August, 2008 Archives

31
Aug

Tips für Väter (12)

by Maximilian Buddenbohm in

Unterschätzen sie nicht die körperlichen Anstrengungen, die jene Phase mit sich bringt, in der die Kinder laufen lernen. Trainieren Sie lieber früh! Bereiten Sie sich intensiv vor auf die spannende Zeit, in der Ihr Nachwuchs sich Ihre Hände schnappen wird, um daran geklammert die Welt zu erkunden. Verfahren Sie dazu wie folgt:

Stellen Sie sich entspannt und gerade hin. Beugen Sie dann Ihren Rücken vor, bis Sie mit einer Hand eine Flasche Bier aus dem oberen von zwei aufeinandergestapelten Kästen Bier ziehen könnten. Drehen Sie die Hand, mit der Sie die imaginäre Bierflasche nehmen, so weit nach außen, bis es sich unnatürlich anfühlt und überstrecken Sie dabei den Zeigefinger. Lassen Sie den Rücken in dem Winkel, komme was wolle und laufen Sie in genau dieser Haltung zwei Stunden in wirren Zickzacklinien und Kreisen durch die Gegend, als würden Sie einer angeschickerten Hummel nachlaufen. Versichern Sie der vorgestellten Hummel dabei unentwegt und übertrieben laut, daß Sie das aber ganz toll machen würde, wirklich ganz, ganz toll, geradezu supi oder was immer Ihr familiärer Ausdruck für Spitzenleistungen sein mag.

Richten Sie sich erst wieder auf, nachdem Sie die Übung vollendet haben. Spüren Sie in allen Fasern Ihres Rückens die Erkenntnis, daß jene wenigen alten Menschen, die nicht gebeugt gehen, wahrscheinlich die Kinderlosen sind.

Wiederholen Sie die Übung sechsmal am Tag – mindestens.

31
Aug

Halbinsel Eiderstedt

by Maximilian Buddenbohm in

Sah mir ganz so aus, als sollte man da öfter mal hinfahren. Trotz Meermangel. Wobei die Herzdame ja zu den Menschen gehört, die an die Nordsee fahren, aus dem Auto steigen, auf eine riesige, leere, trockene Fläche starren, versonnen lächeln und dann beglückt sagen: “Ach, das Meer!”.

Ich werde es nie verstehen.

30
Aug

Raus

by Maximilian Buddenbohm in

Backfisch / baked fish

Wir fahren mal eben ans Meer. Und zwar an das falsche, weil die Herzdame meint, die Nordsee wäre auch schön.

29
Aug

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Erdbeer-Schokolade-Roeckl-Alster

Und drüben ist das neue Wochenhoroskop online.

28
Aug

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren. Erschienen 2006.

Und abweichend von der sonstigen Gewohnheit kann ich von diesem Roman den Anfang nicht zitieren, da damit der Aufbau, der besondere Charme schon verraten wäre – wer Haas kennt und mag, möge einfach das Buch bestellen, anfangen, Spaß haben – und den Autoren vielleicht ein klein wenig um die Idee beneiden. Das sollte drin sein.

26
Aug

Bar 4.0 – Die Herbstausgabe –

by Maximilian Buddenbohm in

Endlich wieder Lesungen! Irgend etwas Gutes muß am Herbst ja auch dran sein. „Bar 4.0“, die Bloglesung mit vier Autoren findet wieder im Javahouse statt. Es lesen Isa, Herr Paulsen, Kid37 und ich.

Moderiert wird der Abend von Bov Bjerg, der gleich am nächsten Tag bei Kaffee.Satz.Lesen seinen neuen Roman „Deadline“ vorstellen wird. Bei Kaffee.Satz.Lesen ist übrigens auch Jochen Reinecke dabei (bekannt zum Beispiel vom Berlinblog der Zeit, von der Riesenmaschine und, genau wie Bov, von geradezu zahllosen Lesungen).

27. und 28. September in Hamburg  - das große Blogwochenende zum Saisonauftakt!

25
Aug

Elternzeit

by Maximilian Buddenbohm in

Im September beginnt meine zweimonatige Elternzeit, während die Herzdame nach einem Jahr Babypause wieder arbeiten geht. Wenn ich anderen von den nächsten acht Wochen erzähle, gibt es vier verschiedene Reaktionsmuster, je nachdem welcher Gruppe meine Gesprächspartner angehören.

