September, 2008 Archives

16
Sep

Spaghetti

by Maximilian Buddenbohm in

15
Sep

September

by Maximilian Buddenbohm in

15
Sep

Tips für Väter (15)

by Maximilian Buddenbohm in

Wenn Sie Ratgeberliteratur zu Hause haben, und welches Elternpaar hätte das nicht, werden Sie etliche Ernährungstips gelesen haben, von sehr plausiblen bis hin zu sehr esoterischen. In allen mir bekannten Ratgebern zur Kinderernährung fehlt ein wichtiger Hinweis, auf den ich Sie daher um so eindringlicher hinweisen möchte: Geben Sie Ihrem Kind keinen Milchschaum. Und zwar in Ihrem eigenen Interesse. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, ob Milchschaum für Kleinkinder bekömmlich ist oder nicht, wahrscheinlich schon, aber ganz egal – geben Sie dem Nachwuchs nichts davon. Niemals. Wenn Sie, wie es alle Eltern tun, Ihren mitgebrachten Latte Macchiato im Pappbecher auf dem Brett am Sandkastenrand trinken, lassen Sie den Deckel drauf, schlürfen Sie konsequent durch das kleine Loch darin und sagen Sie kategorisch “nein!” sobald sich eine Kinderhand dem Becher nähert.

Sie können bei anderen Eltern leicht beobachten, was passiert, wenn Sie den Deckel doch öffnen. Warten Sie einfach einmal ab, bis die nächstbeste Mutter neben Ihnen den Deckel vom Becher löst, um den innen haftenden Milchschaum davon abzulecken, was alle Frauen irgendwann zu tun pflegen. Sie werden in etwa folgendes Schauspiel beobachten können:

Sämtliche Kinder in der Sandkiste robben wie von einem großen Biomagneten angezogen auf die Mutter mit dem offenen Becher zu und umringen sie schnatternd, wie man es von hungrigen Enten kennt, denen man ein paar Brotkrumen zuwirft. Sie gucken flehentlich wie Welpen, denen man einen Wurstzipfel hinhält. Die Münder sind weit auf wie bei sperrenden Spatzenküken, deren Mutter eben mit einem knusprigen Insekt geflogen kommt. Sie recken ihre kleinen Fingerchen nach oben, in Richtung des Bechers und sie rufen in einem Tonfall der verblüffend zwischen fiepend und fordernd oszilliert etwas, das entfernt wie Milchschaum klingt, aber weitgehend ohne Konsonanten auskommt. Die Mutter hält in natürlicher Abwehrreaktion den Becher höher und höher, die Kinder richten sich an ihren Beinen auf, winzige Fingernägel zerpflücken ihre Strumpfhose, die Mutter setzt schließlich den Becher an und trinkt, im verzweifelten Bestreben, die jaulende Meute zu ignorieren, den letzten Rest an Kaffee aus. Das Gejammer wird bei dem Anblick natürlich augenblicklich wesentlich lauter, steile Falten des Unwillens erscheinen auf Babystirnen, denen man soviel sichtbaren Zorn gar nicht zugetraut hätte, die Milchschaum-Rufe bekommen einen deutlich schärferen Ton, die ersten Händchen erreichen, weil die Kleinen einfach übereinander krabbeln, bereits die Höhe des Gürtels der Milchschaumverweigererin, die Mutter sieht verzweifelt zu den anderen Müttern hinüber, die ihre Deckel auf den Bechern gelassen haben und jetzt fröhlich hinüberrufen: “Na komm, gib ihnen doch was! Aber nur ein bißchen!” Der Becher sinkt, die Meute fällt sich balgend darüber her, man denkt an Tierfilme und die süßen Kleinen aus dem Hyänenrudel.

Sie werden dies vielleicht für eine überzogene Darstellung halten – bis Sie sich mit einem Becher voller Milchschaum in eine Sandkiste gesetzt haben. Lassen Sie es nicht soweit kommen.

