Februar, 2009 Archives

28
Feb

Street-Art

by Maximilian Buddenbohm in

Neues von Xooox.

28
Feb

Monolog des Zechprellers

by Maximilian Buddenbohm in

Wir saßen beim Portugiesen um die Ecke und frühstückten, als die Bedienung plötzlich hektisch auf die Straße lief und einen jungen Mann am Jackenärmel hinter sich in den Laden zog, wobei sie schimpfte wie ein Rohrspatz, währen der Mann verwirrt guckte und vehement den Kopf schüttelte. Er hatte, wie die Kellnerin erklärte, vor einer Stunde die Zeche geprellt und war jetzt wieder an dem Laden vorbei gelaufen, also so ja nun nicht, sagte sie aufgebracht und zerrte den Mann zur Kasse. Der stand da, rieb sich die Augen, die seltsam glänzten, sah sich ratlos um und sagte dann:

“Ich bin sehr müde, wissen sie, sehr müde, also nicht nur irgendwie müde, wie es alle mal sind, sondern wahnsinnig müde, richtig wahnsinnig, trotz der siebzehn Tassen Kaffee, die ich heute getrunken haben und Red Bull, das schmeckt ja wohl überhaupt nicht, eben probiert, da drüben, statt Kaffee praktisch, geht schneller, Dose auf und weg, nur schütten, aber der Geschmack! Man ist ja doch an Kaffee gewöhnt irgendwie, wenn man müde ist, richtig müde, ich habe nicht gezahlt, sagen sie, ja, ich weiß nicht, ich bin so müde, da kann das vielleicht mal passieren, sagen sie, wissen sie nicht vielleicht, wo ich Koffeintabletten bekommen kann, also legal, einfach so, weil ich bin zu müde, so geht das nicht, was kriegen sie denn für den Kaffee oder waren es mehrere? Alle siebzehn Tassen habe ich hier aber nicht getrunken. Ich zahl den Kaffee natürlich, sogar lieber als Red Bull und sie wissen wirklich nicht, wo ich Tabletten kriege? Nicht? Was kriegen sie denn für den Kaffee, haben sie das schon gesagt? Was? Wenn ich den nicht bezahlt habe, sind sie eigentlich sicher, daß ich ihn nicht bezahlt habe? So müde wie heute, so müde war ich noch nie. Noch nie! Was kriegen sie?”

Ein klarer Fall eigentlich. Entweder ein Junkie oder ein frischgebackener Vater.

27
Feb

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist das neue Wochenhoroskop online.

25
Feb

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Graham Greene: Unser Mann in Havanna. Deutsch von Dietlind Kaiser. Der Roman erschien zuerst 1958 und beginnt so:

“Der Nigger da draußen auf der Straße”, sagte Dr. Hasselbacher am Tresen der Wonder Bar, “der erinnert mich an Sie, Mr. Wormold.” Es war typisch für Dr. Hasselbacher, daß er nach fünfzehn Jahren Freundschaft immer noch die Anrede Mr. benützte – Freundschaft entwickelte sich mit der Langsamkeit und Gewißheit einer sorgfältigen Diagnose. Vielleicht würde Wormold auf dem Totenbett, wenn Dr. Hasselbacher kam und ihm den versagenden Puls fühlte, Jim werden.”

23
Feb

Das gute Gespräch

by Maximilian Buddenbohm in

Da ich nicht davon ausgehen konnte, daß der Sohn meine zarte Andeutung vom Geschwisterchen wirklich verstanden hat, habe ich einen zweiten Versuch gestartet. Immer fair bleiben, dachte ich.

Merlix: „Sohn, hör mal zu, du kriegst ein Geschwister. Super!“
Sohn: [guckt gelangweilt aus dem Fenster und wartet auf spannendere Mitteilungen]
Merlix: „Das wird toll, du bist dann ein großer Bruder!“
Sohn: [bohrt sich im Bauchnabel herum und seufzt]
Merlix: „Mit Geschwistern kann man spielen!“
Sohn: [pustet lustlos Richtung Mobilé]
Merlix: „Spielen! Toll!“
Sohn: [guckt aus dem Fenster und zeigt auf eine Möwe]
Merlix: „Spielen!“
Sohn: „Ball?“
Merlix: „Äh, ja sicher, auch Ball.“
Sohn: [nickt zufrieden und holt für alle Fälle schon mal einen Ball aus der Kiste]

Ich betrachte das dann jetzt als geklärt.

