Tips für Väter (8)

Mrz 4th, 2008 von Maximilian Buddenbohm

Wahrscheinlich wird schon seit der steinzeitlichen Erfindung des Löffels von Generation zu Generation überliefert, daß man Säuglingen bei den ersten Fütterungsversuchen Sätze wie “ein Löffelchen für Oma, ein Löffelchen für Opa…” usw. vorzubeten habe, wobei man die Verwandtschaft womöglich bis zum letzten flüchtig bekannten Urgroßcousin herunterleiern soll, um die verfütterte Menge maximal zu steigern. Das ist, man muß es klar benennen, eine fatale Überlieferung. Zum einen gibt es dabei ein erhebliches Risiko, daß man als fütternder Vater gelegentlich “ein Löffelchen für Papa” aufsagt und der Nachwuchs genau dann nicht essen will – wohl aber bei “ein Löffelchen für Mama”. Das führt zu unschönen Reflexionen über die Gefechtslinien im Familienverbund und ist entschieden abzulehnen. Zum anderen macht die ewige Löffelchenlitanei müde, denn nicht umsonst klingt sie wie eine mantra-ähnliche Aufsageübung aus dem autogenen Training. Das Kind, dessen Augen spätestens nach der Herbetung der gesamten Tantengeneration nur noch unter bleischweren Lidern dem Löffelchen folgen, wirkt schnell desinteressiert und gar nicht mehr hungrig und aufnahmefähig.

Vergessen Sie also den Löffelchentext. Verwenden Sie statt dessen fröhlich-sportlich motivierende Sprüche, die der Übung einen gewissen Drive geben und der Situation eine flotte Note verleihen, denn Essen muß, wie jeder Kantinenesser bestätigen kann, schnell gehen.

Glänzende Erfolge verspricht zum Beispiel die gerade von mir erfundene Appetitformel: “Zack zack – Pastinak!”

8 Kommentare

  • Einen großartigen Spruch haben Sie da gefunden. Ich werde zusehen, mich ähnlich inspirieren zu lassen. Noch ist es hierzulande nicht so weit. Hier begnüge ich mich noch damit, hochwertiges Liedgut über die Freude am Rülpsen zu verfassen. Ich habe das Gefühl, dass das als Vorbereitung vielleicht gar nicht so schlecht ist.

  • Ihr Gefühl trügt Sie nicht, ich bin fast sicher.

  • Eins zwei – Möhrenbrei!
    Drei vier – totes Tier!
    Fünf sechs – Soßenklecks!
    Sieben acht – fein gemacht!

  • Super Merlix! Nach über 20 Wochen hast du endlich mal einen guten Tipp! Super! Jetzt hast du den Dreh raus. Die nächsten Jahrzehnte werden ein Kinderspiel sein für dich!

  • Auf die Leser kann man bauen :-)

  • Denken Sie daran, dass jedes einmal eingeführte Ritual in Zukunft vollständig wiederholt werden muss. Der Bruder meines Patenkindes aß am Ende der Breiphase nur noch, wenn er nach dem Buchangucken (2-4 Löffel) und dem Spiel mit dem kleinen Auto (2-3 Löffel) zwei der lustigen Tupperdosen über die Füße gestülpt bekam (daran war ich schuld) und sein Vater (selber schuld) das Bodenblech des Fisher-Price-Autos aufschraubte und die Batterie rausnahm, den Boden wieder zuschraubte, die gesamte Elektronik testete (die nicht funktierte), den Boden wieder aufschraubte, die Batterie wieder einlegte, den Boden wieder zuschraubte, die Elektronik testete (die funktionierte), den Boden wieder… etc.
    In der einen Hand den Löffel, in der anderen den Schraubenzieher. Wollen Sie das?
    (Auch unter diesem Aspekt scheint mir der oben angeführte Reim die richtige Länge zu haben.)

  • Ich bin gewarnt!

  • Es gibt noch die Technik mit dem landenden Flugzeug :-)