Mai, 2008 Archives
Mai
Mai
Guten Morgen
by Maximilian Buddenbohm in
Morgens halb sieben, der Sohn krabbelt grußlos und unverständliches Zeug vor sich hermurmelnd aus seinem Zimmer an mir vorbei ins Wohnzimmer, knallt die Tür hinter sich zu und kramt in den CDs.
Und ich dachte immer, dieses Stadium erreichen sie erst mit fünfzehn oder sechzehn Jahren.
Mai
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Georges Simenon: das blaue Zimmer. Deutsch von Angela Hagen. Der Roman erschien zuerst 1964 und beginnt so:
“Hab ich Dir wehgetan?”
“Nein.”
“Bist du mir böse?”
“Nein.”
Das stimmte. In diesem Augenblick stimmte alles, denn er gab sich ganz dem momentanen Erlebnis hin, ohne sich Fragen zu stellen, ohne zu versuchen, etwas zu verstehen, ohne zu ahnen, daß es eines Tages etwas zu verstehen geben würde. Es stimmte nicht nur alles, es war auch alles wirklich: er, das Zimmer, Andrée, die immer noch ausgestreckt auf dem zerwühlten Bett lag, nackt, mit offenen Schenkeln und mit dem dunklen Fleck ihrer Scham, aus der ein Samenfaden rann.”
Mai
Mehr davon
by Maximilian Buddenbohm in
Wenn man als Erwachsener ein Brötchen ißt, bleibt davon fast nichts übrig, außer einigen wenigen Krümeln, die man mit einer Handbewegung komplett beseitigen kann. Wenn dagegen unser Sohn ein Brötchen ißt, verschwindet nur etwa ein Viertel davon, der Rest wird in feuchten Brötchenbrei von ausgesprochen scheußlicher Konsistenz verwandelt und großzügig auf Möbel, Wände und Anwesende verteilt. Wenn man diese feuchten Breiklumpen dann wieder zusammenfügt, ergeben sie entgegen aller Erwartung und Logik genug Masse, um daraus etwa drei neue Brötchen zu backen.
Und wenn man in etwa zwei Meter Entfernung am essenden Sohn vorbei geht, hat man hinterher, auch wenn man sehr schnell ist und das Kind sich gar nicht bewegt hat, breiige Speisebröckchen an der Kleidung – und zwar womöglich auch auf der kindabgewandten Seite. Man kann es nicht erklären, man kann es nur hinnehmen.
Wenn man sich also fragt, warum Eltern immer sagen “Man bekommt soviel zurück” – nicht immer gleich an emotionale Aspekte denken.
Mai
Kaffee.Satz.Lesen: Bilder
by Maximilian Buddenbohm in
Wer es gestern nicht schaffen konnte und die Jubiläumslesung verpaßt hat, kann sich immerhin ein paar Bilder dazu ansehen: hier.
Mai
Mai
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Wolf Haas: Wie die Tiere. Der Roman erschien zuerst 2001 und beginnt so:
“Jetzt ist schon wieder was passiert. Und manchmal beneide ich die Vögel, die über dem Augarten kreisen und von der ganzen Sache nichts wissen. Weil als Vogel hast Du die berühmte Perspektive, du drehst deine Parkrunden, immer schön majestätisch. Du steigst vom Flakturm mitten im Augarten in die Luft und läßt die Liegewiesen unter dir vorbeiziehen, die Kinderspielplätze und die Hundezonen. Du schaust dir die Fußballfelder an, kreist mit der roten Laufbahn um die Wette, und über das blaue Kinderschwimmbad kommst du in den waldigen Teil hinüber mit den kreuz und quer laufenden Irrwegen. Da hast du als Krähe oder Mauersegler alles so schön im Blick, daß du aus der Distanz jeden auslachst, der wegen ein bißchen Mord die Fassung verliert.”
Mai
Papa
by Maximilian Buddenbohm in
Natürlich ist es noch Zufall, wenn ein Kind mit acht Monaten Papa oder Mama vor sich hermurmelt, wenn auch ein Zufall von besonderem Liebreiz. Denn man kann es selbstverständlich nicht erwarten, daß der Nachwuchs endlich mit den ersehnten Silben anfängt und sie womöglich sogar bald zielgerichtet einsetzt.
