September, 2008 Archives

30
Sep

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Bov Bjerg (im Bild beim Kaffee.Satz.Lesen): Dead Line. Der Roman erschien gerade eben und beginnt so:

„Da war ich sechs Jahre alt. Da war ich zehn Jahre alt. Da war ich gerade zehn, zwölf, fünf, acht, eineinhalb, elf Jahre alt. Ungefähr, erst, etwa, knapp fünf Jahre alt. Seit diesem Tag vor dreißig Jahren war ich immer pünktlich. Überpünktlich. Heute, im Beruf, ist das von Vorteil.“

30
Sep

Nachtrag zur Lesung

by Maximilian Buddenbohm in

Wie bereits in einem Kommentar hier angemerkt, war der _____weiler so außerordentlich freundlich, die Lesung aufzunehmen und bei Blogread einzustellen. Man findet den Mitschnitt hier – leider sind durch eine gräßliche technische Panne die Beiträge von Isabo und Kid37 verlorengegangen. Man kann sich jedoch die Texte von Herrn Paulsen und von mir dort anhören.

Kommentare zur Lesung auch hier und hier – und man beachte hier den Kommentar von Herrn Handfeger.

Im Frühling geht die Lesereihe mit einer Sonderausgabe wieder weiter!

28
Sep

Saisonende

by Maximilian Buddenbohm in

Mein Freund Stefan und ich, wir standen auf der Promenade und sahen zu, wie die Strandkörbe zusammengefahren, auf Transporter verladen und ins Winterlager gebracht wurden. Es nieselte schon den ganzen Tag und die Männer, die da unten auf dem Strand arbeiteten, sahen schlechtgelaunt aus. Sie trugen bunte Plastikregenjacken und Gummistiefel, in denen sie einen watschelnden Gang auf dem weichen Grund hatten. Sie gingen mit hochgezogenen Schultern hin und her, schoben Körbe durcheinander, gaben sich wedelnd Zeichen mit den Armen und brüllten sich hin und wieder an. Der nasse Sand war überall von Spuren übersät, die wild durcheinandergingen, Fußspuren der Männer, Reifenspuren der Transporter, tiefe Schleifspuren der Körbe, eine breit angelegte Wirrnis von Zeichen.

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27
Sep

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Max Beerbohm: Suleika Dobson – eine Liebesgeschichte aus Oxford. Deutsch von Joachim Kalka. Der Roman erschien zuerst 1911 und beginnt so:

“Die alte Klingel, Vorzeichen eines nahenden Zuges, war soeben im Bahnhof von Oxford ertönt; die wartenden Studenten, in Tweed oder Flanell in froher Anblick, schlenderten zum Bahnsteigrand und schauten den Schienenstrang entlang. Jung und sorglos, stachen sie im Leuchten der Nachmittagssonne scharf von den abgewetzten Brettern ab, auf denen sie standen, von den verblaßten Signalschildern und ewiggrauen Mauern des alten Bahnhofs, der – ihnen vertraut und bedeutungslos – den Touristen immer noch mit einem fernen Zauber mittelalterlicher Verwunschenheit anhaucht.”

26
Sep

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Hans-Ulrich Treichel: Der Verlorene. Der Roman erschien zuerst 1998 und beginnt so:

“Mein Bruder hockte auf einer weißen Wolldecke und lachte in die Kamera. Das war während des Krieges, sagte die Mutter, im letzten Kriegsjahr, zuhaus. Zuhaus, das war der Osten, und der Bruder war im Osten geboren worden. Während die Mutter das Wort “Zuhaus” aussprach, begann sie zu weinen, so wie sie oft zu weinen begann, wenn vom Bruder die Rede war. Er hieß Arnold, ebenso wie der Vater.”

26
Sep

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Sankt Peter-Ording, noch ein Bild vom letzten Besuch. Und drüben ist natürlich das neue Wochenhoroskop online.

26
Sep

Grüße!

by Maximilian Buddenbohm in

In dem steten Bemühen, unsere kleine Bloglesereihe Bar 4.0 mit Special Features auszustatten, haben Isabo und ich wieder etwas zu bieten – gucken Sie mal hier! Und machen Sie mit!

25
Sep

Elternzeit (5)

by Maximilian Buddenbohm in

“Singt deiner?”
“Nein, aber singen tut wohl gar keiner von denen.”
“Hm, kann sein.”
“Aber er kocht erstaunlich gut.”
“Meiner geht sogar auch noch einkaufen.”
“Wow! Da klemmt meiner total. Schafft er nicht auch noch , sagt er.”
“Da hab ich Glück, der ist eigentlich ganz fix dabei. Macht aber dafür jedes Schläfchen vom Kind mit.”
“Ja und?”
“Könnte ja auch was wegschaffen in der Zeit. Statt zu schlafen”
“Stimmt überhaupt. Sag ich meinem auch mal.”

Was man eben so hört, wenn sich die Spielplatzmütter über ihre Männer in Elternzeit unterhalten.

