Der Eimerkompromiss

Dez 25th, 2007 von Maximilian Buddenbohm

Die Herzdame und ich unterscheiden uns in nahezu allen wichtigen Fragen des Lebens grundsätzlich, sonst wäre es ja auch schrecklich langweilig. So können wir auch keine Einigkeit bei der Frage des Weihnachtsbaums erzielen, denn die Frage nach echten, brennenden Kerzen oder der sicheren Elektrovariante führt Jahr um Jahr zu ernsthaften Differenzen. Als entspannungssuchender Mensch bevorzuge ich die Elektrovariante, die gemeinhin nicht plötzlich in Brand gerät und die Feiertage verdirbt, die Herzdame aber, als wildes Landkind, bevorzugt echte Kerzen, damit Weihnachten auch richtig spannend wird. Schon bei unserem ersten gemeinsamen Weihnachtsfest vor sechs Jahren haben wir uns daher unfriedlich auf beide Arten von Kerzen geeinigt.

Die Wachskerzen dulde ich aber nur, sofern ein Eimer mit Wasser neben dem Baum steht, was die Herzdame wiederum grauenvoll uncool und peinlich findet. Ich habe allerdings keine Lust auf eine abgebrannte Wohnung, nur weil das Löschzubehör nicht dem Stil der Herzdame entspricht und so streiten wir zeremoniell kurz vor Weihnachten um die Plazierung von Baum und Eimer. Die Lösungen variieren, mal steht der Eimer mehr, mal weniger prominent im Raum. In diesem Jahr steht der Baum in einer Zimmerecke und der Eimer dahinter, so daß man, wenn der Baum brennen sollte, erst den gerade abfackelnden Baum hochheben müßte, um an den Eimer zu gelangen. “Hauptsache Eimer im Raum”, wie die Herzdame sagt, die wohl als Jahressiegerin zu betrachten ist.

Ich lasse sie freundlich nickend gewähren und nähe derweil heimlich kleine Schildchen mit dem Aufdruck “Löschdecke” an ihre geliebten Sofaüberwürfe. Man lernt, sich zu arrangieren, wenn man nur lange genug zusammen ist.

4 Kommentare

  • Aber es hat halt sechs Jahre lang noch nie gebrannt. Vielleicht brennt es nie. Trotzdem, ich habe auch immer Löschmöglichkeiten – Gießkanne, Eimer oder nasse Küchentücher – unter dem Weihnachtsbaum.

  • Wir hatten heuer auf meinen Wunsch hin erstmals in neunjähriger Beziehung überhaupt einen Weihnachtsbaum. Echte Kerzen! Und völlig ohne doppelten Löschboden! Verwegen, was?

  • Nur Anfängerglück, daß da nichts passiert ist!

  • Zauberhaft. Bei uns in der Familie seit einigen Jahren dasselbe Thema mit dem Eimer. Seit ich drauf bestehe, einen Eimer mit Löschwasser im Ram zu platzieren, nennt meine Schwester mich den “Brandschutzminister”, ein Lob, von dem ich nicht sicher bin, ob es als Lob gemeint ist.

    Dieses Jahr haben wir das erste Mal bei der Schwester und dem frisch in die Familie inkorporierten Schwager gefeiert. Es gab auch gemischte Kerzen und zu unser aller Verwunderung waren die Elektrokerzen ästhetisch gar nicht so furchtbar. Sie hatten sogar viele Vorteile: Man kann aus dem Raum gehen, der Baum muss nicht vorher stundenlang auf Risikostellen hin untersucht werden und man braucht keinen Herzinfarkt mehr zu kriegen, wenn sich jemand schwungvoll dem Baum nähert. Nur der Brandschutzminister fühlt sich nutzlos…