April, 2008 Archives

16
Apr

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Georges Simenon: Die Großmutter. Aus dem Französischen von Linde Birk. Der Roman, zuerst erschienen 1959, beginnt so:

“Unter dem Gewölbe, das so kalt und feucht wie ein Keller war, blieb der Kommissar kurz stehen und sah auf die Armbanduhr. Er schüttelte seinen Mantel aus, das Schneewasser spritzte auf die Steinplatten und breitete sich dort wie auf Fließpapier aus. Es war fünf Minuten nach elf.
Er hatte sich zum erstenmal um halb zehn hier gemeldet; die noch junge, fast hübsche Concierge, die in einer bequemen Loge saß, hatte sich weder durch seinen Polizeiausweis noch durch sein höfliches Benehmen beeindrucken lassen und war ihm ziemlich mürrisch begegnet.”

15
Apr

Währenddessen: Charles Dickens, Martin Chuzzlewit

by Maximilian Buddenbohm in

Es gibt Bücher, die ungewöhnlich lange auf dem Nachttisch liegen. Meist sind es sehr langweilige Bücher, die ich aus irgendwelchen Gründen dennoch lese, in diesem Fall kann aber von Langeweile gar keine Rede sein. Das Buch ist vielmehr sehr angenehm zu lesen und es ist geradezu verwirrend schön, wieviel Zeit es hat, bis eine Szene fertig geschildert ist. Die Handlung und die Beschreibungen entrollen sich so dermaßen langsam, man kann sich schon gar nicht mehr vorstellen, jemals soviel Zeit zu haben. Und daß dieses Buch so gar nicht gehetzt ist, so sehr ruhig und gemächlich, so postkutschenlangsam und kaminfeuerträge, das versetzt mich schon nach zwei, drei Sätzen in eine solche Tiefenentspannung, daß ich spätestens nach einer Seite einschlafe. Dabei ist jede Seite ein großer Genuß. Gegen Ende des Jahres werde ich es wohl etwa zur Hälfte durchgelesen haben. Wenn ich mich ranhalte.

14
Apr

Eisbär, später

by Maximilian Buddenbohm in

Nach den ersten Erfolgen ließ das Publikumsinteresse schnell nach und Knut tingelte wie viele andere Sternchen, die ihre größten Erfolge hinter sich hatten, schon bald über Jahrmärkte und trat bei Eröffnungsfeiern von Möbelhäusern und Schützenfesten auf. Er hatte es nicht leicht in dieser Zeit.

13
Apr

Rundherum

by Maximilian Buddenbohm in

12
Apr

Sonnabendmorgen

by Maximilian Buddenbohm in

Am Jungfernstieg in Hamburg. Die Blume lag neben einer Gedenkkerze für Tibet.

11
Apr

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben ist das neue Wochenhoroskp online.

10
Apr

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Wolf Haas: Der Knochenmann. Zuerst erschienen 1997. Das Buch beginnt so:

“Jetzt ist schon wieder was passiert. Aber der Frühling ist eine herrliche Zeit, da gibt es Gedichte und alles, und weiß ein jeder, daß im Frühling das Leben erwacht. Da hat es am Anfang niemand glauben wollen, daß es auf einmal umgekehrt sein soll. Aber so ändern sich die Zeiten. Am Schluß hätten wir viel gegeben, wenn es nur so schlimm gewesen wäre, wie es am Anfang ausgeschaut hat.”

10
Apr

Hinterher: Cesare Pavese, Der schöne Sommer

by Maximilian Buddenbohm in

Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Lesers soll es hier auch einen Eintrag nach dem Lesen geben, nicht nur, wenn das Buch neu auf dem Nachttisch liegt. Ich werde daher nach dem Genuß der Bücher jeweils kurz etwas zur Brauchbarkeit anzumerken.

