November, 2007 Archives
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Veranstaltungshinweis: Quod Libet
by Maximilian Buddenbohm in
Fast hätte ich es übersehen, denn sie wird nicht sehr intensiv beworben, die Internationale Antiquariatsmesse in Hamburg “Quod Libet“. Heute ab 15 Uhr bis Sonntag 18 Uhr in den schönen Räumen der Hamburger Börse hinter dem Rathaus, die Tageskarte kostet nur 2.-
Wenn Sie mal die Handschrift von Gottfried Benn sehen wollen oder aber jene seltsamen Menschen, die alles tun würden, um ein von ihm beschriebenes Blatt zu kaufen, wenn Sie Fragmente von Goethe, Lithographien von Kubin oder Erstausgaben von Ernst Jünger interessant finden – sehen Sie sich das mal an. Eine wirklich faszinierende Veranstaltung – den Katalog kann man hier online einsehen (PDF).
Und wenn Sie einen vollbärtigen, etwas fülligen älteren Herrn mit spöttischem Blick sehen, der mit einem Rotweinglas in der Hand durch die Gänge stromert und hier und da mit seinen ausstellenden Kollegen über die alten Zeiten spricht, als die Menschen angeblich noch mehr und bessere Bücher kauften – grüßen Sie meinen ehemaligen Chef von mir.
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Paillettenpanik
by Maximilian Buddenbohm in
Könnte nicht mal bitte jemand dringend den Herstellern von Taufkleidern vermitteln, daß die Achtziger schon eine ganze Weile vorbei sind und so etwas wie mit Pailletten aufgestickte Bolerojäckchen, Puffärmelchen und Glasperlenapplikationen bei allen halbwegs stilbewußten Eltern körperliche Schmerzen, Karies und Augenflimmern beim Anblick auslösen?
Wie es aussieht, wird der Sohn in seinem äußerst coolen Trainingsanzug getauft. Hauptsache weiß.
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Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
W. Somerset Maugham: Die Macht der Umstände – Erzählungen. Deutsch von Mimi Zoff, Kurt Wagenseil, Helene Mayer und Felix Gasharra.
Die erste der Erzählungen beginnt so:
“Es gibt wenige Bücher auf der Welt, die mehr an gediegenem Lesestoff enthalten als die “Sailing Directions”, die im Auftrag der Admiralität vom hydrographischen Department herausgegeben werden. Es sind stattliche Bände, in verschiedenfarbenes Leinen eingebunden (ziemlich dürftig), und der teuerste von ihnen ist billig. Für vier Shilling kann man den “Yangtse Kiang Pilot” kaufen, “enthaltend Schiffahrtsanweisungen für den Yangtse Kiang, vom Wusungfluß bis zum äußersten schiffbaren Punkt, einschließlich des Han Kiang, des Kialing Kiang und des Min Kiang sowie eine Beschreibung dieser Flüsse”; und für drei Shilling bekommt man den Teil III des “Eastern Archipelage Pilot”, “umfassend den nordöstlichen Teil der Celebes-Molucca- und Gilolo-Passagen, die Banda und Arafura See und die nördliche, westliche und südwestliche Küste von Neuguinea”. Aber es ist nicht ratsam, dies zu tun, wenn man ein Mensch mit festen Gewohnheiten ist, in die man keine Störung bringen möchte, oder wenn man eine Beschäftigung hat, die einen an einen bestimmten Ort bindet.”
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Kinder machen stark
by Maximilian Buddenbohm in
Ein weinendes Baby, das durch Stillen und Kuscheln nicht zu beruhigen ist, trägt man natürlich durch die Wohnung. Man trägt es eine Runde durch das Wohnzimmer, macht einen Abstecher in die Küche, durch den Flur, mal eben auf den Balkon, macht sogar Licht im Schlafzimmer an – immer in der Hoffnung, das Kind möge unterwegs etwas Interessantes entdecken, so daß es vor Begeisterung über den Anblick schlagartig aufhört zu weinen, ein strahlendes Lächeln aufleuchtet und das Kind ganz hingerissen von einem tollen Gegenstand die schlechte Stimmung vergißt.
