Januar, 2009 Archives

9
Jan

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Waste1

Und drüben im Westen ist das neue Wochenhoroskop online.

4
Jan

Pötpöt

by Maximilian Buddenbohm in

Man kann übrigens verblüffend viel Zeit damit zubringen, Bilderbücher angemessen in Sprache zu übertragen. Denn so ein Bilderbuch will ja nicht nur mal eben gezeigt sein, nein, man muß dem Nachwuchs auch noch vorbeten, was da zu sehen ist und das Ganze mit pädagogisch wertvollen Fragen anreichern. Da ist ein Hund, was macht der Hund. Womit die Sprachschwierigkeiten schon beginnen, denn bei uns macht der Hund “wuff”, in der Kita macht er aber “wau” und zack, hat man gewissermaßen ein zweisprachiges Kind.

Gestern kam ich dazu, wie die Herzdame dem Kind beim Insbettgehritual aus einem Bilderbuch etwas vorlas und dabei laut und deutlich “pötpötpöt” machte. Ich dachte etwas nach und fragte dann, welches seltsame Tier sich denn bitte durch pötpötpöt mitteilen würde und warum sie dem armen Jungen jetzt schon solchen Unsinn beibringen müsse. Die Herzdame zeigte gereizt auf das Buch, in dem gerade die Abbildung eines Treckers aufgeschlagen war. “Pötpötpöt”, wiederholte sie. “Ach was”, sagte ich, “so ein Trecker macht natürlich brummbrummbrumm.” “Ha”, sagte die Herzdame, “und was macht dann ein Auto?”

Es ist tatsächlich kompliziert. Ein Auto macht natürlich auch brummbrummbrumm, aber höher, man muß, denke ich, die Bedeutung der Geräusche auch durch die Tonlage variieren, ganz so, wie es die Chinesen mit ihren Vokabeln tun. “Brummbrumm” fiepte die Herzdame in höchstmöglicher Tonlage, “fang mich, ich bin ein Smart!”

Ich sagte ihr, daß ein melodisches Brummbrumm immer noch besser als ein auch lautmalerisch total falsches Pötpöt sei. Die Herzdame sagte, der Sohn könne ja noch eine heitere Kindheit haben, mit so einem Sprachtyrannen als Vater. “Sprache ist kein Spaß”, sagte ich, “brummbrumm!” “Ach was”, sagte die Herzdame, “pötpöt!”

Der Sohn blätterte währenddessen im Bilderbuch hin und her und wieder zurück zur Seite mit dem Trecker. Er zeigte darauf und sagte, zwischen der Herzdame und mir hin und her sehend: “Treckertreckertrecker?”

“Klappe”, sagten wir wie aus einem Munde. Manchmal muß man sich einig sein, als Eltern, das ist ganz wichtig.

4
Jan

Post

by Maximilian Buddenbohm in

Gesehen in Hamburg, auf der Langen Reihe.

4
Jan

Bücher, Bücher

by Maximilian Buddenbohm in

Es gibt übrigens jetzt noch zwei Buchserien, analog zu der hier jeweils veröffentlichten „Neu auf dem Nachttisch“. Bei Percanta kann man unter „Zurück ins Regal“ nachlesen, was gerade ausgelesen wurde und bei der Wiesenraute kann man unter „Perlen gotischer Baukunst“ aus der Mitte oder irgendwoher gegriffene Zitate der aktuellen Lektüre finden. Unbedingt hinklicken. Wenn es noch mehr Serien gibt, die ich vielleicht gar nicht kenne, gerne in den Kommentaren Bescheid geben.

Nachtrag: Isa nun auch mit Büchern und Bov nicht. Sozusagen.

2
Jan

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Jeffrey Eugenides: Middlesex. Deutsch von Eike Schönfeld. Der Roman erschien zuerst 2002, wurde mir von zwei Damen empfohlen und beginnt so:

“Ich wurde zweimal geboren: zuerst, als kleines Mädchen, an einem bemerkenswert smogfreien Januartag 1960 in Detroit und dann, als halbwüchsiger Junge, in einer Notfallambulanz in der Nähe von Petroskey, Michigan, im August 1974. Fachleute unter den Lesern könnten mir in der Studie “Geschlechtliche Identität bei 5-alpha-Reduktase-Pseudohermaphroditen” von Dr. Peter Luce, 1975 erschienen im Journal of Pediatric Endocrinology, schon einmal begegnet sein. Oder vielleicht haben Sie mein Foto im sechzehnten Kapitel des heute arg veralteten Standardwerks Genetik und Vererbung gesehen. Ich bin das Kind auf Seite 578, das nackt, mit einem schwarzen Balken vor den Augen, neben einer Meßlatte steht.”

2
Jan

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben ist das neue Wochenhoroskop online.

1
Jan

Neujahrsbilderbogen

by Maximilian Buddenbohm in

Auf der Straße, die zu unserem Haus führt, liegen Hunderte von Flugblättern, teils noch bündelweise, weiß, gelb, rot, zerknüllt, zerrissen, von Feuerwerk zersprengt, angesengt, vom Wind in den Kirchhofzaun getrieben. Auf den Flugblättern wird Sozialismus gefordert, man liest was von der Weltrevolution, von Klassen und von Kampf und man wundert sich zunächst. Doch schon soviel Krise, daß hier, zwei Straßen hinter dem Grand Hotel Atlantic, das Proletariat wieder Flugblätter verteilt?
Es ist aber nur so, daß die Jugendlichen aus dem Block die letzten Drucklieferungen für den kleinen sozialistischen Verlag im Souterrain gegenüber gestern Nacht in Silvesterlaune zerfleddert haben. Zu meiner Zeit hätten wir ja eher die Lieferungen für das Atlantic geplündert, aber nun ja, die Zeiten ändern sich wohl.

Das Eis auf der Alster ist dünn und brüchig, es reicht nur eben aus um die Hunde zu tragen, die darauf ungeschickt umherrutschen und nebenbei auf den Holzstengeln der Silvesterraketen kauen. Herrchen und Frauchen debattieren am Ufer: “Wenn das bricht, dann holst du ihn aber raus.” “Nee, wieso ich denn?!”

Im Hauptbahnhof steht eine verfrorene Berliner-Verkäuferin in einem zugigen Bäckers tand und zischt die desinteressierten Passanten schlecht gelaunt an: “Billiger wird’s nicht, mein Gott!”

Vor den Regalen mit den Taschenbüchern im Presse-Zentrum steht eine Frau mit silbergrauem Pagenschnitt neben mir und fährt mit dem Finger über die Buchrücken: “Böll… Böll… meine Güte noch ein Böll! In einer Bahnhofsbuchhandlung! Das muß doch nicht sein!”

1
Jan

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Hans -Ulrich Treichel: Der Papst, den ich gekannt habe. Erzählung. Das Buch erschien zuerst 2007 und beginnt so:

“Ich werde meine Notizbücher wegwerfen. Entsorgen. Ich habe zu viele davon. Seit ich denken kann, kaufe ich Notizbücher, in die ich dann nichts oder so gut wie nichts eintrage. Wenn ich mir ein neues Notizbuch kaufe, dann mit der besten Absicht, es auch zu benutzen. Vorzugsweise unterwegs. Am schönsten ist für mich die Vorstellung, während einer Bahnfahrt ein neues und noch unbenutztes Notizbuch aufzuschlagen und dann einen Vers, einen Romananfang oder den Abschnitt einer Erzählung darin zu notieren.”

1
Jan

Januar

by Maximilian Buddenbohm in

Happy New Year