Im Krankheitsfall

Apr 3rd, 2008 von Maximilian Buddenbohm

Im Heimatdorf der Herzdame gilt, wie hier schon mehrfach vermerkt, die einfache Grundregel, daß ein Mensch gesund ist, solange er noch “jo” sagen kann. “Jo” ist die nordostwestfälische alles erklärende Weltsilbe und gilt als Antwort auf jede nur irgend denkbare Frage. Wer irgendwann nicht mehr “jo” sagen kann, dem ist eh nicht mehr zu helfen, da lohnt dann auch medizinischer Beistand kaum noch – deswegen braucht man eigentlich auch keine Ärzte in der Gegend, das regelt sich alles von selbst.

Als Hamburger habe ich eine ganz andere Sichtweise, ich neige zum Beispiel dazu, im Krankheitsfall einfach mal zum Arzt zu gehen. An die daraufhin tagelang anhaltenden verachtenden Blicke der Herzdame habe ich mich im Laufe der Jahre gewöhnt. Wenn ich krankgeschrieben bin und nicht zur Arbeit gehe, beginnt die Herzdame ihre Sätze gerne mit “Jetzt, wo du frei hast…” Ich habe es irgendwann aufgegeben, mich mit ihr über dieses Thema zu verständigen.

Bei dem Nachwuchs müssen wir uns aber natürlich irgendwie einigen, wenn er mal einen seltsamen Eindruck macht oder gar irgendwelche klaren Symptome zeigt. Siegt ihre oder meine Sichtweise? Vorsorge oder beinhartes Abwarten? Im Moment sieht die Lösung so aus, daß die Herzdame mit dem Sohn bereitwillig zum Kinderarzt gehen wird, wann immer ich ihn für krank halte – sofern ich ihr ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Mein Mann schickt mich” bestelle.

Ich betrachte die medizinische Versorgung des Kleinen damit als gesichert.

16 Kommentare

  • Es dürfte auch schwer sein, das Herzdame’sche Beurteilungssystem anzuwenden. Wenn der Nachwuchs “noch nicht einmal Jo” sagen kann, kann man schließlich auch nicht prüfen, ob er “noch Jo sagen” kann. Also zöge das Beurteilungssystem erst, wenn Mensch sprechen kann – und dann bleibt es immer noch sehr fragwürdig…

  • Doch, doch, der Nachwuchs kriegt die Silbe schon hin.

  • Ich halte das für einen bemerkenswert pragmatischen Kompromiss. Und so ein T-Shirt verhindert auch ein eventuelles spontanes Umschwenken in der Frage des ‘Ich wusste es ja gleich!’. :)

  • PS: Hey, du bist ja noch auf Winterzeit!

  • Ach? Ja, tatsächlich. Mal sehen, wie man das ändern kann, keine Ahnung.

  • In WordPress?
    Einstellungen – Allgemein – Datum und Uhrzeit – Zeitdifferenz im Blog: 2

  • Na gut, Etosha hat vorgesagt.

  • ” Jetzt wo du mal frei hast….” Ich lach mich schief! Aber irgendwie kenne ich das…. Grins

  • Sie sollten mal erleben was passiert, wenn ich zwar gesund bin, aber zuhause arbeite (Bürotag!). Da habe ich dann laut meiner Liebsten ja “auch schon wieder frei” und kann sogenannte “Tagesaufgaben” erledigen und ich darf sogar selbst entscheiden, ob ich vielleicht auch eine “Wochenaufgabe” in Angriff nehmen will.

  • Echt, ihr habt Wochenaufgaben? *plattbin* Wir haben nichtmal Jahresaufgaben!

  • *eswäremirjetztunangenehmzugestehendassesbeiunsumgekehrtisthüstel*

  • Abgründe tun sich da auf, Abgründe ! MICH fordert an gelegentlichen freien Tagen niemand zur Arbeit auf – das erledige ich nämlich schon selber. :-(
    Aber selbst wenn ich ein wenig dramaturgische Übertreibung voraussetze, fällt mir immer mehr auf, welch frappanten Ähnlichkeiten zwischen den Eingeborenen Nordostwestfalens und den Innviertlern bestehen. Ich muss mir gelegentlich Einsichten in die Feinheiten der Völkerwanderung verschaffen, denke ich.

  • Wir Herzdamen haben halt eine andere Schmerzgrenze und wuerden fuer gewisse Krankeiten nicht gleich zum Arzt gehen ;-) Ein Gruss aus dem heute sonnigen Schweden… Ein Gruss auch an die Herzdame: hier ist das Gras nicht gruener!