Ältere Männer mit bereits erwachsenen Kindern bescheinigen mir gerne eine zumindest milde Form des Schwachsinns, wenn sie hören, daß ich monatelang mit dem Kind zuhause bleibe. Sie fragen gerne und als erstes, wer das denn bezahlen würde und schütteln dann den Rest des Tages mit dem Kopf, wenn sie die Antwort hören.

Ältere Frauen mit bereits erwachsenen Kindern werden sehr nachdenklich und überlegen dann lange, ob ihre Kinder damals wohl überlebt hätten, wäre der Vater acht Wochen mit den Kleinen alleine zuhause geblieben. Dann fragen sie vorsichtig, was denn meine Frau dazu sagen würde.

Männer in meinem Alter reagieren aufgeschlossen bis begeistert, wobei ich den Eindruck oft nicht loswerde, daß sie die Elternzeit für die Chance schlechthin halten, eine mehrwöchige Grillparty mit ihren Freunden abzuhalten, die womöglich ebenfalls Väter sind, so daß die Kleinen sich selber bespaßen, nur von Zeit zu Zeit gestört durch einige wenige engagierte Alibispielstunden, in denen die Väter fröhliche Kinder auf sonnigen Spielplätzen schaukeln.

Frauen in meinem Alter fragen dreimal nach, ob ich mir das auch wirklich genau überlegt hätte und sagen dann in der Regel nichts mehr. Aber sie lächeln auf eine bestimmte Weise – mit einem perfiden Ausdruck im Gesicht, irgendwo zwischen Schadenfreude und Mitleid. Ein äußerst abgründiger Blick liegt in ihren Augen und der Kopf neigt sich zur Seite, als würden Sie nachdenklich ein seltsames Tier im Zoo betrachten. Wenn wir uns nach dem Gespräch trennen, höre ich manchmal ein leises “hihi” von ihnen, das schon nicht mehr für meine Ohren bestimmt ist.

Ich bin sehr gespannt.

23
Aug

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Katja Lange-Müller: Böse Schafe. Der Roman erschien 2007 und beginnt so:

“Wir liegen auf den beiden Matratzen, nicht Seite an Seite, dennoch Kopf an Kopf. Die Arterie über deinem Schläfenbein pulst gegen meine Wange. Dein Haar berührt meine Nase, doch es kitzelt nicht, riecht bloß – nach Shampoo und nach dir. Seit Minuten oder Stunden bewegen wir uns kaum, sagen nichts, atmen flach. Deine Augen sind geschlossen, meine schauen hoch zum offenen Fenster, in dem sich nichts zeigt, als ein Stück des wolkenlosen, weder hellen noch dunklen Himmels. Und wollte ich mich überhaupt etwas fragen, dann nur, ob der Morgen herandämmert oder der Abend.”

22
Aug

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

An der Alster

Hamburg, an der Außenalster vor der Uhlenhorst. Und drüben ist das neue Wochenhoroskop online.

20
Aug

Wortmeldung

by Maximilian Buddenbohm in

Da redet man dem Sohn wochenlang „Mama“ und „Papa“ vor, zeigt immer wieder auf den jeweils anderen Menschen und sagt zum tausendsten Mal mit vor Begeisterung und Hoffnung bebender Stimme „guck mal, das ist Mama!“, beobachtet gespannt, wann es im Sohn endlich Klick macht und er uns zielsicher und richtig anspricht – und dann ist das erste verständliche und bewußt angewandte Wort des Sohnes „Banane“.

Gleich enterben? Zur Strafe ohne Banane ins Bett? Erziehung stellt einen vor schier unlösbare Fragen.

18
Aug

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Guy de Maupassant: Pierre und Jean. Deutsch von Roland Schacht. Der Roman erschien zuerst 1888 und beginnt so:

“Zum Teufel!” rief der alte Roland plötzlich, nachdem er eine Viertelstunde lang regungslos aufs Wasser gestarrt und nur dann und wann mit leichter Hand seine in die Meerestiefe hinabreichende Angelschnur angezogen hatte.
Frau Roland, die hinten im Boot neben der zu dieser Angelpartie geladenen Frau Rosémilly eingeschlummert war, wachte auf und wandte sich an ihren Mann: “Aber, aber! … Gerôme!”
Der Alte entgegnete wütend: “Nichts beißt mehr an. Seit Mittag habe ich nichts gefangen. Man sollte immer nur mit Männern auf den Fischfang gehen, mit Frauen fährt man immer zu spät los.”