20
Feb

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Bass

Und drüben im Westen ist das neue Wochenhoroskop online.

18
Feb

Jahrestage

by Maximilian Buddenbohm in

Familienplanung, diesmal für Fortgeschrittene. Nachdem wir bereits beim ersten Kind die näheren – wenn auch natürlich nicht ganz so nahen – Umstände der Zeugung hier geschildert haben, wollen wir dieses hochspannende Kapitel auch jetzt nicht auslassen.

Diesmal allerdings nichts von Bienchen und Blümchen, diesmal geht es nur um Daten, was wiederum beweist, daß sich die jahrelange Arbeit in einer Finanzabteilung doch irgendwann massiv auf das Privatleben auswirkt. Was ist schon Romantik, Hauptsache, man weiß die richtige Zahl. Wir wissen zum Beispiel, an welchem Datum wir das erste Kind zustande gebracht haben. Und wenn man das schon weiß und sich merkt, dachte ich, dann kann man diesen Jahrestag ja auch irgendwie begehen und wie würde man das besser tun, als indem man die Mutter des Kindes unter munteren Scherzworten wie “an dem Tag ging’s doch schon mal” ins Bett zerren würde. Ganz naheliegend.

Hätte ich etwas länger nachgedacht, wäre ich darauf gekommen, daß Kind 2 auf diese Art exakt den gleichen Stichtag wie Kind 1 haben würde und hätte nicht erleben müssen, wie die Frauenärztin, als sie etwas fassungslos das Datum in den Mutterpaß eintrug, die Herzdame fragte, ob das Leben mit einem Controller nicht sehr anstrengend sei.
Ich denke, man muß es positiv sehen. Sollte das zweite Kind genau wie das erste Kind exakt am Stichtag kommen, haben wir künftig diesen ganzen unsäglichen Kindergeburtstagsaufwand immerhin an nur einem Tag erledigt.

Die Herzdame hat allerdings schon angekündigt, an künftigen Jahrestagen lieber getrennt zu schlafen. Sehr schade.

17
Feb

Die Porscheoption

by Maximilian Buddenbohm in

Das Thema Autokauf hat uns noch eine Weile lang verfolgt, bis wir am Wochenende beschlossen haben, den alten Benz einfach noch solange zu fahren, bis er komplett auseinanderfällt. Das spart Geld und auch die Entscheidung für ein anderes Modell. Es war uns vorher gar nicht klar, daß es bei dem Thema Auto zu etwas kommen kann, was Scheidungsrichter wohl gerne als „unüberbrückbare Gegensätze“ bezeichnen, aber nun wissen wir das sehr genau. Die Herzdame möchte ein Auto im Mikroformat, ich möchte am liebsten ein Wohnmobil oder doch einen kompakten Siebensitzer und über die Kompromißfähigkeit von Nordostwestfalen sollte man nicht zu lange nachdenken.

Immerhin haben wir gemeinsam einen Tag lang Neuwagen besichtigt, wobei wir einen fachkundigen Freund, der uns begleitete,  durch unsere geradezu dramatische Uneinigkeit wahrscheinlich über Gebühr strapazierten.  Überraschenderweise war das Schwerste dabei aber nicht die Diskussion über die Eignung von Modellen, nein, das Schwerste war, den Sohn nach erfolgter Besichtigung wieder aus den Autos zu bekommen, wo er wild hüpfend hinter dem Steuer stand und begeistert an allen erreichbaren Schaltern drehte. Er ist, im krassen Gegensatz zu seinen beiden Eltern, ein leidenschaftlicher Autonarr. Läuft durch Autohäuser, winkt Verkäufern zu, zeigt auf die Ausstellungswagen und ruft vor jedem begeistert „Auto!“.  Kann Autotüren öffnen, an Gangschaltungen ruckeln und bei gewissen Modellen sogar vom Kofferraum zum Steuerrad durchkrabbeln. Nach dem vierten oder fünften Autohändler hatten die Herzdame und ich genug, der Sohn hätte gerne noch ein paar andere Marken getestet.

