Oktober, 2008 Archives
Okt
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und während die Hamburger die Queen Mary angucken, können Sie ja mal das neue Wochenhoroskop angucken. Hier.
Okt
Okt
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Graham Greene: Zentrum des Schreckens. Deutsch von Walther Puchwein und Fanny Esterhazy. Der Roman erschien zuerst 1943 und beginnt so:
“Wohltätigkeitsfeste hatten etwas an sich, das Arthur Rowe unwiderstehlich anzog; die fernen Blasmusikklänge und das dumpfe Tock-tock der Holzkugeln auf Kokosnüssen schlugen ihn unweigerlich in Bann. In diesem Jahr freilich gab es keine Kokosnüsse, weil Krieg herrschte; das war auch an den klaffenden Lücken zwischen den Häuserzeilen von Bloomsbury zu erkennen – da hingen auf halber Höhe der Hauswand eine flache Feuerstelle, wie der aufgemalte Kamin in einem Puppenhaus, eine Unzahl von Spiegeln und Tapeten; und um die Straßenecke kam an diesem sonnigen Nachmittag das Geräusch von zerborstenem Glas, das zusammengefegt wurde: Es klang wie das träge Rauschen des Meeres an einem Kiesstrand.”
Okt
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Tips für Väter (19)
by Maximilian Buddenbohm in
Heute ein spezieller Tip für die Väter unter den Lesern, die genau wie ich Elternzeit genommen haben. Denn die Elternzeit, das soll hier nicht verschwiegen werden, hat auch Nachteile. Obwohl ich in der Regel eher fröhlich berichte – es ist nicht alles nur sonnig und heiter, es gibt durchaus auch ernstzunehmende Probleme, auf die Sie sich einstellen sollten. Zum einen der berufliche Nachteil, der auf der Hand liegt. Denn wie bitte soll man nach acht oder mehr Wochen Elternzeit einen normalen Bürotag überstehen, ohne ein bis zwei Nickerchen zu machen? Kann man überhaupt je in ein Leben ohne Mittagsschlaf zurückkehren? Fällt man nicht vielleicht nach vier Stunden einfach um? Kann man mit seinem Chef eine Übergangsregelung vereinbaren? Ich zweifele leise vor mich hin und sehe mit Grauen den langen, schlaflosen Stunden entgegen.
Zum anderen der schon während der Elternzeit eintretende Verlust an Ansehen in der Nachbarschaft und bei allen Freunden und Bekannten. Natürlich nicht wegen der Elternzeit an sich, die ist dem Image eher dienlich und gerade bei Frauen deutlich sympathiefördernd. Nein, man verliert seinen guten Ruf wegen der Kinderlieder. Das klingt seltsam, ist aber leicht zu erklären. Wenn man in der Kindergarteneingewöhnungszeit jeden Tag ein paar Stunden in einer Krippe zubringt, in der zwei bis vier Kindergärtnerinnen stetig und ausdauernd vor sich hin trällern, krallen sich die Strophen und Melodien dieser betont einfach gehaltenen Liedchen früher oder später unerbittlich im Gehörgang fest, belagern das Hirn und fordern nachdrücklich permanentes Absingen. Eines Tages werden Sie duschen und dabei unwillkürlich “Hei hei hussassa, der Herbst ist da” singen. Sie werden sich zunächst nur ein wenig wundern, wo Ihr treuer Frank Sinatra geblieben ist und zur Tagesordnung übergehen. Aber spätestens, wenn Sie es im Fahrstuhl schon wieder singen, werden Sie sich die ersten Sorgen machen und wenn Sie die Bäckerei betreten und dabei “hei hei!” schmettern, werden Sie merken, daß es zu spät ist. “Ich hab Hände, sogar zwei”, ein Satz, den man ganz prima im Treppenhaus singen kann, Stockwerk um Stockwerk, immer lauter werdend, mit jeder Strophe immer einen anderen Körperteil besingend, wie unter einem schrecklichen Zwang, nur unterbrochen durch ein sich dazwischendrängendes “Hei hei hussasssa!” auf den Treppenabsätzen. Wenn Sie zwischendurch stehenbleiben und genau hinhören, werden Sie bemerken, wie sich Wohnungstüren leise öffnen und schnell wieder schließen. Man beobachtet Sie.
Die Bäckereifachverkäuferinnen werfen Ihnen schon bald seltsame Blicke zu, wenn Sie in der Warteschlange vor der Latte-Macchiato-Ausgabe vermeintlich leise vor sich hinsummen und spätestens, wenn Ihnen beim Übergeben des Pappbechers ein verschwörerisches “Hussassa”, begleitet von einem liebevoll mütterlichen Lächeln mit auf den Weg gegeben wird, wissen Sie, was man nun von Ihnen hält. Achten Sie einmal darauf, wenn Sie auf der Straße von anderen Fußgängern überholt werden, man dreht sich nach Ihnen um. Man will natürlich wissen, wer da so penetrant “Gott hat alle Kinder lieb” durch das Viertel brummt. Man merkt sich Ihr Gesicht, man wird Sie wiedererkennen.
