April, 2008 Archives
Apr
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Alexandre Dumas: Die Kameliendame. Aus dem Französischen von Walter Hoyer. Zuerst erschienen 1848. Der Roman beginnt so:
“Gestalten erschaffen kann meiner Meinung nach nur, wer die Menschen lange Zeit erforscht hat, wie ja auch niemand eine Sprache beherrscht, der sie nicht gründlich erlernt hat. Ich selber habe freilich das Alter noch nicht erreicht, in dem man dichtet, und darum will ich mich auch begnügen, hier lediglich zu berichten. Das heißt der Leser darf von der Wahrheit dieser Geschichte überzeugt sein, deren Personen, mit Ausnahme der Heldin, alle noch leben. Überdies gibt es in Paris für viele der Geschehnisse, die ich hier vorbringe, genügend Zeugen, die sie bestätigen können, wenn man mir etwa nicht glaubt. Den Bericht niederzuschreiben aber ermöglicht mir ein seltsamer Zufall, denn mir allein sind die besonderen Zusammenhänge mitgeteilt worden, ohne welche er weder vollständig sein würde noch Anteilnahme zu erregen vermöchte.”
Apr
Hinterher: Bar 4.0
by Maximilian Buddenbohm in
Die erste Ausgabe der Bloglesung Bar 4.0 im Javahouse fand am Sonnabend statt – und wie es war, kann man sehr schön bei Cem nachlesen, der den Abend souverän moderiert hat.
Vielen Dank an die Lesenden Isa, Lu und Mek – Dank natürlich auch den Leserinnen und Leser, die im Publikum waren – und bedanken sollte ich mich sicher auch beim Sohn, der schon zum zweiten mal eine Lesung seines Vaters mitgemacht hat, ohne im mindesten zu stören. Wobei es vielleicht ein wenig geholfen hat, daß er vor Heiserkeit kaum einen Ton herausbringen konnte, aber das wollen wir natürlich nicht so eng sehen.
Nachtrag: Alexander hat schöne Bilder gemacht und über den Abend geschrieben, Percanta hat auch und sehr charmant über den Abend geschrieben und Mek hat unfaßbar schön darüber getextet. Schöne Texte auch bei Lu und Isa!
Apr
Apr
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Gesehen auf dem Hamburger Fischmarkt. Und drüben ist natürlich das neue Wochenhoroskop online.
Apr
Veranstaltungshinweise zum Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Am Sonnabend großes Familientreffen bei der Bar 4.0 Lesung im Javahouse mit Isa, Lu, Mek und mir, moderiert von Cem.
Am Sonntag natürlich Kaffee.Satz.Lesen mit dem Erfinder des ganzjährigen Herbstblogs Kid37 und Katja Lange-Müller, Susanne Höbel und Florian Thalhofer.
Get together!
Apr
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Colette: Frauen – Erzählungen. Aus dem Französischen von Alexandra Auer. Zuerst erschienen 1949.
Die Geschichte “Rivalinnen” darin beginnt so:
“Hübsches Kleid”, befand Clara. “Doch mir scheint, Antoinette sieht nicht besonders gut aus. Vielleicht auch nur, weil ich mir wünsche, daß sie nicht gut aussehen soll. Wir werden ja sehen, was er davon hält. Wie kann ein Mann mit Geschmack sich bloß für eine Frau mit einer so hohen Stirn interessieren?”
Sie beugte sich über die Schulter einer jungen Frau, die auf einem der vergoldeten Stühle vor ihr in der ersten Reihe saß.
“Sind sie schwindelanfällig, Marise?”
“Schwindelanfällig? … Ja, allerdings”, antwortete Marise eilfertig. “Erinnern Sie mich nicht daran, allein bei dem Gedanken fühle ich schon ein Ziehen in den Waden…”
“Dann sehen Sie nur ja nicht auf Antoinettes Stirn. Die reinste Abfahrtpiste. Schneewüste, soweit das Auge reicht. Ihre Haare beginnen irgendwo dort hinten, weit hinter ihrem Kopf. Das ist… ich weiß nicht, wie ich es sagen soll… unanständig.”
Apr
Anmerkung zu Peter Altenberg, Sonnenuntergang im Prater
by Maximilian Buddenbohm in
Je länger ich in der Stadt lebe, desto mehr fällt mir auf, daß ich den noch naturnahen Schriftstellern aus der Zeit vor den beiden Weltkriegen immer weniger folgen kann. Anscheinend verlerne ich Jahr für Jahr weitere Pflanzen – und während diese Autoren auf jeder Seite kunstvoll Bilder mit Blumen abstimmen und Bäume passend zur Situation einsetzen, ist mir alles nur irgendwie grün oder bunt blühend, ich rate so herum, was weiß ich. Schleedornröschen, Leontodon, Heliotrop, Reseden, Sumpfgräser, Berberitzen, Sternblumen, Georginen – alle schon auf den ersten Seiten. Mir fällt nichts dazu ein. Oder nicht mehr, vielleicht kannte ich die ja einmal, als ich noch auf dem Land lebte.
