Oktober, 2008 Archives

15
Okt

Nane Aldä, Una!

by Maximilian Buddenbohm in

Die sprachliche Entwicklung des Nachwuchses mag man sich romantisch vorstellen, tatsächlich aber landen wir schon mit dem allerersten aus mehreren Worten bestehenden Satz des Sohnes auf dem Boden der Tatsachen.

“Nane Aldä, Una!” ist eine vielleicht etwas kryptisch anmutende Mitteilung, die jedoch einfach wie folgt ins Elterndeutsch zu übertragen ist: “Banane Alter, Hunger!” Wobei das liebenswerte Kind vor dem Obstkorb steht, auf die entsprechende Frucht zeigt, äußerst ungeduldig guckt und mit dem Fuß aufstampft.

Ich könnte mich der Illusion hingeben, der Satz hieße in Wahrheit “Lieber Papa, gib mir bitte etwas Obst”, aber was soll’s. Auch mit grobem Undank muß man leben können.

13
Okt

Mutter & Kind

by Maximilian Buddenbohm in

12
Okt

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Hans-Ulrich Treichel: Von Leib und Seele – Berichte. Das Buch erschien zuerst 1998 und beginnt so:

“Der Ort, an dem ich geboren wurde und der einmal als DIE STADT DER WÜRSTE UND SCHINKEN in die Geschichte Ostwestfalens eingehen wird, war für mich nichts als eine trübsinnige Ansammlung von Zweifamilienhäusern und Umgehungsstraßen, von Möbelgeschäften und Fleischereien. Und die Menschen, die diesen Ort bevölkerten, erschienen mir immer als äußerst verschlossene und mißgünstige, einzig dem Gelderwerb und dem Alkohol ergebene Wesen, die mit mir, der ich durch eine bloße Laune des Schicksals in diese Welt hineingeraten war, nicht das mindeste verband.”

11
Okt

Wetterbericht

by Maximilian Buddenbohm in

11
Okt

Glück

by Maximilian Buddenbohm in

Natürlich kann es lehrreich sein, gelegentlich zu beobachten, was Kinder besonders glücklich macht. Vielleicht sind die Methoden ja auch für Erwachsene anwendbar, vielleicht kann man einiges einfach übernehmen.

Macht es nicht vielleicht zum Beispiel auch uns glücklich, nach dem Mittagsschlaf einfach liegenzubleiben, alle Termine zu ignorieren und erst einmal eine halbe Stunde kissenwerfend und deckenzerwühlend herumzutollen? Doch, könnte sein. Macht es nicht auch Erwachsene glücklich, beim Baden mit bunten Spritztieren zu spielen, statt nur einfach herumzuliegen? Käme auf einen Versuch an. Macht es nicht eventuell auch Eltern glücklich, nackt durch die Wohnung zu hopsen und sich dabei einen Finger in den Po zu stecken? Nun ja.

Man muß vielleicht nicht alles übernehmen.

10
Okt

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Bushaltestelle, gesehen in Nordfriesland, bei Wasserkoog. Und drüben im Westen ist das neue Wochenhoroskop online.

10
Okt

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Adolf Muschg: Gehen kann ich allein – und andere Liebesgeschichten. Zuerst erschienen 2005. Das Buch beginnt so:

“Sie haben mir nur einen Block und einen Bleistift dagelassen – ich darf nicht zittern, so weich ist die Mine, sie bricht beim leichtesten Druck. Ein Spitzer kommt natürlich nicht in die Zelle – er könnte ja eine Klinge haben. Ich glaube, dies ist ein Zeichenstift – für wen soll ich etwas zeichnen? Beschäftigungstherapie, damit mir die letzten Stunden nicht zu lang werden? Oder soll ich ein Testament schreiben? Das überlegt man sich gut. Dafür macht man jede Menge Entwürfe. Nur die Endfassung muß dann in Reinschrift sein. Und das Datum darf man nicht vergessen! Was haben wir denn für ein Datum, Lordan?”

7
Okt

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Hans-Ulrich Treichel: Der irdische Amor. Der Roman erschien zuerst 2004 und beginnt so:

“Albert war nur widerwillig nach Berlin und in seine Schöneberger Wohnung zurückgekehrt. Wäre alles nach Plan verlaufen, dann würde er nun an der Universität Rom Kunstgeschichte und Italianistik studieren. Aber er war nicht in Rom. Weder er noch seine beiden Studienfreunde, mit denen er gemeinsam nach Italien gegangen war. Zuerst nach Perugia, um Italienisch zu lernen, und dann nach Rom, um eine Wohnung zu suchen und sich an der Universität einzuschreiben. Perugia war unproblematisch gewesen.”

6
Okt

Elternzeit (6)

by Maximilian Buddenbohm in

Ein kleiner, dicker Junge mit langen blonden Haaren und einem sehr verheulten Gesicht nimmt meine Hand, guckt zu mir hoch und fragt: “Papa?” “Nein”, sage ich, “ich bin nicht dein Papa”. Der Junge guckt mich entsetzt an, heult weiter, dreht sich um und geht.