“Der schöne Sommer” ist ein ideales Buch, um sich zu erinnern. Zum einen daran, daß es tatsächlich Sommerabende gibt, an denen die Hitze des Tages in der Stadt nachglüht und man sich dankbar in den nächstbesten Schatten setzt. Abende, an denen man die Kühle genießt. Das klingt exotisch und bizarr und eigentlich glaubt es wohl auch kein Mensch, aber es ist schön, an den Sommer zu denken, wenn man dabei auf Hamburger Aprilregen sieht, auf schwarze Wolken über der Alster, leer am Steg dümpelnde Tretboote und auf Menschen, die unter Regenschirmen in Cafés flüchten.

Das Buch ist aber auch ganz hervorragend geeignet, um sich an Jugendsommerabende zu erinnern, an denen alles möglich war, an die Zeiten, als jeder Abend riesig vor einem lag, als noch die sinnloseste Gesellschaft immer voller Möglichkeiten schien und es vollkommen undenkbar war, zu Hause zu bleiben. Eines dieser Bücher, nach denen man sich noch ein wenig älter fühlt. Ein wunderbares Buch. Der Autor hat sich ein Jahr nach der Veröffentlichung aus Liebeskummer umgebracht und wenn man das weiß, liest man die Beschreibungen der Liebe ja immer etwas anders, aber von erfülltem Liebesglück findet man hier ohnehin nichts. Nur von der Ahnung, daß es etwas in der Art einmal geben könnte, wenn man noch jung genug ist, es nicht besser zu wissen.

Das Buch ist ganz leicht und ganz schnell vorbei und man weiß gar nicht, wie der Autor es anstellt, aus dem Nichts so treffende und intensive Bilder entstehen zu lassen, obwohl er fast nichts beschreibt und fast nichts passiert – was für eine Kunst.

Ein lesenswerter Artikel mit dem schönen Titel “Der Beischläfer der Göttin” zu Pavese und auch zu dem Buch findet sich hier bei der Zeit.

9
Apr

Alltag

by Maximilian Buddenbohm in

Sie steht in der Küche und brät, kocht und backt. Alles gleichzeitig. Voller Hingabe, mit Fleiß und Leidenschaft. Da werden Töpfe und Pfannen bewegt, so schnell kann man gar nicht gucken. Da scheinen Zutaten förmlich durch die Luft zu fliegen und es klappert Besteck, als würden dort zehn Köchinnen arbeiten und nicht etwa nur eine. Ihr Blick ist konzentriert, ihre Hände routiniert, die ganze Körperhaltung zeigt: Profi. Und bei all der Konzentration singt sie noch, nebenbei.

Dann strahlt sie schließlich: Essen ist fertig. Sie füllt vorsichtig auf und bringt es ihm. Er guckt erst skeptisch, nimmt dann, ohne sich erst umständlich mit Geschmackstests aufzuhalten, den Teller und wirft ihn ihr kraftvoll an den Kopf. Sammelt ihn wieder auf und haut ihn sich selbst vor die Stirn. Mehrmals. Sie lacht. Dann nimmt sie ihn in den Arm und streichelt ihn, wobei er ihr nebenbei ein paar Haare ausreißt. Beide machen dabei äußerst seltsame Geräusche, tierähnlich, unverständlich.

Eine ganz gewöhnliche, alltägliche Szene. Zumindest wenn man bedenkt, daß sie zweieinhalb Jahre alt ist und er sieben Monate, und wenn man weiß, daß die Küche aus sehr buntem Plastik besteht und komplett klappbar ist, daß der Teller so klein wie ein halber Bierdeckel ist und alles Essen zwar sehr schmackhaft, aber imaginär. Alles ganz normal.

