Pötpöt
Man kann übrigens verblüffend viel Zeit damit zubringen, Bilderbücher angemessen in Sprache zu übertragen. Denn so ein Bilderbuch will ja nicht nur mal eben gezeigt sein, nein, man muß dem Nachwuchs auch noch vorbeten, was da zu sehen ist und das Ganze mit pädagogisch wertvollen Fragen anreichern. Da ist ein Hund, was macht der Hund. Womit die Sprachschwierigkeiten schon beginnen, denn bei uns macht der Hund “wuff”, in der Kita macht er aber “wau” und zack, hat man gewissermaßen ein zweisprachiges Kind.
Gestern kam ich dazu, wie die Herzdame dem Kind beim Insbettgehritual aus einem Bilderbuch etwas vorlas und dabei laut und deutlich “pötpötpöt” machte. Ich dachte etwas nach und fragte dann, welches seltsame Tier sich denn bitte durch pötpötpöt mitteilen würde und warum sie dem armen Jungen jetzt schon solchen Unsinn beibringen müsse. Die Herzdame zeigte gereizt auf das Buch, in dem gerade die Abbildung eines Treckers aufgeschlagen war. “Pötpötpöt”, wiederholte sie. “Ach was”, sagte ich, “so ein Trecker macht natürlich brummbrummbrumm.” “Ha”, sagte die Herzdame, “und was macht dann ein Auto?”
Es ist tatsächlich kompliziert. Ein Auto macht natürlich auch brummbrummbrumm, aber höher, man muß, denke ich, die Bedeutung der Geräusche auch durch die Tonlage variieren, ganz so, wie es die Chinesen mit ihren Vokabeln tun. “Brummbrumm” fiepte die Herzdame in höchstmöglicher Tonlage, “fang mich, ich bin ein Smart!”
Ich sagte ihr, daß ein melodisches Brummbrumm immer noch besser als ein auch lautmalerisch total falsches Pötpöt sei. Die Herzdame sagte, der Sohn könne ja noch eine heitere Kindheit haben, mit so einem Sprachtyrannen als Vater. “Sprache ist kein Spaß”, sagte ich, “brummbrumm!” “Ach was”, sagte die Herzdame, “pötpöt!”
Der Sohn blätterte währenddessen im Bilderbuch hin und her und wieder zurück zur Seite mit dem Trecker. Er zeigte darauf und sagte, zwischen der Herzdame und mir hin und her sehend: “Treckertreckertrecker?”
“Klappe”, sagten wir wie aus einem Munde. Manchmal muß man sich einig sein, als Eltern, das ist ganz wichtig.






Tss. Und dabei weiß doch nun wirklich jeder halbwegs lokalpatriotisch belesene Norddeutsche seit »Werner«, dass der Trecker »Kult« macht. (»Wenn hiä einä Kult macht, issas Horst mit sein’ Lanz!«)
Bei uns sind die Schweine das Problem. Da kennt der Sohn nun schon bestimmt fünf verschiedene Geräusche.
(Und dann gibt es bei uns noch dieses eine Bilderbuch – leider zur Zeit der Favorit des Sohnes – das von einem grossen Bauernhof handelt mit unzähligen verschiedenen Fahrzeugen und Arbeitsgeräten. Und natürlich habe ich keinerlei Ahnung, wie diese Fahrzeuge und Geräte alle heissen, ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht sonderlich, und so sind das jetzt halt alles Traktore und manchmal noch Bagger, aber ein schlechtes Gewissen habe ich dabei schon)
Ich würde jetzt einfach mal behaupten, daß Trecker ein heiseres töfftöff von sich geben…
Diese Trecker-Geräusch-Variante – gedacht mal für die inzwischen herangewachsene Generation – finde ich allerdings nach wie vor auch ganz nett: http://tinyurl.com/axzkwx (so denn der Link hier funktioniert)
Ja so sind Sie die Stadtmenschen. Ein alter Traktor macht eindeutig “bopbopbop” und ein moderner Trecker macht “trtrtrtr”. Übrigens wieder sehr schön bildlich beschrieben.
Playground, der Trecker in dem Lied klingt nach einem Huhn.
Was die Erwachsenen hier als Treckergeräusche verkaufen wollen – unglaublich.
Einzig das unschuldge Kind weis wie es geht und kriegt auch noch den Mund verboten.
Herr Hund sagt grundsätzlich “wauwau”, wie auch der kleine Sohn (etwa im Alter Ihres Sprösslings) unserer Nachbarn bereits völlig richtig erkannt hat. Wenn er verhalten Laut gibt (Herr Hund, nicht der Sohn!), bekommt man ein Geräusch zu hören, das wie ein leises “buh” (mit der Betonung auf dem kurzen “u”) klingt. Aber Herr Hund ist ja auch ein Österreicher von ländlicher Provenienz – ein hanseatischer Hund sagt sicher “wuff”, weil das vornehmer klingt.
Ach Herr Merlix, diese Geschichten sind immer so herzerfrischend. Bei der Suche nach dem Schwein habe ich mich schon weggeschmissen vor Lachen, hier war es ähnlich. Bitte schreiben Sie doch mehr davon…
Tolle Geschichte, schön erzählt. Und nebenbei bemerkt finde ich “treckertreckertrecker” schon sehr passend. Rein lautmalerisch betrachtet jetzt.
Seit ein paar Tagen wissen wir, dass Silvesterraketen “Tatütata” machen. (Den Unterschied zwischen Feuerwehr und Feuerwerk erklären wir ihm dann im nächsten Jahr.)
Unser Kleiner hat zum Glück gemerkt, dass jedes Fahrzeug, Tier, etc. mehrere unterschiedliche Geräusche macht. Da wundert er sich nicht, wenn z. B. der Hund mal Wuff und mal Wau macht.