Rein damit
Wir dachten schon ernsthaft, der Sohn wäre ein schlechter Esser. Nachdem wir monatelang versucht hatten, endlich zu ergründen unter welchen Bedingungen er wohl einmal bereit wäre, eine halbwegs vernünftige Menge einer beliebigen Mahlzeit zu sich zu nehmen und daran schließlich vollkommen ergebnislos gescheitert sind, hatten wir uns schon mit dem Gedanken angefreundet, dem Kleinen eine Art Buffet bodennah hinzustellen, mit diversen babygerechten Snacks, aus denen er im Laufe des Tages ein paar Bissen hätte wählen können, ohne uns weiter mit seiner Unentschlossenheit zu nerven, ganz ähnlich wie man etwa Katzen ein paar Brekkies hinstellt oder dem Karnickel eine Möhre ins Stroh wirft.
Nur durch Zufall haben wir gemerkt, daß es doch alles ganz einfach ist. Der Sohn ißt, sogar erstaunliche Mengen. Die Herzdame und ich, wir müssen nur danebenstehen und cheerleadermäßig im Duett sehr laut “Einer geht noch, einer geht noch rein!” singen und dazu klatschen. Der Sohn guckt, lächelt huldvoll und schlingt.
Ein Problem weniger. Allerdings verzichten wir bis auf weiteres doch lieber darauf, den Sohn irgendwo außer Haus zu füttern.






Probiert es mal mit Preiselbeeren. Das wäre, wenn es denn klappen sollte, weniger anstrengend.
Hach, bei uns ist das sehr tages- und wochenformabhängig. War der Zwerg letzte Woche fast nahezu nahrungsaufnahmeunwilig (weil auch leicht kränklich) kompensiert er das diese Woche durch wegdreschen jeglicher Nahrung, die seinen Bewegungsradius kreuzt. Inklusive kläglichem Meckern, wenn die Schüssel alle ist.
Und er ist Zwiebackjunkie geworden. Und er trinkt wie ein Rudel russischer Wodkabrenner auf Klassenfahrt. Und die 12 Monate davor hat er keine Trinkflasche auch nur eines Blickes gewürdigt. Sehr seltsam.
Sehr süß ist aber, wenn er nach der Mahlzeit stolz wie Graf Rotz in seinem Hochstuhl sitzt, sein Pläuzchen streichelt und rülpst wie Papa nach fünf Bier.
Preiselbeeren?!
Fußballfrüherziehung … Wunderbar!
Mein kleiner Bruder war auch ein schlechter Esser. Eine Bekannte riet meiner Mutter, ihm zu jeder Mahlzeit Preiselbeeren zu geben. Dann klappte es. Heute hat er einen BAUCH, leider.
Leider bin ich Zeugin vieler diesbezüglicher Scheußlichkeiten geworden, und möchte deswegen anmerken, dass ein gesundes Kind durchaus Phasen durchläuft, in denen es wenig bis keinen Hunger bzw. nur Durst hat. Lassen Sie sich bloß nicht in Versuchung führen, dem Kleinen mit allen möglichen Happen hinterherzulaufen – mehr Appetit bekommt er deswegen nämlich auch nicht, sondern wird nur ein mäkeliger Esser.
@Walküre: Wir halten uns mittlerweile weitgehend an die alte Weisheit, daß noch kein Kind vor einem vollen Teller verhungert ist.
Das ist in diesem Fall auch die allerbeste Regel, Herr Merlix. Und bitte verübeln Sie mir meine Einmischung nicht – ich hatte nur bei der Lektüre des Textes plötzlich ein paar Szenen vor meinem geistigen Auge, die jeder Beschreibung spotten (beruflich und im Freundeskreis erlebt) …
Ich bin ja ganz froh, hier in den Kommentaren zu sehen, dass Sie offensichtlich doch nicht zu den Leuten gehören, die ihrem Kind mit dem Essen hinterher laufen. Wir haben extrem gut Erfahrungen mit einer Taktik gemacht, die man auch bei der Hundeerziehung anwendet (ja, ich bin grausam): Man stellt dem Kind den Teller beim Essen vor die Nase. Wenn es nicht ißt, sondern nur rummanscht oder spielt, kommt der Teller weg. Essen gibt es erst bei der nächsten Mahlzeit wieder (3 Mahlzeiten, 2 Snacks pro Tag).
Es hilft auch, wenn es etwas ist, das beide Eltern mit Genuß verspeisen. Das läßt sich bloß in der Anfangsphase oft nicht so einrichten.
Außerdem ist es auch gut, sich zu merken, dass kleine Kinder viel weniger brauchen, als man meinen würde.