24
Sep

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Georges Simenon: Der ältere Bruder. Aus dem Französischen von Ingrid Altrichter. Der Roman erschien zuerst 1945 und beginnt so:

“Der Zug fuhr mit einem heftigen Rucken an, und Maudet, der aus dem Tritt geraten war, prallte gegen die Seitenwand des Ganges, dicht neben der schwarzen Ziehharmonika eines Faltenbalgs. Die Wand faßte sich an, als schwitze sie in der regnerischen Oktobernacht Fett und Kälte aus, und dieses klebrige Gefühl an den Fingern kroch ihm unter die Haut und setzte sich in seinem Gedächtnis fest; es sollte für alle Zeit seine Vorstellung von einem Nachtzug prägen.”

[Habe ich mal erwähnt, daß Simenon ein Gott ist?]

24
Sep

Tips für Väter (16)

by Maximilian Buddenbohm in

In der kleinen Reihe Vatersport beschäftigen wir uns heute mit dem Babyschwimmen. Als familiär engagierter Mann kommt man nicht umhin, mit dem Nachwuchs irgendwann zu so einem Kurs zu gehen, wo man mit vielen Müttern kleine Kinder im Wasser planschen läßt und dazu debile Liedchen trällert, wollte sagen fröhliche Weisen anstimmt.

Natürlich ist es nicht weiter schwer, ein kleines Kind von geringem Gewicht durch piwarmes Wasser zu ziehen und hin und wieder ein buntes Plastikbällchen zu schubsen, das hat selbstverständlich überhaupt keinen sportlichen Aspekt an sich. Die eigentliche körperliche Leistung erbringt man beim Babyschwimmen vielmehr in den Umkleidekabinen. Um sich darauf adäquat vorzubereiten, können Sie die folgende Übung nachmachen, mit der Sie optimal auf den Ernstfall vorbereitet sein werden.

Heizen Sie das Badezimmer vor, bis die Raumtemperatur an tropische Mittagsstunden erinnert. Lassen Sie dann ein wenig Wasser in die Badewanne, gerade soviel, daß der Boden eben bedeckt ist. Ungefähr soviel Wasser finden Sie auch auf dem Boden jeder durchschnittlichen Umkleidkabine eines Schwimmbads. Ziehen Sie nun sowohl sich als auch das Kind komplett an, inklusive Jacken, Schuhen, Mützen und allem drum und dran. Hängen Sie sich ein, zwei Taschen um, in denen Sie das normale Kinderzubehör und auch das Badezeug verstaut haben. Stellen Sie sich dann mit dem Kind auf dem Arm in die Badewanne. Ziehen Sie sowohl das Kind als auch sich selbst komplett aus und legen Sie alle Kleidungsstücke und alles Kinderzubehör wie etwa Schnuller, angebissene Reiswaffel, Schwimmwindel etc. auf den Badewannenrand. Die Breite des Badewannenrandes entspricht in etwa der Breite des Brettchens vor einem normalen Spind in einer Umkleidekabine. Sie können alternativ auch versuchen, alle Kleidungsstücke und Gegenstände in einen großen Schuhkarton zu stecken, den Sie zu diesem Zweck vorher an die Wand genagelt haben. Ein großer Schuhkarton entspricht in etwa einem Spind in einer Umkleidekabine. Ziehen Sie dem Kind die Schwimmwindel und sich eine Badehose an, duschen Sie kurz, trocknen Sie sich und das Kind ab und ziehen Sie dann alles wieder an.

Wenn dabei auch nur ein Kleidungsstück vom Badewannenrand fällt, haben Sie natürlich verloren und müssen von vorn anfangen. Diese Übung gilt nur als vollständig absolviert, wenn das Kind während der Trainingszeit wach war, versteht sich.

Sie werden bei dieser Übung vielleicht verstärkt mit dem Gefühl kämpfen müssen, keine Chance zu haben. Trösten Sie sich mit dem Gedanken, daß es sich dabei keineswegs nur um ein Gefühl handelt.

23
Sep

Zur Erinnerung

by Maximilian Buddenbohm in

Am kommenden Wochenende die beiden Lesungen nicht vergessen! Erst Bar 4.0 am Sonnabend, dann Kaffee.Satz.Lesen am Sonntag – beide natürlich dringend empfohlen.

22
Sep

Elternzeit (4)

