Urlaubsplanung

Da die Herzdame hartnäckig der Meinung ist, wir müßten in diesem Jahr eine Flugreise unternehmen, weil der Sohn noch kostenlos fliegt, denken wir seit Wochen über die Urlaubsplanung nach. Die Herzdame glaubt, der nichtzahlende Sohn würde Geld sparen, wenn man fliegt. Ich glaube, wenn zwei Erwachsene als Vollzahler fliegen, nur weil ein Nichtzahler dabei ist, kostet das unter dem Strich mehr Geld, als das generelle Nichtfliegen kosten würde, aber ich bin, wie die Herzdame pikiert anmerkte, im Hauptberuf Controller und soll mich gefälligst im Büro austoben und nicht zuhause. Sagt sie.

Wir haben also zur Abwechslung in Erwägung gezogen, einen ganz normalen Urlaub zu machen, also genau das, was so viele Menschen dauernd machen, nur wir noch nie. Sonne, Süden, Strand, Pool, Halbpension und so. Mallorca, oder wie das heißt.

Also sehen wir uns fleißig bei diesen Hotelbewertungsportalen an, was andere Urlauber über die Hotels schreiben und vergleichen das dann mit der Beschreibung im Prospekt, denn man kauft oder bucht ja heutzutage nicht mehr irgendwas, sondern macht sich als aufgeklärter Verbraucher 2.0 erst kundig.

Wenn man sich aber diese Bewertungen ansieht, kann man leider nicht mehr verreisen, denn die Hotels sind alle sehr schlecht. Keines, an dem man nicht irgend etwas zu meckern finden würde, kein Bett, das nicht irgendwen schlaflos ließ, keine Küche, die das Fleisch nicht für irgendwen falsch zubereitete, kein Ausblick auf ein Meer, das blau oder türkis genug war. Kein Hotelgarten, in dem nicht hier und da welkes Laub liegen würde, kein Pool, in dem nicht ein totes Insekt trieb, kein Zimmer, in dem man nicht, besonders unfaßbar, schon irgendwelche Gebrauchsspuren anderer Menschen finden würde. Alles mangelhaft, eklig, beklagenswert, betrüblich.

Was mich dabei besonders ratlos zurückläßt, ist die gar nicht seltene radikale Abwertung von Hotels mit dem Grund: „Da waren auch Russen.“ Russen scheinen, gerade wenn sie in Rudeln auftreten, Gebäude und ganze Orte zu entwerten und der aufmerksame Beobachter scheut sich nicht, dies auch anzukreiden.

„Hotel ist weitgehend von Russen bevölkert. Wenn einen das nicht stört, ist es schön.“ Solche Sätze findet man. Klingt vielleicht auf den ersten Blick gar nicht schlimm. Klingt vielleicht erst etwas schlimmer, wenn man Russen einmal beliebig tauscht. Etwa gegen Juden. Nur so als Beispiel. Oder gegen Farbige.

Oder nicht?

31 comments

  1. PR

    Am besten fahren Sie irgendwo hin, wo auch Holländer sind. Die haben schließlich eine Menge Erfahrung im Reisen.

  2. Guido

    Ganz normaler Urlaub ist für nicht ganz normale Menschen einfach nur Horror. Wirklich. Bevor ich mir 2 Wochen Touristenhotel auf Malle antue, gehe ich lieber 2 Wochen arbeiten. Fahrt doch irgendwo hin, wo es weder Russen, noch Engländer, Türken, Polen, Holländer oder sonstige klischeebehaftete Touristenscharen gibt. Also irgendwohin, wo es primär Einheimische und kaum Touristen gibt. Wenn es warm und nicht allzu weit weg sein soll, kann ich aus eigener Erfahrung (mit 6 Monate altem Kind) eine Rundreise durch Marokko empfehlen. Wenn Strand unvermeidbar dazugehört, kann man am Ende ein paar Tage Essaouira ranhängen.

    Wenn es doch Malle werden soll, würde ich vor allem in Google Earth gucken, wie das Hotel denn wirklich gelegen ist.

  3. Jana

    Eine Rundreise mit Baby durch Marokko? Dann könnt ihr euch gleich ins Krankenhaus mit Magen-Darm-Geschichten einweisen lassen. Habe es leider persönlich erlebt. Das Land ist zwar schön, aber niemals mit Baby!

    Wenn es schon eine Flugreise sein muss, dann eher nur Flüge buchen und vorort eine Pension/Ferienwohnung/B&B etc.suchen. So umgeht man den dickbäuchigen-kamerabehängten-weisse-Socken-mit-Sandalen-und-kurzen-Hosen-Pauschaltouristen und lernte Einheimische kennen. So kann man Mallorca, Kreta oder Italien sehr schön genießen…

    Wenn ihr nichts gegen ein Mietauto habt und ihr nicht unbedingt direkt am Strand wohnen wollt, dann kann ich euch für Mallorca eine tolle Unterkunft empfehlen.