Sie können versuchen, dagegen anzugehen, bei mir allerdings hat nicht einmal minutenlanges Mitbrüllen von “We will rock you” zu einer Besserung geführt, was sicherlich ein schlimmes Zeichen ist. Etwas besser war es lediglich mit “Brown girl in the ring” von Boney M., allerdings kann man sich fragen, ob das wesentlich besser als “Hei hei hussasssa” ist, zumal es sich in beiden Fällen um ein Kinderlied handelt.
Nein, lassen Sie einfach alle Hoffnung fahren, singen Sie, was der Kindergarten Ihnen eingibt und ergeben Sie sich in Ihr Schicksal. Wer weiß, vielleicht findet sich wenigstens irgendwann eine attraktive Frau, die Ihr schelmisch gesungenes “Wo ist der Daumen, wo ist der Daumen” für ein prima Anmache hält. Viel Erfolg.
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Zurück aus Friedewalde
by Maximilian Buddenbohm in
Wir waren am Wochenende mal eben im Heimatdorf der Herzdame, um dem Sohn wieder einmal die dortige Verwandtschaft, aber auch Hunde, Katzen, Kühe, Schweine und dergleichen vorzuführen.
Dort sah ich bei einem Spaziergang zum Friedhof dieses eigenartige Bild. Wieder ein Grund über die seltsamen Sitten der Nordostwestfalen nachzudenken – was nur mag das bedeuten? Ist es eine Warnung, daß Alkoholkonsum zum Tode führen kann? Aber keiner würde doch wohl etwas so vollkommen Sinnloses tun, wie Westfalen vor dem Alkohol zu warnen. Ist es vielleicht eine Art nachbarschaftliche Post, und man findet hin und wieder spannende Zettelchen in der Buddel? Liebesbekundungen, Verabredungen? Unwahrscheinlich, die Flasche war voll.
Ist es vielleicht nur ein nicht sehr dezenter Hinweis, daß heute jemand beerdigt wird und man diesen Anlaß zu einem gepflegten Umtrunk nutzen möchte? Ich nehme es fast an. Es ist ein seltsames Dorf, wie ich vielleicht schon irgendwann einmal erwähnte.
Okt
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Prioritäten
by Maximilian Buddenbohm in
Man muß, wenn man Kinder hat, auch einfach mal annehmen können, was der Alltag an kleinen Veränderungen zu bieten hat. Wenn man ständig allen Vorfällen entgegen arbeiten würde, man käme niemals zur Ruhe. Natürlich schläft man irgendwann in einem Bett voller Zwiebackreste, natürlich trägt man gelassen Kleidung mit den absurdesten Flecken. Man muß sich auf die Prioritäten konzentrieren und jeweils entscheiden, was wirklich wichtig ist. Die Rettung des Geldes, des Handys, der Stereoanlage.
Der Sohn sortiert neuerdings die Unterwäsche der Herzdame und meine nach ganz eigenen Kriterien neu zusammen. Er steht sinnend vor der Kommode, öffnet alle Schubladen und geht sorgsam ans Werk, er räumt aus, er räumt ein, überlegt es sich noch einmal, fängt von vorne an. Das Ergebnis entspricht dann nicht mehr unserer klassischen Dessous-Trennung, aber habe ich morgens um sechs die Zeit, lange zu überlegen, welches Exemplar aus dem ehelichen Wäschesortiment ich da jetzt in der Hand habe, wenn ich routiniert in die Schublade greife? Schwerlich. Annehmen, was kommt! Hauptsache, die Kategorie stimmt ungefähr – und der Sohn kommt pünktlich in die Kita. Nur keine Zeit verlieren, nur keine Umstände.
Man gewöhnt sich an alles. Und wenn die Leserinnen wüßten, in welchen scharfen Teilchen ich gerade diesen Text schreibe, Ihnen würde ganz anders werden.
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Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Ingo Schulze: 33 Augenblicke des Glücks. Das Buch erschien zuerst 1995 und beginnt so:
“Ich will es Ihnen erklären: Vor einem Jahr erfüllte ich mir einen langgehegten Wunsch und fuhr mit der Bahn nach Petersburg. Ich teilte das Abteil mit einer frisch frisierten Russin, ihrem Mann und einem Deutschen namens Hofmann. Die Russen sahen in uns ein Paar, und Hofmann, als der Übersetzer ihrer Fragen und meiner Antworten, ließ sie wohl in diesem Glauben. Ich weiß nicht, was er ihnen noch alles erzählt hat. Sie lachten unentwegt und die Frau tätschelte meine Wange.”