Ein kleines Mädchen mit sehr viel Spaghettisoße an den Fingern reicht mir ein Bilderbuch und sagt sehr bestimmt “Lesen!”. Das Buch heißt “Bald ist Ostern”. Ich sage “Hm, aber jetzt kommt doch erstmal Weihnachten, oder?” Das kleine Mädchen guckt mich irritiert an, Tränen steigen in die Augen, es dreht sich um und geht weg.

Ein kleiner Junge, dem die Hose in den Kniekehlen hängt und der mit einer Hand lässig in seiner Windel gräbt, guckt mich eine Weile kritisch an, kommt zögernd ein paar Schritte näher und fragt dann: “Mama?” “Klar”, sage ich, “wenn du willst, bin ich die Mama.” Der Junge guckt entsetzt, dreht sich um und geht zu der Kindergärtnerin. Flüstert ihr etwas ins Ohr. Die Kindergärtnerin guckt mich seltsam an.

Ich frage mich seit Tagen, wer hier wohl eine Krippeneingewöhnungszeit braucht, der Sohn oder ich.

6
Okt

Rein damit

by Maximilian Buddenbohm in

Wir dachten schon ernsthaft, der Sohn wäre ein schlechter Esser. Nachdem wir monatelang versucht hatten, endlich zu ergründen unter welchen Bedingungen er wohl einmal bereit wäre, eine halbwegs vernünftige Menge einer beliebigen Mahlzeit zu sich zu nehmen und daran schließlich vollkommen ergebnislos gescheitert sind, hatten wir uns schon mit dem Gedanken angefreundet, dem Kleinen eine Art Buffet bodennah hinzustellen, mit diversen babygerechten Snacks, aus denen er im Laufe des Tages ein paar Bissen hätte wählen können, ohne uns weiter mit seiner Unentschlossenheit zu nerven, ganz ähnlich wie man etwa Katzen ein paar Brekkies hinstellt oder dem Karnickel eine Möhre ins Stroh wirft.

Nur durch Zufall haben wir gemerkt, daß es doch alles ganz einfach ist. Der Sohn ißt, sogar erstaunliche Mengen. Die Herzdame und ich, wir müssen nur danebenstehen und cheerleadermäßig im Duett sehr laut “Einer geht noch, einer geht noch rein!” singen und dazu klatschen. Der Sohn guckt, lächelt huldvoll und schlingt.

Ein Problem weniger. Allerdings verzichten wir bis auf weiteres doch lieber darauf, den Sohn irgendwo außer Haus zu füttern.

5
Okt

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Karen Duve: Keine Ahnung. Erzählungen. Das Buch erschien zuerst 1999 und beginnt so:

“Keine Ahnung, wie ich das Abitur geschafft habe. Ich hätte für die Prüfungen lernen müssen, tat es aber nicht. Ich fürchtete mich vor der Entscheidung, die danach unausweichlich kommen mußte – der Entscheidung, was ich denn nun machen sollte. Mein Vater sagte Zukunft und meinte Rente. Mir war das Sein schon zuviel, ich wollte nicht auch noch etwas werden.”

3
Okt

Wochenende II

by Maximilian Buddenbohm in

Wochenende, jetzt auch im befreundeten Ausland. Im Bild Gewitterlicht an der Außenalster. Und drüben ist natürlich das neue Wochenhoroskop online.

3
Okt

Tips für Väter (18)

by Maximilian Buddenbohm in

Wenn Sie und Ihre Partnerin Eltern geworden sind, ändert sich nicht nur einiges, es ändert sich alles. Das geht bis hin zur Alltagssprache, viele Sätze, die Sie auch früher vielleicht schon einmal ähnlich gehört haben, bekommen nun plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Manchmal erfaßt man den neuen Sinn allerdings nicht sofort, was zu erheblichen Irritationen führen kann, wie ich mit einem aktuellen Erlebnis hervorragend dokumentieren kann.

Die Herzdame, die heute während meines Mittagsschlafs in das Schlafzimmer kam, meine Bettdecke anhob und ausrief: “Ha! Hab ich das Schwein endlich gefunden! Da liegt es rum!” meinte, wie sich nach einem sehr spontanen Ehekrach mittlerer Größe herausstellte, überraschenderweise gar nicht mich, sondern ein kleines Stofftierschwein, das der Sohn in meinem Bett versteckt hatte und nach dem sie schon längere Zeit gefahndet hatte. Kann man aber auf so etwas kommen, wenn man aus dem Tiefschlaf kommt? Nein, kann man nicht. Kann man andererseits ohne weitere Bedenkzeit passende Beleidigungen zurückbrüllen? Klar kann man das.

Bevor Sie also Frau und Kind in einer Affektsituation verlassen – fragen Sie besser mehrmals nach, worum der aktuelle Streit eigentlich gerade geht.

2
Okt

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

1
Okt

Oktober

by Maximilian Buddenbohm in

Laub in der Außenalster bei Sankt Georg.