  4. Joerg

    Mein lieber Herr Merlix,

    generell gebe ich Ihnen mit dem „zweiten Blick“ schon recht !

    Im speziellen jedoch mein Herr, empfehle ich mal genau so ein Hotel, ganz besonders in Hinblick auf die Herzdame, den Sohn und Ihre manchmal wirklich bewundernswerte Gelassenheit die sie hier immer so schön und nachvollziehbar vertreten.

    Denn und wie Sie und ich wissen, gibt es immer solche und solche … Gerade auch bei unseren eigenen Landsleuten kann einem da schon mal fix der Hut hoch gehen. Und wenn irgendwelche Landsmänner in Rudeln auftreten verstärkt das leider nunmal das Empfinden. Das ist nicht schön, aber nicht wirklich vermeidbar.

    Und ich könnte Ihnen da Geschichten von meinem letzten Nepalaufenthalt über gewisse Landsleute erzählen, da wird es Ihnen und der Herzdame gruseln !

    Nur mal so als kleines Beispiel möchte ich Ihnen die Niederländerinnen ans Herz legen, die in einer vollkommen überfüllten Lodge im Massenlager AUF GAR KEINEN FALL neben meine beiden nepalesischen Begleitern liegen wollten !! Die könnten doch draussen schlafen (bei Temperaturen von ca. 5 Grad minus) …. Meine Antwort war da weder leise noch gelassen sondern leider derart hart, dass ich mich ihrer einen Tag geschämt habe !

    Denken Sie mal darüber nach bevor Sie die Rassismusschiene bemühen Herr Merlix …

  5. Merlix

    Das ist schon klar, daß jeder solche Geschichten kennt und sie wahrscheinlich und im besten Fall auch erzählen kann, ohne daß es nach Rassismus klingt. Es ist aber etwas ganz anderes, wenn man ohne jeden weiteren oder gar heiteren Kontext die Anwesenheit von irgendwelchen Menschen als Grundlage für eine Abwertung nimmt. Zwischen den beiden Varianten liegt schon etwas.

  6. Hans-Georg

    Wie war das noch zu Zeiten des kalten Krieges?: Wir hatten Angst davor, die Russen könnten kommen. Nun sind sie überall zu finden. Sie sind da!

  7. Thomas

    Tja, da stoßen halt Kulturen aufeinander. Man kennt sich nicht und am Ende kommen diese Kommentare in den Hotelbewertungen dabei heraus. Ich persönlich halte das nicht unbedingt für Rassismus.
    Ein schöner Artikel zum Thema findet sich hier:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/729674/

    Offenbar stören sich die russischen Touristen nicht an den Gewohnheiten ihrer Gastgeber oder denen der anderen Gäste. Andersherum gibt es schon einige Irritationen. Da bin ich aber mal gespannt, ob man das mit Informationsmateial hinbekommt.

  8. Guido

    @Jana
    Mit Verlaub: Marokko = Magen-Darm-Krankheit halte ich für genau so ein plattes Vorurteil wie die gängigen Pauschalurteile zu Russen, Engländern etc. Man kann auch mit Kleinkind fast jede Reise machen (Malaria- und Gelbfiebergebiete würde ich ausnehmen). Man muss sich nur vorher intensiv informieren und einige Dinge planen.
    http://marokko.11-300mm.de/

    Wenn nichts dazwischen kommt, wollen wir im Mai durch Botswana Südafrika und Namibia fahren – mit unserem Sohn, der dann 1 Jahr alt ist. Darüber können sich auch viele echauffieren.

  9. Anke

    Also, ich finde die ratlose Verblüffung angesichts solcher Bewertungskommentare absolut angemessen. Was soll denn damit zum Ausdruck gebracht werden?

    Ich finde auch nicht, dass die Tatsache, dass sich wahrscheinlich jeder schonmal für deutsche Mitreisende fremdgeschämt hat, so etwas relativiert. Fakt ist ja nun mal, dass es in jedem Land absolute Vollidioten gibt und da sind die europäischen Länder wahrscheinlich nicht unterschiedlich genug, als dass man das auf eine Region einschränken könnte.

    Ich habe auch schon in Clubhotels gesessen und mich über die Deppen beim Frühstück heimlich aufgeregt. Aber ich würde mir eher die Zunge abbeißen, als das raushängen zu lassen. Wenn ich es exklusiver haben möchte, dann muss ich eben mehr als 299 € bei Neckermann investieren. Wenn ich ich nicht mehr Geld habe oder ausgeben möchte, dann muss ich akzeptieren, was ich dafür bekomme. Das gilt für jedes andere Kaufgeschäft auch.