by Maximilian Buddenbohm in

Der Sohn wirft Bilderbücher durch das Zimmer und läuft dann jauchzend hinterher. Er schleppt sie zu mir und schleudert sie auf das Bett, klappt zwischendurch wahllos ein Buch auf und betrachtet sekundenlang ein Bild, lacht, dann fällt ihm plötzlich ein, doch besser an meinen Socken zu ziehen. Turnt johlend zum Fußende des Bettes. Er macht seltsam knurrende Geräusche, währen er an den Socken zieht, ich denke an Gremlins und tatsächlich beißt er mich in einen Zeh. Nur acht Zähne, aber ein Biß wie ein Frettchen. Er zieht sich aufs Bett, robbt meine Beine hoch, schubst das Buch weg, in dem ich zu lesen versuche und zeigt mit wichtiger Miene erst auf seine Nase, dann auf meine. Mehrfach. “Nase”, sage ich schließlich mit Nachdruck, denn wenn ich das nicht sagen würde, wäre er jetzt sehr enttäuscht. Er strahlt. Wendet sich um, setzt sich auf meine Knie und hoppelt auf und ab, daß das Bett quietscht. Fällt dabei vom Bett und krabbelt, wenn er schon mal da unten ist, drunter und sortiert, was er so findet. Ich bleibe oben liegen und überlege angestrengt, was er dort finden kann. Sehe aus dem Augenwinkel Schuhe durchs Zimmer fliegen. Dann kommt er wieder hervor, richtet sich auf und geht zum Wäscheständer, sich dabei in den Knien wiegend wie ein alter Matrose, die Hose auf Halbmast, den Ringelpullover üppig mit Staubmäusen dekoriert. Zupft ein Kleidungsstück nach dem anderen von oben herunter und wirft sie auf einen großen Haufen, auf den er sich dann rücklings fallen läßt. Guckt zu mir, ob ich das auch toll finde. Dann wirft er mit einer Geste großer Lässigkeit den leergefegten Wäscheständer um, daß der scheppernd auf das Parkett kracht und zitternd liegenbleibt. Klatscht, weil er so ein großes Geräusch geschafft hat, summt ein wenig, sieht aus dem Fenster, wo ein Flugzeug gerade hinter Dächern verschwindet und kommt zum Bett zurück. Steckt mir einen Finger ins Ohr und ist pikiert, weil mir das nicht gefällt. Schiebt die Unterlippe vor und haut mir auf die Nase.

Wir nennen es Mittagsschlaf.

20
Sep

Sankt Peter-Ording

by Maximilian Buddenbohm in

20
Sep

Ausflugslektüre

by Maximilian Buddenbohm in

Hans-Ulrich Treichel: Heimatkunde oder: Alles ist heiter und edel. Besichtigungen. Das Buch erschien zuerst im Jahr 2000 und der erste Text darin, “Hausgeburt” beginnt so:

“Das Zentrum des Hauses war die Küche, in der ich im Beisein des Hundes, einer schwarzen Labradorhündin, und einer Tante in der Rolle der Geburtshelferin an einem Augustnachmittag geboren wurde. Der Vater hatte auf einer Hausgeburt bestanden, da er das Geschäft nicht schießen und auch keine umständlichen Krankenhausbesuche machen wollte. Den Berichten der Eltern und der Tante zufolge verlief die Geburt komplikationslos, wenn auch nicht ohne Störungen. An den Geburtsvorgang selbst kann ich mich nicht erinnern, wohl aber an beständig sich wiederholende Klingelgeräusche, an Tabakrauch und an zwei dunkle Hundeaugen. Letztere waren das erste, was ich von der Welt sah, so daß ich im Verlauf meiner Kindheit instinktiv dem Hund ein Zugehörigkeitsgefühl entgegenbrachte, während ich meiner Mutter gegenüber instinktiv mißtrauisch war.”

Jean-Philippe Toussaint: Sich lieben. Aus dem Französischen von Bernd Schwibs. Der Roman erschien zuerst 2002 und beginnt so:

“Ich hatte eine kleine Flasche mit Salzsäure füllen lassen und trug sie jetzt immer bei mir, mit der Idee, sie eines Tages jemandem mitten in die Visage zu schütten. Ich brauchte nur die Flasche zu öffnen, eine Flasche aus buntem Glas, die zuvor Wasserstoffperoxyd enthalten hätte, auf die Augen zu zielen und wegzurennen. Ich fühlte mich seltsam ruhig, seitdem ich mir diese Flasche mit bernsteinfarbener und ätzender Flüssigkeit beschafft hatte, die meine Stunden würzte und meine Gedanken schärfte.”

[Lektüre nach 50 Seiten abgebrochen, nicht mein Fall. Schlimmer noch, langweilig.]

Ivo Andric: Die Brücke über die Drina – eine Wischegrader Chronik. Aus dem Serbokoratischen von Ernst E. Jonas. Der Roman erschien zuerst 1945 und beginnt so:
“Den größeren Teil ihres Laufs fließt die Drina zwischen steilen Bergen durch enge Schluchten oder durch tiefe Täler mit schroff abfallenden Ufern. Nur an einigen Stellen des Flußlaufes erweitern sich seine Ufer zu offenen Niederungen und bilden, sei es auf einer, sei es auf beiden Seiten des Flusses, sonnige und fruchtbare, teils ebene, teils wellige Flächen, die zur Bestellung und Besiedlung geeignet sind. Eine solche Erweiterung entsteht auch hier bei Wischegrad, wo die Drina in jähem Sturz aus der tiefen und engen Klamm hervorbricht, die die Butkower Felsen und die Uzawer Berge bilden.”

17
Sep

Raus

by Maximilian Buddenbohm in

Wir fahren noch mal eben an die Nordsee und zählen Schäfchen nach oder so. Das Wochenhoroskop erscheint natürlich auch ohne weitere Meldung am Freitag da drüben und das obligatorische Wochenendbild wird am Sonntag nachgeholt – soll ja alles seine Ordnung haben hier, auch wenn wir durch die Gegend stromern.