Am nächsten Morgen, auf dem Weg zur Kita, stürzte der Sohn begeistert auf das nächstbeste Auto los, einen Mercedes der obersten Kategorie, und rüttelte wild an der Fahrertür: „Auto!“ Großartig, dachte ich, gleich geht der Autoalarm los und weckt den ganzen Stadtteil auf. Ich zog von hinten am Kind, um es von der Gefahrenquelle zu entfernen, woraufhin das von der Natur in den Sohn eingebaute Alarmsystem losging. Das Kind schrie, als würde ich es auf offener Straße meucheln, in den Wohnungen ringsum gingen nach und nach Lichter an. Ich zog das Kind ein paar Meter weiter, es lief wie ferngesteuert auf einen Mazda zu. Der Weg zur Kita ist kurz, aber gemessen an der Zahl der am Wegesrand parkenden Fahrzeuge doch erstaunlich lang. Ich gehe jetzt immer eine halbe Stunde früher los.

Am Nachmittag war der Sohn bei seinem besten Kumpel zu Besuch, wo er im Kinderzimmer einen gelben Spielzeugporsche fand, einen kleinen 911er.  Diesen drückte er jauchzend an sein Herz, nicht gewillt, ihn jemals wieder loszulassen. Der beste Kumpel wurde durch großzügiges Überlassen des Schnullers bestochen, die Mütter durch panisches Klammern beeindruckt, der Porsche wurde ihm schließlich leihweise überlassen. Als ich von der Arbeit kam, winkte er mir schon im Flur mit dem Auto zu. „Sohn“, sagte ich, „kein Mensch mit Geschmack und Verstand würde jemals einen gelben Porsche fahren.“ „Auto!“ antwortete der Sohn, ohne sich die Freude trüben zu lassen.

Das Abendbrot war schwer für ihn, denn er konnte nur einhändig essen, er hätte sonst den Porsche loslassen müssen und er ahnte die Gefahr. Der Klammergriff wurde auch beim abendlichem Umziehen und Waschen nicht gelöst, noch im Bett schmiegte sich die Kinderwange eng an das gelbe Blech.  „Auto“, murmelte er im Einschlafen und seine Finger drehten noch die kleinen Räder, als er schon längst im Traumland war.  „Er ist beim Autokauf eindeutig für die Porscheoption“, sagte die Herzdame.

Nachts um vier wurde ich durch seltsame Geräusche aus dem Kinderzimmer geweckt, ich ging knurrend hinüber, um nachzusehen. Der Sohn stand hüpfend im Bett und hielt den Porsche in einen Strahl Mondlicht, blaß glänzten die Felgen vor seinen weit aufgerissenen Augen. „Sohn“, sagte ich, „wir müssen reden.“

Und ich nahm ihn auf meinen Schoß und zeigte auf das kleine Auto in seiner Hand. „Erstens fahren nur Makler gelbe Porsches. Ich aber verdiene mein Geld halbwegs redlich, daher kommt dieser Wagen für uns nicht in Frage. Und zweitens ist er zu klein für eine vierköpfige Familie.“ Ich boxte ihm verschwörerisch in die Rippen.  Der Sohn auf meinem Schoß war aber im Laufe der Rede schon wieder eingeschlafen, den Porsche an seine Lippen gedrückt, die zu einem seligen Lächeln verzogen waren.

Aber er kann später nicht behaupten, wir hätten es ihm nicht rechtzeitig gesagt.

14
Feb

Valentinstag

by Maximilian Buddenbohm in

Kaispeicher A

Die Liebe, die Liebe. Hier im Bild zum Beispiel am Kaispeicher A, bevor begonnen wurde, ihn zur Elbphliharmonie umzubauen.

Nächste Woche soll es milder werden, heute wäre ein guter Tag, um sich gegenüber einer Person als Liebhaber zu outen – ich habe passend zur Saison drüben im Westen ein Flirthoroskop online gestellt, zur allgemeinen Orientierung und Erleichterung der Anbahnung.  Viel Spaß damit.

13
Feb

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Vladimir Nabokov: Lolita. Aus dem Amerikanischen von Helen Hessel. Der Roman erschien zuerst 1955 und beginnt so:

“Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-Li-Ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta.
Sie war Lo, kurz Lo, am Morgen, 1,50 m groß in einem Söckchen. Sie war Lola in Hosen. Sie war Dolly in der Schule. Sie war Dolores von amtswegen. Aber in meinen Armen war sie immer Lolita.”

13
Feb

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist das neue Wochenhoroskop online. Mit besonderer Liebe zu den Fischen getextet, wie ich gleich vorsorglich hinzufügen möchte. Viel Spaß!

12
Feb

Donnerstag

by Maximilian Buddenbohm in

11
Feb

Mittwoch

by Maximilian Buddenbohm in

Wiesel

10
Feb

Dienstag

by Maximilian Buddenbohm in

9
Feb

Montag

by Maximilian Buddenbohm in