Januar, 2008 Archives

11
Jan

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

11
Jan

Update

by Maximilian Buddenbohm in

Das neue Wochenhoroskop ist online.

10
Jan

Momentan nicht erreichbar

by Maximilian Buddenbohm in

Vielleicht wundern sich Freunde und Bekannte warum die Herzdame und ich nicht mehr ans Telefon gehen. Zu keiner Tages- oder Nachtzeit scheinen wir erreichbar zu sein, trotz endloser Versuche, nur Mails werden seltsamerweise stets sofort beantwortet. Das hat natürlich einen sehr guten Grund. Es ist nämlich so, daß der Nachwuchs seit ein paar Tagen mit freudiger Begeisterung auf Klingeltöne reagiert. Er lacht und strahlt, sobald er so ein Geräusch hört, er winkt dem Telefon begeistert zu, jauchzt und entspricht ganz dem, was man sich unter einem sehr glücklichen Kleinkind vorstellt. Das ist ein wirklich schöner Anblick.

Sicher haben die Anrufer dafür Verständnis, daß wir dieses große Kinderglück unmöglich dadurch unterbrechen können, daß wir den Anruf annehmen.

10
Jan

Man beachte die Feinheiten

by Maximilian Buddenbohm in

Es ist noch gar nicht lange her, da hätte man einen Täter, der z.B. in Hamburg einen Supermarkt überfallen hat, etwa so beschrieben: “1,80 groß, dunkelblonde Haare.” Heute, wo alle Gewalt gemäß der aktuellen Diskussion von Jugendlichen ausländischer Abstammung auszugehen hat, schreibt die lokale Springerpresse: “Der Täter hatte einen hellen Teint, helle Augen und sprach akzentfrei deutsch”.

Das klingt auf den ersten Blick vielleicht normal – was der Autor jedoch eigentlich damit sagen wollte, war vermutlich: “Das war jetzt aber wirklich mal ein seltsamer Albaner.” Oder Türke, Grieche, Kroate, was auch immer.

8
Jan

Spaß mit Ratgebern (4)

by Maximilian Buddenbohm in

Alle Bücher, die einem erklären sollen, wie man mit kleinen Kindern umgeht, empfehlen, den Kleinen zum Einschlafen oder auch nur zur Beruhigung etwas vorzusingen. Auch Großmütter, Nachbarinnen, befreundete und bereits in der Erziehung fortgeschrittene Mütter, Kollegen und beliebige Besucher, alle, alle sind sich einig, der Nachwuchs sollte stets ausführlich mit elterlichem Gesang versorgt werden.

Schon vor der Schwangerschaft hatte ich darüber einen ernsthaften Disput mit der Herzdame, als wir über unsere Zukunftsvorstellungen sprachen und ich anmerkte, daß ich sie dann ja faszinierenderweise auch einmal singen hören würde. Die Herzdame verneinte das, woraufhin ich von elterlichen Pflichten sprach und sie von Rücksicht auf das Kind und auf mich, wir wurden uns an diesem Abend nicht recht einig. Schließlich dachte ich mir, so etwas könne man auch gelassen abwarten, früher oder später singt sicherlich jede Mutter dem in den Schoß gekuschelten Kind etwas vor, wie kann es auch anders sein.

Nur achtzehn Wochen nach der Geburt war die Herzdame gestern ob des permanent schreienden Kindes so ratlos, daß sie tatsächlich angefangen hat, ihm ein Schlaflied zu singen, nachdem sie sich längere Zeit mittels einer geeigneten CD etwas eingegroovt hatte. “Wer hat die schönsten Schäfchen” hat einen überschaubaren Text und klingt von der Melodie her tatsächlich nicht allzu herausfordernd. Die Herzdame zog sich tapfer mit dem Sohn zur Musikstunde zurück

Nach einer Weile hörte ich aus dem Schlafzimmer seltsame Geräusche, die mir bedenklich vorkamen. Es klang in etwa so, als würde die Herzdame ganz leise singen und nebenbei langsam einen Kakadu erwürgen. Ich sah schließlich nach – und stellte fest, daß unser Sohn die Gesangsübungen der Mutter in einer so umwerfenden Weise erheiternd fand, daß er schon Atemnot vor Lachen hatte, was die seltsamen Geräusche erklärte. Die Herzdame sah das haltlos gackernde Kind mit einiger Verbitterung an und wird wahrscheinlich in diesem Leben nie wieder singen. Das ist sehr schade, zumal ich die Aktion letztlich doch als Erfolg werten würde.

