Elternzeit

Aug 25th, 2008 von Maximilian Buddenbohm

Im September beginnt meine zweimonatige Elternzeit, während die Herzdame nach einem Jahr Babypause wieder arbeiten geht. Wenn ich anderen von den nächsten acht Wochen erzähle, gibt es vier verschiedene Reaktionsmuster, je nachdem welcher Gruppe meine Gesprächspartner angehören.

Ältere Männer mit bereits erwachsenen Kindern bescheinigen mir gerne eine zumindest milde Form des Schwachsinns, wenn sie hören, daß ich monatelang mit dem Kind zuhause bleibe. Sie fragen gerne und als erstes, wer das denn bezahlen würde und schütteln dann den Rest des Tages mit dem Kopf, wenn sie die Antwort hören.

Ältere Frauen mit bereits erwachsenen Kindern werden sehr nachdenklich und überlegen dann lange, ob ihre Kinder damals wohl überlebt hätten, wäre der Vater acht Wochen mit den Kleinen alleine zuhause geblieben. Dann fragen sie vorsichtig, was denn meine Frau dazu sagen würde.

Männer in meinem Alter reagieren aufgeschlossen bis begeistert, wobei ich den Eindruck oft nicht loswerde, daß sie die Elternzeit für die Chance schlechthin halten, eine mehrwöchige Grillparty mit ihren Freunden abzuhalten, die womöglich ebenfalls Väter sind, so daß die Kleinen sich selber bespaßen, nur von Zeit zu Zeit gestört durch einige wenige engagierte Alibispielstunden, in denen die Väter fröhliche Kinder auf sonnigen Spielplätzen schaukeln.

Frauen in meinem Alter fragen dreimal nach, ob ich mir das auch wirklich genau überlegt hätte und sagen dann in der Regel nichts mehr. Aber sie lächeln auf eine bestimmte Weise – mit einem perfiden Ausdruck im Gesicht, irgendwo zwischen Schadenfreude und Mitleid. Ein äußerst abgründiger Blick liegt in ihren Augen und der Kopf neigt sich zur Seite, als würden Sie nachdenklich ein seltsames Tier im Zoo betrachten. Wenn wir uns nach dem Gespräch trennen, höre ich manchmal ein leises “hihi” von ihnen, das schon nicht mehr für meine Ohren bestimmt ist.

Ich bin sehr gespannt.

11 Kommentare

  • Ich drücke die Daumen!

    Hoffentlich ist immer genug Grillkohle da und das Wetter besser. ;-)

  • Ich finds super und bin neidisch. Meine Elternzeit ist gerade zugunsten des Vaters zu Ende gegangen. Der hats gut.

  • Das ging meinem Bruder Anfang des Jahres auch so — insbesondere die Meinungen mancher männlicher Kollegen lässt sich einen schon fragen, ob es tatsächlich das 21. Jahrhundert ist, in dem wir leben. Es war, so sagt er, jedenfalls eine der schönsten Zeiten in seinem Leben: Auf dass es Dir genauso ergeht!

  • Ich wünsche Ihnen eine sehr vergnügliche Zeit mit dem Sohn, einen sonnigen Herbst und der Herzdame einen guten Wiedereinstieg! Die zwei Monate werden bestimmt super. :-)

  • Zwei Monate sind ja ungefähr gar nichts.

  • …werden aber ausreichen, um zu merken, dass man nicht mal in ruhe kacken gehen kann, wenn außer einem selbst niemand da ist, der sich des schreienden kindes annehmen kann. nichts desto trotz wird es bestimmt sehr toll und ich freue mich jetzt schon auf die fotos und blogeinträge in dieser zeit.

  • Möglicherweise fragen sich die älteren Frauen aber insgeheim etwas ganz anderes – nämlich, ob der Vater das überlebt hätte … *lächelt perfide*

  • Elternzeit ist eine Freude! Kann ich aus eigener Erfahrung so berichten. Da lassen Sie sich mal nichts anderes einreden.

    Zur Belohnung gibt’s nach den zwei Monaten übrigens ein breit(er)es Kreuz. Denn trotz eigener Krabbel- und vielleicht sogar Laufmanöver ist Herumtragen lassen für den kleinen Mann etwas ganz Großes.

    Daran, sich beim Kacken auch mal zugucken zu lassen, muss man sich allerdings gewöhnen.

  • Aus eigener Erfahrung: Die Lösung “Grillparty” ist richtig, sofern man es schafft, den Solarplexus untenzuhalten und Fragen nach Effizienz und Erfolg ebenso wie nach attraktiver äußerer Erscheinung aller beteiligten Personen für die fragliche Zeit anderen Leuten zu überlassen. Früher hieß das ja Erziehungsurlaub, und genau das ist es, mit Kaffeetrinken, kleinen Reisen, spät Aufstehen, vielen Stunden im Freien. Und soviel Zeit mit dem Kind kommt nie wieder. Gute Zeit!

  • Alles Gute. Ich hatte vier Monate mit unserem Ersten und war ehrlich gesagt auch ganz froh, als es vorbei war. Ist doch eine ganz andere Art von Stress – und der Kleine war auch ziemlich verwirrt, als die Hauptpersonen seines Tages so plötzlich wechselten. “Wieso geht denn jetzt Mama weg?! Was macht Papa noch hier?!”

  • Ich wollte noch anschließen, dass es schon eine wunderschöne Zeit war – aber Grillparty war definitiv nicht drin.