenn es nicht die jungen Mädels sind, die dem Herrn Sohn den Kopf verdrehen, bin dann etwa ich verantwortlich für die manchmal sehr surrealen Ideen des kleinen Mannes? Das kann doch gar nicht sein. Niemals nicht.

  • In den Kindergärten hier ringsum hört man durchaus den Begriff “Quotenmädchen”, wenn es um die Aufteilung der Kinder in Gruppen geht.

  • Also, ich freue mich ja, wenn im hohen Norden die ganzen Jungs zur Welt kommen. Denn da die Statistik deutschlandweit wohl doch immer noch ziemlich ausgeglichen ist, könnte es ja sein, dass hier im Süden dann eher ein kleines Mädchen für mich “übrig” ist.

    (Ich “kann” doch nur Mädchen und fürchte mich schrecklich vor einem Sohnemann…)

  • “wir nennen dieses rudel rudolf”

    eine taufe, zu der ich dann auch mal gehen würde. phantastisch!

  • es sollte das Controllerherz doch wenigstens etwas beruhigen, dass bei weiterem planmäßigen Verlauf der Schwangerschaft, wenigstens die künftigen Kindergeburtstage im Hause Merlix, an einem Tag gefeiert werden können.

  • Nur Jungs, oje. Dazu heute im Abendblatt:

    http://www.abendblatt.de/daten/2009/04/23/1132885.html

    “Fragt man unter Bekannten, die ein Kind erwarten, nach dem Geschlecht des Babys, hört man “Gott sei Dank, ein Mädchen” oder “es wird ein Junge”, gefolgt von Achselzucken und einem ratlosen Blick.”

  • Ich würde ja propagieren, auch das Wachstum entsprechend zu reglementieren. Schließlich kann es ja wohl nicht angehen, dass ein Kind mitten im Winter einen Wachstumsschub hinlegt, der dafür sorgt, dass 80% der (naturgemäß teureren) Winterkleidung binnen zweier Wochen nicht mehr passen, nicht wahr ?

    @m
    “Gott sei Dank, ein Mädchen” kann nur von jemandem kommen, der keine Ahnung von pubertierenden Töchtern hat ! :-)

  • Hat man das Ganze nicht schon vor Jahren mit dem Rudel Kevin probiert?

  • @Desideria: Ja, und war es nicht praktisch, mit nur einmal “Kevin!” rufen gleich alle Praktikanten einsammeln zu können?

  • Ja, Rudelbildung hat soziale (und äusserst praktische) Vorteile …

  • Ich habe eher die Rudelerfahrung ‘Christian’ gemacht. In einem Seminar mit 16 Teilnehmern (15 davon männlich) hörten 8 auf den Namen. Was es mir sehr erleichtert hat. Ich hatte gute Chancen richtig zu liegen, indem ich mir einfach nur einen Namen gemerkt habe.

  • Man macht ja teilweise seltsame Erfahrungen mit so etwas. Zum Beispiel hatten alle Frauen meines Jahrgangs schon einmal mit Stefan Sex.

  • Nachbarsdrache

    Prust!

  • In welchem Jahr ich geboren sei, frug mich einst eine Mitreisende in der Bahn. 1968, sagte ich. Dann, verkündete sie triumphierend, dann heißt Du Bettina!
    So heiße ich jetzt zufällig nicht, ich kenne noch nicht mal eine einzige Bettina, die 1968 geboren ist, aber was ich sagen wollte: ich finde Jungs total super.

  • @percanta: Dieses Phänomen habe ich mir erklären lassen: im Alter von ca. drei Jahren fällt bei den nicht so coolen Kindrn was ab… (und wieder 5 Euro in die Chauvi-Kasse)

  • Bettina? War das nicht so ca. 1960-64? 68 war doch schon Claudia, Martina, Andrea und so, sowie Gabi-Restbestände und die ein oder andere Susanne.
    Und Cedric ist der neue Kevin, wie es scheint.
    Kann man aussprechen wie Zementa oder Zündi. Dann passt es auch zu Czybullsky.

  • Oh, Einbetten geht wohl nicht. Dann eben so:
    http://www.youtube.com/watch?v=UCfXSCUWYhk
    Die Kevins haun uns raus!

  • Nachbarsdrache

    Isabo: wie großartig! :-)

  • Bettina Baujahr 1960

    Da die Deutschen immer dicker werden, werden wir bald nur noch männliche Nachkommen haben, laut einer Studie kriegen die Frauen unter 54 kg die Mädchen. Nachforschungen in meiner Familie und Umgebung – stimmt. Meine dicken Schwestern haben alle Jungen und ich (53kg) drei Mädchen.

  • Nachbarsdrache

    Bettina, du glaubst nicht wie gerne ich Deiner These zustimmen würde, bin aber leider schwer verpflichtet Dir zu widersprechen ;-)

  • Mi diesen Theorien kann man in einer Runde von Spielplatzmüttern viel Spaß haben. “Du bist ja auch eher dick…”

  • Nachbarsdrache

    *lach* Outing ganz ohne “Twitter” (der sinnlosesten Verführung seit es Inet gibt) . Bettina, ich gestehe :-)

  • Hallo,

    findest du wirklich, dass eine Taufe “Rudel-Taufe” sinnvoll ist? Ich habe da meine Bedenken. Von der Kostenseite her würde man sich was sparen bei der Taufe, aber sonst wäre das ganz nicht wirklich gut.

    Oder hast du das anders verstanden – die Rudel Taufe?

    Lg
    Horst