Dezember, 2007 Archives
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Not the same procedure
by Maximilian Buddenbohm in
Ich möchte niemanden unnötig erschrecken, aber fast direkt nach Weihnachten folgt Silvester, also schon wieder ein Festtag, der in irgendeiner Form zelebriert werden möchte. Sollten Sie, liebe Freunde der Fortpflanzung, noch keinen eigenen Nachwuchs haben, können Sie sich auf einen weiteren der praktisch zahllosen Vorteile eigener Kinder freuen: Mit kleinem Kind haben Sie endlich keine Qual der Wahl bei der Auswahl der Silvester-Events mehr.
Diese ganzen grauenvollen Diskussionen der letzten Jahre, ob es womöglich bei denen oder jenen lustiger werden könnte, welche Privatparty in optimaler Nähe zum Kiez liegen könnte, damit man notfalls beizeiten die Flucht antreten könnte, bei welchem Gastgeber es eventuell sogar zu nächtlichem Herumtanzen kommen könnte und ob die eigene Beziehung andererseits nächtliches Herumtanzen überhaupt überleben würde, alles Fragen von gestern. Die tiefen und nachhaltigen spätherbstlichen Zerwürfnisse im Freundeskreis, die ihren harmlosen Anfang in der Frage “was macht ihr eigentlich Silvester?” fanden – alles vorbei. Man wird eh nicht mehr von den Leuten gefragt, die die wilden Abende veranstalten. Man nimmt statt dessen das Kind und fährt zu den sympathischen anderen Eltern mit den genau gleichaltrigen Kindern, gart leise Fleisch am Fondue zu dezenter Musik und freut sich, wenn die Kleinen ein paar Meter weiter friedlich schlafen – was auch sonst.
Das Leben wird immer einfacher.
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Alsterspaziergang
by Maximilian Buddenbohm in
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Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Graham Greene: Die Stunde der Komödianten. Deutsch von Hilde Spiel. Der Roman erschien zuerst 1966 und beginnt so:
“Denkt man an all die grauen Standbilder Londons von Generälen hoch zu Pferd, von Helden alter Kolonialkriege und noch gründlicher vergessenen Politikern im Gehrock, dann hat man keinen Anlaß, den einfachen Stein zu belächeln, der an Jones gemahnt. Er liegt auf der anderen Seite der internationalen Straße, die Jones nicht mehr zu überqueren vermochte, in einem Land fern von seiner Heimat, deren geographische Lage mir freilich bis heute schleierhaft ist. Zumindest hat er für sein Monument, wenn auch noch so ungern, mit dem Leben gezahlt, indes die Generäle zumeist gesund zurückkehrten und, falls überhaupt, mit dem Blute ihrer Mannschaften zahlten; die Politiker hingegen – aber wem liegt schon so viel an toten Politikern, daß er noch wüßte, wofür sie einst eingetreten sind?”
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Der Eimerkompromiss
by Maximilian Buddenbohm in
Die Herzdame und ich unterscheiden uns in nahezu allen wichtigen Fragen des Lebens grundsätzlich, sonst wäre es ja auch schrecklich langweilig. So können wir auch keine Einigkeit bei der Frage des Weihnachtsbaums erzielen, denn die Frage nach echten, brennenden Kerzen oder der sicheren Elektrovariante führt Jahr um Jahr zu ernsthaften Differenzen. Als entspannungssuchender Mensch bevorzuge ich die Elektrovariante, die gemeinhin nicht plötzlich in Brand gerät und die Feiertage verdirbt, die Herzdame aber, als wildes Landkind, bevorzugt echte Kerzen, damit Weihnachten auch richtig spannend wird. Schon bei unserem ersten gemeinsamen Weihnachtsfest vor sechs Jahren haben wir uns daher unfriedlich auf beide Arten von Kerzen geeinigt.
Die Wachskerzen dulde ich aber nur, sofern ein Eimer mit Wasser neben dem Baum steht, was die Herzdame wiederum grauenvoll uncool und peinlich findet. Ich habe allerdings keine Lust auf eine abgebrannte Wohnung, nur weil das Löschzubehör nicht dem Stil der Herzdame entspricht und so streiten wir zeremoniell kurz vor Weihnachten um die Plazierung von Baum und Eimer. Die Lösungen variieren, mal steht der Eimer mehr, mal weniger prominent im Raum. In diesem Jahr steht der Baum in einer Zimmerecke und der Eimer dahinter, so daß man, wenn der Baum brennen sollte, erst den gerade abfackelnden Baum hochheben müßte, um an den Eimer zu gelangen. “Hauptsache Eimer im Raum”, wie die Herzdame sagt, die wohl als Jahressiegerin zu betrachten ist.
Ich lasse sie freundlich nickend gewähren und nähe derweil heimlich kleine Schildchen mit dem Aufdruck “Löschdecke” an ihre geliebten Sofaüberwürfe. Man lernt, sich zu arrangieren, wenn man nur lange genug zusammen ist.
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Grauwinter
by Maximilian Buddenbohm in
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Wintergrau
by Maximilian Buddenbohm in
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Großer Erfolg
by Maximilian Buddenbohm in
Was für ein befriedigendes Gefühl, wenn das Kind nach 16 Wochen endlich durchschläft. Wie großartig, wenn man all den anderen Eltern von gleichaltrigen Kindern, die schon seit Wochen haltlos und nervtötend damit angeben, wie selbstverständlich ihre engelhaften Kinder durchschlafen, endlich antworten kann, klar, unserer auch, sicher doch.
Heute morgen sogar bis acht Uhr!
Die Herzdame sagt, ich müßte unbedingt dazuschreiben, daß wir alle drei erst gegen halb vier im Bett waren. Ich kann ihr einfach nicht verständlich machen, daß man sich mit diesem beinharten Realismus nur das Leben unnötig erschwert. Gänzlich unnötige Details. Was zählt ist nur: Durchgeschlafen! Bis acht Uhr! Ha!


