Hinterher: Wolf Haas, Der Knochenmann

Da muß man sich nicht lange Gedanken machen, Wolf Haas ist großartig. Unbedingt lesen.

Wenn man selbst schreibt, sollte man aber direkt hinterher einen klaren Simenon lesen, um diesen sehr speziellen Haas-Stil wieder loszuwerden, der sonst plötzlich an den eigenen Gedankengängen pappt wie Pattex. Oder wie auch immer man Klebstoff in Österreich nennt.

Neu auf dem Nachttisch

Peter Altenberg: Sonnenuntergang im Prater – Fünfundfünfzig Prosastücke. Texte zuerst erschienen um die Jahrhundertwende 18/19.

Das erste Stück daraus beginnt so:

„Sechs Uhr früh. Es ist trocken, kühl, der Himmel weißlich-blau, „bleu-lacté“ würden die französischen Schritsteller sagen —,
Eine Blumenhandlung von falschen Blumen schlägt ihre Lider auf, graue Holzläden. In der staubigen Auslage blüht der Frühling, Schleedornröschen; der Sommer, Kornblumen; der Herbst, rosa und lila Astern und die Federkugeln von Leontodon. Ein blasses Ladenmädchen trägt weiße Rosen heraus, kränzt einen Wagen, der vor der Türe steht. Die Blumen riechen wie Mousselin-Kleider.“