7
Apr

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Cesare Pavese: Der schöne Sommer. Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Zuerst erschienen 1950. Das Buch beginnt so:

“Damals war immer Festtag. Es genügte, das Haus zu verlassen und die Straße zu überqueren, schon wurden die Mädchen wie verrückt, und alles war so schön, besonders nachts, daß sie, wenn sie todmüde zurückkehrten, immer noch hofften, daß etwas geschähe, daß ein Brand ausbräche, daß zu Hause ein Kind geboren würde oder daß es plötzlich Tag würde und alle Leute auf die Straße kämen und man immer weiter und weiter gehen könnte bis zu den Wiesen und hinter die Hügel. “Ihr seid gesund, ihr seid jung”, sagten sie, “ihr seid Mädchen und habt keine Sorgen, das ist selbstverständlich.” Doch sogar Tina, eine von ihnen, die hinkend aus dem Krankenhaus gekommen war und zu Hause nichts zu essen hatte, auch sie lachte unentwegt über nichts, und eines Abends, als sie hinter den anderen hertrottete, war sie stehengeblieben und hatte zu weinen begonnen, weil Schlafen eine Dummheit war und der Fröhlichkeit die Zeit stahl.”

6
Apr

Veranstaltungshinweis

by Maximilian Buddenbohm in

Die Schwierigkeiten mit dem Veranstaltungsort haben sich dank des freundlichen Hinweises von Herrn Paulsen gelöst und wir präsentieren im Javahouse Hamburg einen Abend mit Lu, Isa, Mek und mir – moderiert von Cem.

Das darf man natürlich auf gar keinen Fall verpassen!

4
Apr

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Das Bild zum Wochenende widme ich einer bekannten Bloggerin aus dem staubigen Binnenland. Aus Gründen.

Und drüben ist natürlich wieder das neue Wochenhoroskop online.

3
Apr

Im Krankheitsfall

by Maximilian Buddenbohm in

Im Heimatdorf der Herzdame gilt, wie hier schon mehrfach vermerkt, die einfache Grundregel, daß ein Mensch gesund ist, solange er noch “jo” sagen kann. “Jo” ist die nordostwestfälische alles erklärende Weltsilbe und gilt als Antwort auf jede nur irgend denkbare Frage. Wer irgendwann nicht mehr “jo” sagen kann, dem ist eh nicht mehr zu helfen, da lohnt dann auch medizinischer Beistand kaum noch – deswegen braucht man eigentlich auch keine Ärzte in der Gegend, das regelt sich alles von selbst.

Als Hamburger habe ich eine ganz andere Sichtweise, ich neige zum Beispiel dazu, im Krankheitsfall einfach mal zum Arzt zu gehen. An die daraufhin tagelang anhaltenden verachtenden Blicke der Herzdame habe ich mich im Laufe der Jahre gewöhnt. Wenn ich krankgeschrieben bin und nicht zur Arbeit gehe, beginnt die Herzdame ihre Sätze gerne mit “Jetzt, wo du frei hast…” Ich habe es irgendwann aufgegeben, mich mit ihr über dieses Thema zu verständigen.

Bei dem Nachwuchs müssen wir uns aber natürlich irgendwie einigen, wenn er mal einen seltsamen Eindruck macht oder gar irgendwelche klaren Symptome zeigt. Siegt ihre oder meine Sichtweise? Vorsorge oder beinhartes Abwarten? Im Moment sieht die Lösung so aus, daß die Herzdame mit dem Sohn bereitwillig zum Kinderarzt gehen wird, wann immer ich ihn für krank halte – sofern ich ihr ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Mein Mann schickt mich” bestelle.

Ich betrachte die medizinische Versorgung des Kleinen damit als gesichert.

1
Apr

Wenn ich nach Hause komme

by Maximilian Buddenbohm in

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, küßt der Sohn meinen Siegelring.

(Aus der Reihe “Sätze, die ich immer schon mal schreiben wollte”. Die Herzdame meint allerdings, ich müßte darauf hinweisen, daß der Sohn nicht eigentlich küßt, sondern eher lutscht und auch nicht unbedingt am Ring, sondern eher flächig an der ganzen Hand, bzw. an allem, was man ihm hinhält, er würde, sagt sie, wahrscheinlich auch an einem Kronkorken lutschen, den man ungefähr in seine Richtung werfen würde, und es wäre eigentlich auch fraglich, ob er nicht bei jedem beliebigen Menschen an der Hand nach Schmuck suchen würde, Papa hin oder her und – ach, egal.)