Immerhin kicherte der Sohn noch eine ganze Stunde später leise und glucksend vor sich hin und vergaß darüber ganz, daß er sich eigentlich mit Gebrüll beschäftigen wollte.

6
Jan

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Alexander Lernet-Holenia: Graf Luna. Zuerst erschienen 1955. Der Roman beginnt so:

“Am Dienstag, dem 6. Mai vergangenen Jahres, traf ein gewisser Alexander Jessiersky, der sich tags zuvor aus Mailand telegraphisch angesagt hatte, in Rom ein und nahm Quartier in einem Hotel an der Spanischen Treppe. Er meldete sich als österreichischer Staatsangehöriger, geboren 1911, und schrieb ein, daß er verwitweten Standes sei. Den Beruf aber ließ er offen, vielleicht weil er nicht wußte, wie er ihn ins Italienische übersetzen sollte.

Am 7. vormittags belegte er im Bureau der LIT (Linee Italiane Transoceanee) eine Überfahrt auf der “Aosta”, die am 9. abends von Neapel nach Buenos Aires in See gehen sollte. Am 7. nachmittags besuchte er verschiedene Sehenswürdigkeiten im Süden Roms, darunter auch die Appische Straße. Hier hätte er sich freilich bei der Kirche Quo Vadis oder bei dem naheliegenden Tempel des Deus Rediculus, beide dem Gott der Umkehr, dem heidnischen sowohl wie dem christlichen, geweiht, ein Beispiel nehmen und, zu seinem Besten, gleichfalls umkehren sollen. Zu seinem Schaden tat er dies nicht.”

5
Jan

Wetterbericht

by Maximilian Buddenbohm in

Rain

5
Jan

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Roland Barthes: Die helle Kammer – Bemerkung zur Photographie. Übersetzt aus dem Französischen von Dietrich Leube, zuerst erschienen 1980. Das Buch beginnt so:

“Eines Tages, vor sehr langer Zeit, stieß ich auf eine Photographie des jüngsten Bruders von Napoleon, Jérôme (1852). Damals sagte ich mir, mit einem Erstaunen, das ich seitdem kaum vermindern konnte: “Ich sehe die Augen, die den Kaiser gesehen haben.” Manchmal sprach ich von diesem Erstaunen, da aber niemand es zu teilen, ja nicht einmal zu verstehen schien (so besteht das Leben aus kleinen Einsamkeiten), vergaß ich es wieder.”

4
Jan

Die Sinnfrage

by Maximilian Buddenbohm in

Das Kind ist wach, sehr wach. Es ist fast immer wach. Wenn es wach ist, möchte es bespielt werden, und zwar nicht nebenbei, sondern gründlich. Der erwachsene Mensch neigt aber, selbst wenn er liebender Vater ist, nach drei, vier Stunden Dauerbekasperung des Nachwuchses leider manchmal etwas zur Ermüdung, was augenblicklich wütendes Geschrei zur Folge hat. Als das Kind gestern abend auch gegen zwölf Uhr noch in allerdeutlichster Munterkeit auf meinem Schoß herumturnte und ich es allmählich doch satt hatte, seine Gesprächsbeiträge à la “dada” und “gögö” wieder und wieder in ähnlichem Wortlaut zu beantworten, habe ich, weil mir gerade nichts anderes einfiel, angefangen, dem Sohn von meinem Beruf zu erzählen. Das Kind schätzt es nämlich im Allgemeinen sehr, wenn man ihm etwas erzählt.

Ich habe ihm also eine kleine Grundeinführung in Controlling und Buchhaltung gegeben, unter besonderer Berücksichtigung der Deckungsbeitragsrechnung. Nach nur etwa vier Minuten Vortrag kippte der Kopf des Kindes nach hinten, es schnarchte leise und war in den nächsten sieben Stunden nicht mehr wach zu bekommen. Ein ebenso ungewohnter wie friedlicher Anblick, so ein schlafendes Kind.

Heute abend erkläre ich ihm den Unterschied zwischen fixen und variablen Kosten, vielleicht reicht das ja, wenn ich noch besonders auf die Grenzkostenbetrachtung eingehe, sogar für acht Stunden Schlaf.

Und so kommen auch Menschen wie ich endlich, endlich zu dem wunderschönen Gefühl, einen richtig sinnvollen Job zu haben.

