Anmerkung zu Peter Altenberg, Sonnenuntergang im Prater
Je länger ich in der Stadt lebe, desto mehr fällt mir auf, daß ich den noch naturnahen Schriftstellern aus der Zeit vor den beiden Weltkriegen immer weniger folgen kann. Anscheinend verlerne ich Jahr für Jahr weitere Pflanzen – und während diese Autoren auf jeder Seite kunstvoll Bilder mit Blumen abstimmen und Bäume passend zur Situation einsetzen, ist mir alles nur irgendwie grün oder bunt blühend, ich rate so herum, was weiß ich. Schleedornröschen, Leontodon, Heliotrop, Reseden, Sumpfgräser, Berberitzen, Sternblumen, Georginen – alle schon auf den ersten Seiten. Mir fällt nichts dazu ein. Oder nicht mehr, vielleicht kannte ich die ja einmal, als ich noch auf dem Land lebte.
Wenn ich heute aus dem Fenster sehe und einen Baum sehe, denke ich nur Baum und wenn ich einen Busch sehe, denke ich nur Busch. Ist eine Pflanze grün und steht in meiner Küche, denke ich Basilikum, das immerhin.
Aber es ist doch ein schwerer Fall von Vokabelverlernen. Die Pflanzennamen fallen aus meinem Hirn wie im Herbst das Laub von den Dings. Sehr schade.






“Die Stirn bekränzt mit roten Berberitzen /
steht nun der Herbst im Stoppelfeld.”
Merken.
OK, wir kommen im Herbst darauf zurück.
Vielleicht ist Herbst ja genau, was dazu einfallen soll?
Auch Herbst:
“Erinnerung, begrabene Hoffnung /
Bewahrt dies braune Gebälk/
Darüber Georginen hangen,/
Immer stillere Heimkehr [...]”
Die Berberitzen-Verse wurden nach jahrelanger, vergeblicher Suche nach dem Autor schließlich meiner Mutter zugeschrieben; jetzt habe ich – fallende Blätter auch hier – den endlich gefundenen Dichter wieder vergessen.
Die Georginen sind von Trakl.