14
Sep

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Emile Zola: Paradies der Damen. Deutsch von Hilda Westphal. Der Roman erschien zuerst 1883 und beginnt so:

“Denise war zu Fuß vom Bahnhof Saint-Lazare gekommen, wo sie und ihre Brüder nach einer auf der harten Bank eines Wagens dritter Klasse verbrachten Nacht einem Zug aus Cherbourg entstiegen waren. Sie hielt Pépé an der Hand und Jean folgte ihr, alle drei waren erschöpft von der Reise, verwirrt und wie verloren in dem riesigen Paris, blickten an den Häusern empor und fragten an jeder Straßenkreuzung nach der Rue de la Michodière, in der ihr Onkel Baudu wohnte. Doch als sie endlich auf den Place Gaillon gelangten, blieb das junge Mädchen überrascht stehen. “Oh!” sagte sie. “Sieh doch nur, Jean!”

14
Sep

Elternzeit (3)

by Maximilian Buddenbohm in

“Du?” fragt das sehr kleine Mädchen, das schon ganze Weile beobachtet hat, wie ich etwas gelangweilt neben der Rutsche herumstehe und zusehe, wie der Sohn im Sand wieder und wieder Eicheln nach undurchdringlichen Kriterien hin und hersortiert. “Du?”, fragt sie und zupft mich energisch am Ärmel. “Bist du schon mal auf dem Bauch gerutscht?”.

“Ja”, sage ich, “sicher bin ich das.” Sie guckt mich etwas skeptisch an und erklärt: “Das ist nämlich gut für die Fröhlichkeit.” Dann nickt sie wie jemand, der gerade eine unumstößliche Wahrheit verkündet hat und klettert die Rutsche hoch.

Ich bezweifel zwar sehr, daß es gut für meinen Rücken ist auf dem Bauch zu rutschen, aber ich werde es doch demnächst mal wieder testen.

12
Sep

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben ist das neue Wochenhoroskop online.

11
Sep

Drüber reden

by Maximilian Buddenbohm in

Auch in weitgehend amüsanten Beziehungen wie der zwischen der Herzdame und mir gibt es hin und wieder Streitthemen, die sich nicht über Nacht in Wohlgefallen auflösen. Manche meinen, man sollte über so etwas reden.

Ich wollte gestern abend ein Gespräch mit der Herzdame beginnen und sagte “Ich bin ja etwas unglücklich…” und wollte eigentlich damit fortsetzen, daß ich unglücklich sei, weil sie aus vollkommen idiotischen und überhaupt nicht nachvollziehbaren Gründen nicht meiner Meinung bei einer gewissen Frage war, aber soweit kam ich nicht einmal. Die Herzdame unterbrach mich schon nach den ersten Worten: “Das paßt gerade sehr gut, daß du unglücklich bist, da kannst du ja ins Bett gehen und ein wenig still leiden, dann kann ich nämlich solange an dein Notebook und etwas testen.”

Beziehungsgespräche werden auch überschätzt, glaube ich.

10
Sep

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Alberto Moravia: Ach, die Frauen. Die schönsten Erzählungen, ausgewählt von Klaus Wagenbach. Die titelgebende Geschichte darin beginnt so:

“Als ich Erminio, einen Vetter von mir aus Viterbo, der zum ersten Mal nach Rom kam und alles und alle sehen wollte, durch die ganze Stadt schleifen mußte, schlug ich ihm eines Abends vor, ins Kino zu gehen. Wir waren an der Piazza Mastai, und ich ging zum Kiosk, in der Absicht, eine Zeitung zu kaufen, um nachzuschauen, welche Filme gerade liefen. Fiammetta, die Zeitungsverkäuferin, war gerade dabei, zu schließen und nach Hause zu gehen; doch um mir einen Gefallen zu tun, holte sie aus einem Stapel eine Zeitung heraus und gab sie mir mit der Bemerkung: “Wenn du dich beeilst, brauchst du sie nicht zu bezahlen, ich nehm’ sie wieder mit zurück.” So schlug ich also die Zeitung auf und sagte zu Erminio: “Ich glaube, viel Auswahl haben wir nicht.”; doch mit einem Mal bemerkte ich, daß er mir überhaupt nicht zuhörte, sondern Fiammetta anstarrte. Haben Sie Fiammetta jemals gesehen?”