4
Jan

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Anleger an der Alster in Hamburg. Das Bild ist schon etwas älter, aber es paßt ganz hervorragend zum Wetter heute.

4
Jan

Update

by Maximilian Buddenbohm in

Das neue Wochenhoroskop ist online. Viel Spaß!

3
Jan

Tips für Väter (6)

by Maximilian Buddenbohm in

Gehen Sie nicht davon aus, daß stillende Mütter mit wochenlangem Schlafmangel noch über ausreichende Humorreserven verfügen, um kleine Späßchen am Abend locker wegzustecken. Wenn die Mutter zum Beispiel gerade das Kind auf dem Schoß hat und feststellt: “Er guckt mich irgendwie so gelangweilt an”, antworten Sie auf keinen, wirklich auf gar keinen Fall scherzeshalber mit einem Satz wie “Das kann ich verstehen”.

Glauben Sie einem Mann mit Erfahrung.

3
Jan

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Stefan Zweig: Joseph Fouché – Bildnis eines politischen Menschen. Zuerst erschienen 1929. Das Buch beginnt so:

“Am 31. Mai 1759 wird Joseph Fouché – noch lange nicht Herzog von Otranto! – in der Hafenstadt Nantes geboren. Seeleute, Kaufleute seine Eltern, Seeleute seine Ahnen; nichts darum selbstverständlicher, als daß der Erbsohn Meerfahrer würde, Schiffskaufmann oder Kapitän. Aber früh zeigt sich schon: dieser schmächtig aufgeschossene, blutarme, nervöse, häßliche Junge entbehrt jeder Eignung zu so hartem und damals wirklich noch heldischem Handwerk. Zwei Meilen vom Ufer – und er wird schon seekrank, eine Viertelstunde Lauf oder Knabenspiel – und er ermüdet.”

2
Jan

Kinderarbeit

by Maximilian Buddenbohm in

1
Jan

Als Sarahs Vater nach der Liebe fragte

by Maximilian Buddenbohm in

Die Winter in Travemünde waren nicht eben unterhaltsam, schon gar nicht für Kinder. Alles hatte geschlossen, die Imbissbuden waren vernagelt, Cafés und Restaurants machten wochenlang Urlaub, im Yachthafen war nichts mehr los und die wenigen abgetakelten Boote, die dort noch übrig waren, dümpelten lustlos im Kielwasser der fast passagierlos auslaufenden Butterschiffe. Von den großen Fähren aus Dänemark, Schweden oder Finnland kamen kaum noch Reisende an Land und in dem Spirituosenladen am Skandinavien-Kai, in dem sich die ankommenden Schweden sonst sofort mit riesigen Mengen Alkohol eindeckten, saßen die Verkäuferinnen stundenlang untätig herum und langweilten sich furchtbar.

Mein Freund Stefan und ich, wir zogen an den Nachmittagen verfroren durch den Ort, probierten gelangweilt aus, ob wir in einen Imbiß einsteigen konnten, erkundeten mit klammen Fingern die vergessenen Werkzeugkisten auf brachliegenden Großbaustellen für neue, große Apartmenthäuser oder gingen zum Strand und warfen die angespülten Coladosen zurück in die sterbensgraue Ostsee. Möwen und Blesshühner sahen uns reglos dabei zu. Wir versuchten, die Münzfernrohre mit ausländischem Kleingeld zu täuschen und suchten den nassen Sand nach im Sommer verlorenen Schmuckstücken ab, die wir nie fanden. Man hätte schwimmen gehen können, in dem Thermal- und Wellenbad im Maritim-Hotel, aber das kostete Geld und ergab sich daher nur, wenn uns Erwachsene einluden. Die meisten Erwachsenen schienen aber im Winter nicht gerne schwimmen zu gehen. Stefan und ich hatten daher oft wochenlang keine Gelegenheit, in das Bad zu gelangen, es sei denn, wir schlossen uns Sarah an, die mit ihrer Großmutter Ernestine an jedem Mittwoch schwimmen ging. Ernestine zahlte mit verblüffender Selbstverständlichkeit für die Freunde ihrer Enkelin, sofern wir sie im Gegenzug reichlich mit Geschichten aus unseren Familien und über die amourösen Verwicklungen in der Nachbarschaft unterrichteten. Da wir es mit der Wahrheit dabei nicht sehr genau nahmen, war das zweifellos ein sehr gutes Geschäft.

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