Daß unser Sohn im Moment aber mit Feuereifer immer wieder zum Mülleimer in der Küche krabbelt, diesen mit großer Geste umarmt, zum Schwungdeckel aufsieht und dann “Papa!” sagt – das wird sich schon wieder geben, nehme ich an. Zumal meine Versuche, ihm im Gegenzug den Komposthaufen am Spielplatzrand als “Mama” zu verkaufen, natürlich nur im Bestreben um Fairness versteht sich, bisher leider fehlgeschlagen sind.
Spracherziehung ist auch spannender als man zunächst denkt.
Mai
Die Alster in Hamburg
by Maximilian Buddenbohm in
Zugegeben, sie ist nicht im Bild. Nur ein gefiederter Ignorant, der zum fast vollen Mond sieht, während genau gegenüber ein prächtiger Sonnenuntergang über dem Wasser beginnt und sich zu seinen Füßen scharenweise Menschen mit Fotoapparaten am Ufer einfinden, vor dem die Alster im letzten Tageslicht glänzt.
Segelboote kreuzen in der beginnenden Dämmerung langsam in weiten Schlaufen zum Anleger zurück, die Segel fallen auf den letzten Metern und Menschen an Land nehmen Leinen entgegen. Schwäne ziehen sich gemächlich von der Betteltour an der Eisbude auf ihr Nest im Schilf zurück und gucken blasiert auf die kläffenden Dackel und Pinscher der Spaziergänger. Jogger werden in der Abendkühle schneller und kollidieren hier und da mit Radfahrern, ältere Menschen mit über den Schultern getragenen Kaschmirpullovern ergreifen lässig Partei, mal so, mal so. Der Eisverkäufer mit der bunten Jungfrau Maria auf dem T-Shirt flirtet mit den Kundinnen, Kinder überlegen minutenlang, welche Eissorte sie nehmen sollen und zwei junge Männer mit nassen Beinen tragen ein Kanu durch die Gegend. Ein paar Menschen in Abendkleidung stehen etwas verloren herum, leere Sektgläser in den Händen, von der Bar auf dem Steg klingt abgerissen Musik herüber.
Die Vögel singen lauter – und gucken zum Mond.
Mai
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Gesehen in Travemünde. Und drüben im Westen ist natürlich das neue Wochenhoroskop online.
Mai
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Cesare Pavese: Der Teufel auf den Hügeln. Aus dem Italienischen von Catharina Gelpke. Der Roman, der zweite der Turiner Trilogie, erschien zuerst 1949 und beginnt so:
“Wir waren noch sehr jung. In jenem Jahr habe ich wohl kaum geschlafen. Aber ich hatte einen Freund, der noch weniger schlief als ich; manchmal sah man ihn am Morgen, wenn die ersten Züge ein- und ausfahren, vor dem Bahnhof auf und ab gehen. Wir hatten Pieretto spät in der Nacht an der Haustür verlassen; er hatte noch einen Rundgang gemacht und dann sogleich, kaum war der Morgen heraufgedämmert, Kaffee getrunken. Nun studierte er die verschlafenen Gesichter von Straßenfegern und Radfahrern.”
Mai
Veranstaltungshinweis
by Maximilian Buddenbohm in
Die Lesereihe “Kaffee.Satz.Lesen” der Rederei Hamburg wird tatsächlich 50 und feiert das mit der größten und längsten Lesung Hamburgs – am Sonntag, dem 25.05.2008 von 11 bis 20 Uhr 30 (wirklich) in der Baderanstalt Hamburg, Hammer Steindamm 62.
50 Lesende treten mit Fünfminutentexten in Staffeln von 10 Autoren auf – ich lese im ersten Teil.
Eintritt 15 Euro, alle weiteren Details, genaue Startzeiten, alle Namen hier.
Da muß man natürlich dabei sein!
Mai
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Gesehen in Travemünde. Und drüben im Westen ist natürlich auch das neue Wochenhoroskop online.
Mai
Tips für Väter (9)
by Maximilian Buddenbohm in
Wenn Sie mit dem Nachwuchs allein in der Badewanne liegen und Ihrem kleinen, seelenruhig planschenden Gegenüber fröhlich verkünden, daß Sie mit ihm am liebsten badeten, weil die Alternative, also die Mutter, ja beim gemeinsamen Bad viel mehr Wasser verdrängen würde und auch sonst wegen ihres Umfangs und ihrer Länge als Wannenpartnerin nicht so ganz toll geeignet wäre, nicht zuletzt, weil es nun mal so verdammt schwer sei, sie einfach mal so herumzuheben, denn dabei könne man sich ja leicht mal einen Bruch stemmen – stellen Sie vorher sicher, daß die Mutter tatsächlich nicht im Raum ist.