15
Aug

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben ist das neue Wochenhoroskop online.

14
Aug

Es bleibt textil

by Maximilian Buddenbohm in

Eine der Spielplatzmütter fragte mich heute, während wir gerade an der Rutsche ein Knäuel von Babys entwirrten, nach meinem Beruf. Sie sah mich verblüfft an, nachdem sie die Antwort gehört hatte: “Das ist ja seltsam – für mich siehst Du ganz eindeutig nach einem IT-Beruf aus!”

Ich fühle mich gewarnt und werde mich doch wieder etwas ordentlicher anziehen.

14
Aug

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Ignazio Silone: Fontamara. Aus dem Italienischen von Hanna Dehio. Der Roman erschien zuerst 1930 und beginnt so:

“Die seltsamen Ereignisse, von denen ich erzählen will, haben sich im Laufe eines Sommers in Fontamara zugetragen. Diesen Namen habe ich einem alten, unbekannten Dorf gegeben, das in der Marisca im Norden des trockengelegten Fucino-Sees auf halber Höhe zwischen Hügeln und Bergen liegt. Später habe ich erfahren, daß derselbe Name, manchmal mit kleinen Veränderungen, mehrfach in Süditalien vorkommt und, was schwerer wiegt, daß auch die merkwürdigen Begebenheiten, von denen in diesem Buch wahrheitsgemäß berichtet werden soll, sich an mehreren Orten zugetragen haben, wenn auch nicht zur gleichen Zeit und in derselben Reihenfolge. Das scheint mir aber kein ausreichender Grund dafür, die Wahrheit zu verschweigen. Auch gewisse Personennamen, wie Maria, Carlo, Lucia, Antonio und viele andere kommen ja häufig vor, und ebenso sind die entscheidenden Ereignisse des Lebens: Geburt, Liebe, Leiden, Tod, immer dieselben, und dennoch werden die Menschen nicht müde, davon zu erzählen.”

13
Aug

Outdoor

by Maximilian Buddenbohm in

Von den Umständen und der Witterung getrieben gingen die Herzdame und ich in ein Fachgeschäft für Sport- und Outdoorbekleidung, um für mich eine Regenjacke zu erstehen. Die Verkäuferin, an die wir uns wandten, fragte:

“Wozu brauchen Sie die Jacke? Trekking? Campen? Wandern? Outdoor-Sport? In welcher Gegend? Skandinavien? Berge? Rudern Sie auch? Segeln? Reiten? Was genau wollen Sie denn machen?”

Und ich antwortete schlicht: “Elternzeit im Herbst in Hamburg”.

Die Verkäuferin sagte nichts, nickte aber und ging mit uns im Schlepptau resolut von dem Ständer mit der reduzierten Ware weg, hin zu den richtig wasserdichten Jacken, an denen dicke Broschüren hingen, mit Erklärungen, was das jeweilige Kleidungsstück alles kann. “Dafür brauchen Sie so etwas”, sagte sie dann.

Man glaube nicht, die Kinderkleidung wäre teuer. Es ist das Nachrüsten der Eltern, das ins Geld geht. Ich habe mir nicht die ganze Broschüre durchgelesen, die da am Ärmel baumelte, aber ich nehme an, aus der Jacke kann man mit wenigen Handgriffen ein nordwandtaugliches Zelt bauen und wenn ich mal mit einem Tretboot auf der Alster kentern sollte, bläst sie sich wahrscheinlich selbsttätig zu einer Rettungsinsel auf und verschießt Leuchtspurmunition aus der Brusttasche in den Himmel über Hamburg. Man kann das Innenfutter herausnehmen und wahlweise als Strickjacke, Badehose oder Cape tragen. Im Rückenteil ist ein Fallschirm eingenäht und die Kapuze klappt sich bei Regen selbsttätig hoch. Dafür kostet die Jacke auch ein klein wenig mehr als ein einfacher Plastikregenumhang, das kann man natürlich verstehen.

Ich fühle mich viel besser, seit ich diese Jacke trage. Irgendwie wetterkompetenter. Was habe ich nur vorher bei Regen gemacht? Ich bin einfach nicht rausgegangen, schon klar. Tempi passati.