Juni, 2008 Archives
Jun
Urlaub
by Maximilian Buddenbohm in
Wir sind mal eine Woche offline und ruhen uns ein wenig aus – währenddessen ist aber natürlich drüben im Westen noch das neue Wochenhoroskop erschienen. Auch am nächsten Freitag wird es selbstverständlich dort erscheinen, auch wenn hier der Hinweis darauf wahrscheinlich fehlen wird. Bis bald!
Jun
Umbruch
by Maximilian Buddenbohm in
Alles, was nach der Geburt kommt, fühlt sich eigentlich gar nicht mehr wie eine spektakuläre Veränderung an. Man wird eben Vater, man ist es eben plötzlich, man macht einfach alles, was so dazugehört – man steht also um halb sechs auf, um das hellwache und mit Büchern werfende Kind zu bespaßen, man ißt seltsam geschmacklose Zeug äußerst fragwürdiger Konsistenz, weil das Kind es auch essen soll, man versenkt Zäpfchen oder Bananen im Kind, je nach Lage und aus unterschiedlichen Richtungen versteht sich, man singt Kinderlieder mit debilen Texten und krabbelt verblüffend fröhlich und trotz schmerzender Knie und drohendem Hexenschuß auf allen Vieren durch die Wohnung, man kratzt pfeifend Breireste von der einstmals weißen Wand und läßt alle Hoffnung fahren, jemals wieder saubere Kleidung zu tragen. Alles das hat man vorher nicht parat gehabt und plötzlich ist es da, es war wohl immer da, beliebig abrufbar und nichts kommt einem komisch vor, alles ist ganz normal.
Nur heute, als ich mir nach dem vierten heißen Spielplatzsonnentag in Folge die erste kurze Hose seit meiner Kindheit kaufte, da dachte ich für einen kleinen Moment – man macht doch plötzlich sehr, sehr seltsame Dinge.
Jun
Der kleine Tierfreund
by Maximilian Buddenbohm in
Beim Grillen im Park besuchte uns ein wuselnd über den Rasen streunender Chihuahuawelpe, so eine kleine Fellkugel von äußerster Niedlichkeit. Wir haben dabei festgestellt, daß wir unserem Sohn noch beibringen müssen, so kleine Hunde nicht spontan am Nackenfell zu packen und durch die Gegend zu schleudern, um zu prüfen, ob das Modell eventuell rasselt.
Aber keine Sorge, der Hund hat überlebt.
Jun
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Georges Simenon: Meistererzählungen. Diverse Übersetzer. Die Geschichte “Mélies Mann” darin beginnt so:
“Faß doch nicht alle Seezungen an, meine Kleine. Du weißt genau, daß Du am Ende zwei nicht zu große Makrelen oder ein halbes Pfund Rochen nimmst…”
Die “Kleine”, das ist die alte Haushälterin des Pfarrers von Saint-Jean, doch Mélie duzt jedermann mit einer solchen Selbstverständlichkeit, daß niemand auf den Gedanken kommt, daran Anstoß zu nehmen. Sie greift auf dem Marmortisch nach einem blutigen Stück Rochen, hebt es hoch, kann es sich nicht verkneifen, einen Blick auf die Straße zu werfen.
“Ich geb dir dieses Stück…”
Es klatscht auf die Waage, der Zeiger schlägt aus, Mélie knistert mit dem Papier, und die alte Haushälterin fingert in ihrem großen Portemonnaie.