Man sollte dabei nicht den Fehler machen, das Kind hochzuheben, damit es etwas entferntere Gegenstände besonders gut sehen kann. Etwa die Bücher ganz oben im Regal, die rote Vase, die daneben steht, den Kronleuchter an der Decke oder die Salatschale auf dem Küchenschrank. Kinder neigen dazu, fatalerweise genau das spannend, aufregend und ablenkend zu finden, was sie nur dann sehen können, wenn man sie gerade mit ausgestreckten Armen über den Kopf gehoben hat. Dann steht man in etwas seltsamer Pose, als würde man dem Küchenschrank einen frisch gewonnenen Pokal präsentieren und hält den plötzlich vergnügten Nachwuchs mit schnell müde werdenden Armen deckenwärts. Unser Sohn wiegt gerade 6,3 Kilo und die Zeit, in der ich noch Kraftsport gemacht habe, liegt weit zurück.
Die Arme sinken, zentimeterweise, denn man will das Kind ja nicht plötzlich von dem gerade erst gefundenen und so großartigen Gegenstand wegreißen, das Kind schreit schon nach einer minimalen Abwärtsbewegung wie am Spieß. Man streckt die Arme wieder energisch durch, das Kind lächelt und schweigt, den Blick starr auf die geschmacksverirrte Salatschale in 70er-Jahre-Orange gerichtet. Die Arme zittern, kleine Ausfallschritte links und rechts, man tänzelt ein wenig herum und fühlt sich fatal an die Zeiten erinnert, als man noch Zimmerantennen links oben in die Wohnzimmerecke Richtung West-Nordwest halten mußte („bleib so, bleib so!“), nur waren die Dinger damals nicht so schwer.
Die Arme sinken, das Kind schreit. Die Salatschale wird vom Schrank genommen, vor das Kind gehalten und herumgeschwenkt, das Kind schreit. Die Salatschale zählt anscheinend nur, wenn sie von unten betrachtet werden kann. Die Salatschale wird auf den Küchentisch gelegt, der Vater auf den Boden, von seiner Brust aus hat der schreiende Sohn einen prima Blick nach oben, auf das ebenfalls schreiende Orange – keine Chance. Die Schale auf den Schrank, den Sohn nach oben gestemmt – Friede und Wohlgefallen. Eine überaus komplexe Frage von Blickwinkel und Position im Raum.
Sollte man irgendwann ein Remake von „Conan der Barbar“ drehen wollen – meine Schultermuskeln sind dann bald soweit.
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Tips für Väter (3)
by Maximilian Buddenbohm in
Ein Baby hat natürlich auch ganz praktischen Nutzwert – und das nicht nur als Heizkissen, obwohl es in dieser Verwendung gewiß nicht zu verachten ist. Es läßt sich auch ganz hervorragend als Beschleunigungstool im Gesundheitswesen einsetzen. Wenn Sie zum Beispiel einen Termin bei einem Arzt haben, der gemeinhin für lange Wartezeiten bekannt ist, gehen Sie einfach mit dem Baby hin und legen Sie den Termin tunlichst so, daß er in eine Aufwach- und Hungerphase des Nachwuchses fällt. Das kann man normalerweise nach wenigen Wochen ganz gut abschätzen. Gucken Sie an der Rezeption betroffen und wundern Sie sich im Selbstgespräch, wieso er ausgerechnet jetzt zu dieser Zeit, wo er sonst doch immer so verläßlich schläft…
Sie machen sich keinen Begriff, wie schnell Ärzte Zeit haben, wenn so ein Säugling im Wartezimmer zur lautstarken Hochform aufläuft!
Nach wenigen Minuten schon können Sie den kleinen zappelnden Alarmgeber der draußen wartenden Mutter wieder in den Arm drücken, während drinnen alle Patienten wirklich froh sind, Sie vorgelassen zu haben. Das sollte man unbedingt mal erlebt haben.
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Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Georges Simenon: Die Tür. Deutsch von Linde Birk, zuerst erschienen 1962. Der Roman beginnt so:
“Wie in vielen alten Häusern des Quartiers waren die Fenster hoch und schmal und lagen dreißig Zentimeter über dem Fußboden. Die Brüstung davor wurde von einem verzierten schmiedeeisernen Geländer getragen. Durch diese Verzierungen hindurch sah Foy von seinem Stuhl aus hinaus und verfolgte mehr oder minder bewußt das Geschehen auf der Straße.”
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Leg die Musik von damals auf
by Maximilian Buddenbohm in
Bei Etosha und der Nachtschwester geht es gerade um musikalische Erinnerungen, um Gefühle und Bilder, die von alten Liedern heraufbeschworen werden. Einmal Milva an Sommerabenden, einmal Demis Roussos auf der Fahrt in den Süden, Alexandra und der tote Baum, da hat natürlich jeder ab einem gewissen Alter ganze Filme abrufbar.