Wenn ich heute aus dem Fenster sehe und einen Baum sehe, denke ich nur Baum und wenn ich einen Busch sehe, denke ich nur Busch. Ist eine Pflanze grün und steht in meiner Küche, denke ich Basilikum, das immerhin.
Aber es ist doch ein schwerer Fall von Vokabelverlernen. Die Pflanzennamen fallen aus meinem Hirn wie im Herbst das Laub von den Dings. Sehr schade.
Apr
Geständnis
by Maximilian Buddenbohm in
In den Zeitungen kann man lesen, daß die Bevölkerung von England in den
letzten Tagen unter einer seltsamen Geruchsbelästigung litt, die man
allgemein auf die Düngemittel in der deutschen Landwirtschaft und eine für die britischen Inseln ungünstige Windrichtung zurückführte. Das ist nur
teilweise richtig.
Vielmehr ist es so, daß die Herzdame gerade durch Versuch und Irrtum
herausfindet, welche Lebensmittel dem noch gestillten Nachwuchs bekömmlich sind oder nicht. Es gibt da nämlich etliche Warnungen, vor Zitrusfrüchten, Hülsenfrüchten, Knoblauch, Kohl, Spargel und so weiter, eine schier endlose Liste von Zutaten, die sich angeblich schlecht auf den Nachwuchs auswirken soll. Nach und nach kamen wir aber dahinter, daß sich nahezu keines dieser Produkte wirklich irgendwie bemerkbar macht, denn weder trinkt das Kind nach dem Konsum mehr oder weniger als sonst, noch verändert sich sonst irgendwas an ihm Also dachten wir, wenn nie etwas passiert, kann die Mutter ja einfach alles essen, ohne dauernd verkrampft über jeden Bissen nachdenken zu müssen.
Nach den Erfahrungen der letzten beiden Tage würden wir aber Linsensuppe doch als ausdrücklich hochriskant für stillende Mütter einstufen und vom Genuß ausdrücklich abraten. Es sei denn, man legt Wert auf ein Baby mit Raketenantrieb.
Die Geruchsbelästigung über Nordeuropa der letzten Tage, deren Zentrum
zweifellos das Kinderbett des Sohnes war, dürfte jetzt allerdings allmählich wieder abklingen. Das Viertel ist auch schon nicht mehr evakuiert.
Wir basteln derweil weiter am Speiseplan. Bohnen sind sicher ganz anders als Linsen, glaube ich – es bleibt spannend.
Apr
Apr
Hinterher: Wolf Haas, Der Knochenmann
by Maximilian Buddenbohm in
Da muß man sich nicht lange Gedanken machen, Wolf Haas ist großartig. Unbedingt lesen.
Wenn man selbst schreibt, sollte man aber direkt hinterher einen klaren Simenon lesen, um diesen sehr speziellen Haas-Stil wieder loszuwerden, der sonst plötzlich an den eigenen Gedankengängen pappt wie Pattex. Oder wie auch immer man Klebstoff in Österreich nennt.
Apr
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Peter Altenberg: Sonnenuntergang im Prater – Fünfundfünfzig Prosastücke. Texte zuerst erschienen um die Jahrhundertwende 18/19.
Das erste Stück daraus beginnt so:
“Sechs Uhr früh. Es ist trocken, kühl, der Himmel weißlich-blau, “bleu-lacté” würden die französischen Schritsteller sagen —,
Eine Blumenhandlung von falschen Blumen schlägt ihre Lider auf, graue Holzläden. In der staubigen Auslage blüht der Frühling, Schleedornröschen; der Sommer, Kornblumen; der Herbst, rosa und lila Astern und die Federkugeln von Leontodon. Ein blasses Ladenmädchen trägt weiße Rosen heraus, kränzt einen Wagen, der vor der Türe steht. Die Blumen riechen wie Mousselin-Kleider.”
Apr
Apr
Apr
Pädagogik
by Maximilian Buddenbohm in
Als ich Kind war, erzählte meine Oma gerne von einem ihrer Nachbarn, der sich beim Apfelpflücken das Genick gebrochen hatte. Sie zeigte auf einen Baum in einem Garten auf der anderen Straßenseite, sah mich mahnend an und schilderte immer wieder, wie der Mann rücklings von der Leiter fiel, als er nach einem Apfel in den höheren Ästen greifen wollte, wie er auf den Rasen fiel und sofort tot war. Die Leiter stand noch jahrelang an dem Baum, immer an der gleichen Stelle, wie ein hölzernes Mahnmal. Mit der Schilderung wollte sie meinen ausgeprägten Kletterdrang bändigen, entweder um mich selbst oder aber um ihre Kirschen zu beschützen, wer weiß.
Mich hat das immer sehr beeindruckt und ich habe auch tatsächlich zwei wichtige Lehren daraus gezogen. Erstens, als Erwachsener verlernt man offensichtlich das Klettern, man sollte es daher als Kind bei jeder Gelegenheit tun, denn irgendwann später ist der Spaß für immer vorbei. Zweitens, es ist sehr gefährlich, mit einer Leiter auf einen Baum zu steigen. Besser man klettert einfach an den Ästen hoch.
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