9
Sep

Tips für Väter (14)

by Maximilian Buddenbohm in

Ein Hinweis direkt aus der aktuellen Fülle der reichen Erfahrung meiner nun schon mehrere Tage währenden Elternzeit. Wenn Sie mit dem Kind allerlei spaßige Sachen machen, etwa zum Babyturnen gehen, welches womöglich in der Turnhalle einer nahegelegenen Schule stattfindet – seien Sie vorsichtig mit den nostalgischen Wallungen, von denen Sie vielleicht beim Anblick der schulischen Sportgeräte überfallen werden. Nehmen Sie die Ausstattung einfach nur zur Kenntnis, die großen Kästen mit dem Lederdeckel, die Böcke, Ringe, Stufenbarren, die blauen Matten mit den Schlaufen an den Seiten und die hölzernen, schmalen Bänke, die Sprossenwand und, ja, auch die Seile. Verzichten Sie aber unter allen Umständen darauf, Fragen nachzugehen, die in der Richtung von “ob ich wohl heute noch…” liegen.

Denn wenn Sie ein Mann wie ich sind, mit etlichen Jahren im Büro und nur wenigen Stunden sportlicher Betätigung hinter sich, dann kommen Sie an dem Seil wirklich nicht mehr hoch, ganz egal wie leicht es Ihnen damals gefallen ist. Vielmehr hängen Sie nach zwei, drei kräftig sein sollenden Bewegungen trostlos auf höchstens halber, aber eigentlich sogar nicht einmal gedrittelter Höhe, haben schmerzende Hände und müssen sich von der Ehefrau und etlichen anderen Müttern aus dem Viertel mit mildem, nachsichtigen Blick ansehen lassen, während der Nachwuchs interessiert zwischen seinem pendelnden Vater mit dem roten Kopf und seiner nachdenklichen Mutter hin und herguckt und versucht, die Lage richtig einzuschätzen. Und wenn Sie sich beim verblüffend schwierigen Wiederabstieg eventuell den Fuß vertreten, werden Sie das schon aus Gründen der Selbstachtung mühsam überspielen müssen.

Das können Sie nicht wollen. Beschränken Sie sich lieber darauf, dem Nachwuchs und allen anderen wieder und wieder zu erzählen, daß Sie das alles, wobei Sie einmal lässig mit kreisendem Finger auf alle Geräte zeigen, einmal mustergültig und wettkampfreif beherrscht haben. Damals, nicht wahr, als Sie auch die ganzen anderen Einsen im Zeugnis hatten.

8
Sep

September

by Maximilian Buddenbohm in

7
Sep

Und los

by Maximilian Buddenbohm in

7
Sep

Tips für Vater (13)

by Maximilian Buddenbohm in

Nachdem bereits in der letzten Folge die körperlichen Anstrengungen der Elternzeit besprochen wurden, wollen wir uns heute einer Sonderform des Vatersports widmen, dem Solowippen.

Wenn Sie, wie der deutsche Durchschnittsvater, zwei Monate Elternzeit nach den Monaten der Mutter nehmen, wird Ihr Kind bereits Spaß auf einer Wippe haben wollen. Allerdings kann es um den ersten Geburtstag herum leider noch nicht verläßlich alleine wippen. Denkbar und wahrscheinlich, daß Sie irgendwann auf dem Spielplatz sind, das Kind krabbelt zur Wippe, zeigt mit sehnendem Blick auf das gerade freie Spielgerät und Sie werden sich in der Pflicht fühlen, das Gerät zu betätigen.