    Geiz ist geil. Trotzdem sind wir natürlich besser als alle anderen.

    Diese Anspruchshaltung lässt sich auf vielfältige Themen ausweiten (siehe jeden beliebigen „Lebensmittelskandal“…)

  10. Vincent

    Es ist übrigens genau so ein Vorurteil, dass man, wenn man alleine für 2 Wochen eine fremde (=außereuropäische) Kultur bereist, sie wesentlich besser und tiefer kennen lernen würde als ein zweiwöchiger Pauschaltourist, und nur ersteres daher der „richtige“ Urlaub ist. Wie so ein fremdes Land oder eine fremde Kultur ist, oder die Menschen darin „sind“, lernt man nämlich überhaupt nicht in 2 oder 4 oder 6 Wochen. Im Bezug auf das Reisen gibt es gerade in etwas gebildeteren Teilen der Bevölkerung einen ziemlich eingeschränkten Horizont (Was? Die fahren schon wieder an den Strand? Die sind doch so gebildet…). Man sollte sich viel mehr fragen, was man für sich selbst will (Erholung? Anregung? Schönheit?).

  11. Anke

    So meinte ich das garnicht. Ich habe nichts gegen pauschal gebuchte Reisen (mal abgesehen von der umwelttechnischen Problematik, was aber mit diesem Thema nichts zu tun hat). Ich mach das auch.

    Mich stört aber, wenn Menschen für ein lächerlich geringes Entgeld um die halbe Welt fliegen und sich dann hinsetzen und glauben, erlesener, gebildeter und überhaupt viel besser als die „anderen Gäste“ in dem gleichen Laden zu sein. Und die absolute Krönung ist es dann, wenn das sich dann auch noch an der Nationalität der Mitreisenden festmacht.

  12. su

    wir sind auch ganz normale nicht-normale menschen mit kleinen kindern. wenn wir eine flugreise machen, dann nach irland. da kannst du noch ungestört an so manchen stränden toben. und, entgegen landläufiger meinungen, ist es ziemlich regenfrei. wir hatten es sogar ende oktober im süden noch sehr warm.

  13. KochSchlampe

    Hmm. Dass sich ein recht großer Teil der Russen im Urlaub … anders als die anderen Kinder benehmen haben ja die meisten eigentlich mitbekommen. Und wenn es Schweizer Ski-Orte gibt, die inzwischen inoffizielle ‚Russenquoten‘ eingeführt haben, dann nur, weil ein zu hohes Maß an russischen Gästen dazu führen würde, dass die Gäster anderer Nationalität wegbleiben.
    Mehrere Tauchschulen in Ägypten lehnen russische Gäste komplett ab. Weil sie unnötige Risiken eingehen, nicht auf die Tauchguides hören, besoffen zum Tauchgang erscheinen und dazu tendieren das Equipment durch Nachlässigkeit eher schnell zu zerstören.
    Es gibt sicherlich auch genügend nette Russen, die sich im Urlaub friedlich benehmen. Aber wenn ein Hotel mehrfach mit ‚Wenn einen die Russen nicht stören, ist es nett da.‘ bewertet wird, würde ich da einen großen Bogen drum machen.

    „Just because someone’s a member of an ethnic minority doesn’t mean they’re not a nasty small-minded little jerk […]“ Pratchett.

  14. Guido

    @Vincent
    Ganz sicher lernt man als Individualtourist ein Land viel besser kennen, denn als Pauschaltourist. Alleine schon deshalb, weil man sich als Individualtourist um ganz viele Dinge selbst kümmern muss und dabei zwangsweise viel Kontakt zur einheimischen Bevölkerung hat: Transfers, tägliche Mahlzeiten, Genehmigungen, Eintritte, Unterkunft für die Nacht, … Bei einer Pauschalreise wird das alles von Dritten geregelt. Es macht auch einen Unterschied, ob man abends mit 5 anderen Gästen und dem Inhaber einer kleinen Pension 3 Stunden beim Dinner sitzt oder ob man mit 500 anderen Touristen in einem Essenssaal das Buffet mit Wiener Schnitzel etc. stürmt – um mal Klischees zu bedienen.

    Ein ganz wunderbarer Essay über das Reisen steht in der aktuellen Merian. SPON hat es übernommen:
    http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,597060,00.html

  15. Maggi

    @Guido: Allerdings halte ich Individualtouristik für Familien mit Kindern – zumindest wie du es schilderst – tatsächlich für zu aufwändig. „Transfers, tägliche Mahlzeiten, Genehmigungen, Eintritte, Unterkunft für die Nacht“, und das mit einem, vielleicht noch mehreren Kindern – fast nicht machbar.