Ein Kind alleine zu wippen beansprucht allerdings Muskelpartien, mit deren Existenz Sie bis dahin gar nicht gerechnet haben. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, machen Sie folgende einfache Übung: Besorgen Sie sich eine große, möglichst schwergängige Pumpe, etwa eine große Fahrradpumpe, am besten mit eine Quergriff oben. Stellen Sie die Pumpe auf den Boden, beugen Sie sich vor und pumpen Sie mit nur einem Arm, was das Zeug hält. Mit dem anderen Arm halten Sie einen Sack mit etwa zehn Kilo Kartoffeln ausgestreckt zur Seite und bewegen das Gemüse dabei ungefähr synchron zum Pumparm hoch und runter. Sagen Sie dem Sack alle zwei Sekunden bestimmt aber freundlich, daß er sich festhalten soll. Wenn Sie eine Partnerin haben, könnte sie, um es realistisch zu gestalten, den Kartoffelsack in unkalkulierbaren Abständen wild durchschütteln, während sie unbedingt versuchen, ihn auf gerader Spur zu halten. Pumpen nicht vergessen! Und gerade halten. Und auf und ab. Und immer auf das Festhalten hinweisen, das Kind soll ja etwas lernen.

Der Spaß am Wippen hält verblüffend lange an, halten Sie diese Übung also mindestens dreißig Minuten lang durch. Viel Erfolg.

5
Sep

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

An der Alster

Und drüben ist das neue Wochenhoroskop online.

4
Sep

Elternzeit (2)

by Maximilian Buddenbohm in

Das Gitter über dem Kellerlichtschacht. Die Fugen zwischen den Gehwegplatten. Das Moos in den Fugen. Dunkelgrünes Moos, hellgrünes Moos, winzige Körner im Moos. Matsch. Halme, Halme, eine Blüte. Eine rote Blüte, eine gelbe Blüte, besser noch mal vergleichen. Das zertretene Innenleben aus einem Überraschungsei. Eine tote Wespe. Steine an der Mauer. Rote Steine, braune Steine, kleine Steine, große Steine. Bröckelnder Mörtel dazwischen. Sand, Krümel, Lehm. Die eigenen Schuhe. Die eigenen Knie, die eigenen Hände. Eine vergitterte Pforte, ein Scharnier, ein Quietschen. Quietschquietschquietsch. Gitterstäbe, Zwischenräume, Gitterstäbe. Geht auch rückwärts! Glasscherben, grünes Gefunkel, nicht anfassen. Sehr schade. Eicheln, Eichelhütchen. Nicht essen, auch sehr schade. Eine Pfütze. Laub in der Pfütze, Laub am Rand der Pfütze. Laub, Laub, Laub. Geraschel überall, Wind in den Zweigen da ganz oben, Wind im Gesicht, Wind an der hochgehaltenen Hand. Warme Sonne, kühler Wind. Da, eine Taube, zwei, drei Tauben!

Zwanzig Meter bis zum Spielplatz – eine Stunde Weg.

4
Sep

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Joseph Conrad: Taifun. Aus dem Englischen von Elise Eckert. Die Geschichte erschien zuerst 1903 und beginnt so:

“Die Gesichtszüge des Kapitäns MacWhirr vom Dampfer Nan-Shan schienen das vollkommene Widerspiel seines Charakters zu sein; sie boten keine bestimmten Merkmale, weder von Festigkeit noch von Beschränktheit; sie drückten überhaupt keinerlei Eigentümlichkeit aus; sie waren einfach gewöhnlich, ausdruckslos und unbeweglich. Das einzige, was sich in seinem Aussehen hie und da anzudeuten schien, war Schüchternheit; in den Geschäftszimmern der Reeder konnte man ihn nämlich, ein schwaches Lächeln auf dem sonnenverbrannten Gesichte, mit niedergeschlagenen Augen sitzen sehen.”