  16. Alexander

    Mit den Hotelbewertungen ist das so eine Sache. Am besten finde ich venere.com. Prinzipiell bemängelt ja jedes Volk was anderes: Amerikaner bspw. zu kleine Hotelzimmer (=unter 50m2 pro Person)und fehlende Klimaanlagen. Destilliert man das dann raus, weiß man ob ein Hotel gut ist. Die Russen werden deswegen so negativ wahrgenommen, nicht weil sie sich wie Russen, sondern wie ein Haufen Neureicher Nabobs mit Alkoholproblem benehmen. Das gibt sich in einigen Jahren, wenn sich nach dem Geld auch Benimmregeln etabliert haben. Ein ganz normaler historischer Prozess, war schon seinerzeit bei den Goten so.
    Ich persönlich würde (Süd) Italien empfehlen: gesundes Touristenvölkergemisch, Sehenswürdigkeiten auch in kindgerechten Häppchen genießbar, und ohnehin ist kein Volk ist so kinderlieb wie die Italiener.

  17. Vincent

    @Guido: Ich wollte mich mit meinem Kommentar auch einfach nur gegen die immer wieder latent durchschimmernde Behauptung wehren, Individualtouristen wären in irgendeiner Form bessere Urlauber.
    Was mich so ärgert sind diese ganzen Individualreisenden, die dann wiederkommen und denken, sie wüssten irgendwas über das ihnen vorher fremde Volk. Das tun sie nämlich nicht, sie haben sich höchstens Vorurteile gebildet. Man versteht eine fremde Kultur nicht in 3 Wochen (auch nicht in 3 Monaten, vielleicht in 3 Jahren?).

    Ich habe früher auch so argumentiert wie du, ich reise auch nach der Art wie du das vorschlägst und habe viel Sympathie für Menschen, die auch in ihrem Urlaub sich noch begeistern können und selber erfahren wollen.
    Aber ich glaube trotzdem auch: Der pseudointellektuelle Backpacker in Lateinamerika bspw., der der zahnlosen ecuadorianischen Marktfrau 1 Cent für die Banane zahlt, um sich als Einheimischer zu fühlen, mir dann mitteilt, wie faul der Nicaraguaner an sich doch sei und sich auch noch moralisch erhebt über den Familienvater, der lieber die sicherere und weniger anstrengende Vollpension gewählt hat, hat letztlich vom Land genausowenig verstanden wie dieser.

  18. Nachbarsdrache

    Witzig, die Kommentare. Des Deutschen liebstes – und somit engagiert verteidungswürdigstes – Kind scheint nicht mehr sein Auto sondern sein Urlaub zu sein. :-)

  19. walküre

    Ich muss mich nun doch noch einmischen, weil mir ein Punkt bei der ganzen Diskussion sehr unterrepräsentiert scheint: Worauf ich bei Reisen mit einem (kleinen) Kind – unabhängig vom Reiseziel – am meisten achten würde, ist die Möglichkeit einer fundierten medizinischen Betreuung mit internationaler Prägung im Krankheitsfall. Das schönste Urlaubsziel nützt Ihnen nichts, wenn sie sich keinem Arzt verständlich machen können, wenn in der Apotheke kein Mensch das verlangte Medikament kennt, wenn das nächste Krankenhaus mit Kinderabteilung -zig Kilometer entfernt ist – von den jeweiligen medizinischen Standards ganz zu schweigen.

  20. Zeitlos

    Ich wüsste da ein nettes, gepflegtes Hotel auf Mallorca, idyllisch gelegen, mit eigenem Strand und bunt gemischten Gästen. Seufz. Da würde ich am liebsten sofort wieder hin…

  21. Moneo

    Fahren sie doch nach Russland.

    Wenn man die Leute so hört, sind die angeblich ungenießbaren Einwohner dieses unglaublich großen und noch dazu ungemein schönen Landes ja gerade nicht zu Hause.

    Aufgrund der Größe des Reiseziels und der bestehenden Vorurteile besteht auch kaum Gefahr ihrem Chef oder den Nachbarn zu begegnen. Dürfte sehr erholsam werden…

  22. weltdeswissens

    Frau Zeitlos, den Tip hätte ich gern :)

    Ich kann holidaycheck.de nur empfehlen. Die Weiterempfehlungsrate ist ein guter Indikator, und wenn man weiß, worauf man im Urlaub Wert legt (bei mir z.B. ist die Lage wichtig, das Essen nicht), sind die Bewertungen sehr hilfreich.

    Über den Satz der Herzdame zum Controlling musste ich schon kichern 😀

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