Apropos Film, ich möchte bei diesem Thema noch etwas weiter zurückgehen, in die frühere Kindheit – und es geht auch zunächst gar nicht um ein Lied, sondern gleich um eine ganze Gattung.
Wenn ich an diese Gattung zurückdenke, fällt mir kein bestimmter Ort ein und keine bestimmte Zeit, es mischt sich sehr vieles und ist sehr bunt durcheinander – und wundervoll bebildert. Immer ist es am Anfang lieblich, mit viel Geige und Flöte, besonders beim Sonnenuntergang, wenn sich äußerst niedliche Tierchen im Unterholz zusammenkuscheln. Die Musik hebt dann bald schwungvoller wieder an und dreht sich in eine heller werdende, strahlende Höhe, wenn die Sonne leuchtend aufgeht, wenn Vögel mit lautem Jubel aus dem Blattwerk steigen, wenn eine neue Geschichte beginnt. Viele Geschichten sind es, die da im Rückblick durcheinander gehen, mit sehr vielen Figuren, Orten und Abenteuern. Immer kann man, wie es sich ja schließlich auch gehört, mit den Tieren reden, immer wirkt Zauber und immer geht es gut aus. Immer haben die Bäume in meiner Erinnerung Augen und wenn der Waldweg einsam wird und die Musik tiefer, unheimlicher, greifen sie hinterhältig mit Ästen und Zweigen nach einem – ganz so wie in der Wirklichkeit. Nichts ist je langweilig und die größte Gefahr die es gibt, ist so unvorstellbar schrecklich, daß man nicht hingucken kann, obwohl es doch nur eine gezeichnete alte Hexe bei Gewitter ist. Aber was für eine!
Wenn es an das Finale geht, wird die Musik so mitreißend, schwungvoll und furios, daß es mich mit rudernden Armen förmlich vom rotsamtenen Kinoklappsessel reißt, den meine eiskonfektverschmierten Hände ohnehin nur mit Mühe unten halten können, so leicht bin ich noch. Die Musik kann die Menschen hier im riesigen dunklen Saal anfeuern, sogar die mich begleitenden Erwachsenen, sie kann gute Laune machen, sie ist lustig, fröhlich, quietschvergnügt und immer wieder, wenn es eine heitere Stelle in der Erzählung ist, swingt sie unverkennbar. Das Wort sagt mir natürlich noch gar nichts, aber ich finde es doch ganz wundervoll, was für eine phantastische, belebende und beglückende Musik, noch tagelang, wochenlang kann man sie pfeifen und nachsingen, sie macht weiterhin gute Laune, die Refrains machen süchtig, sie halten. Teilweise bis heute.
Die Soundtracks der Walt-Disney-Filme haben meinen Musikgeschmack sicherlich deutlich in Richtung Swing geprägt. Viele Titel könnte man als Beispiel nennen, aus Schneewittchen etwa oder aus dem Dschungelbuch, mit dem großartigen, unvergeßlichen, viel zu wenig bekannten Louis Prima, der das Stück für den Affenkönig schrieb und auch das Vorbild für die Figur war, aber ich wähle mal zur Belebung der allgemeinen Erinnerung noch ein anders Stück aus, das ich hier mit der kategorischen Feststellung einbaue.
Vor dem Ratpack kam für mich immer noch das Catpack.
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Talentförderung
by Maximilian Buddenbohm in
Sie wissen bestimmt, wie es aussieht, wenn ein kleines Baby auf dem Rücken unter einem hölzernen Trapez liegt, an dem Figürchen, Glöckchen und Ringe an Schnüren so hängen, daß es mit seinen wedelnden Händchen gerade eben ankommen kann? Normalerweise rotieren die Babyhände dabei so in der Luft herum, daß früher oder später irgendwas von den Fingern getroffen wird, dadurch leicht herumschaukelt und das fröhlich staunende Baby begeistert aufjauchzt.
Unser Kind dagegen – man erinnert sich vielleicht noch an die Sache mit der Mücke – liegt minutenlang reglos mit starrem Blick unter dem Trapez und schlägt dann unerwartet blitzartig und entschlossen so zu, als wäre es der Hauptdarsteller von Karate-Kid in einer Rückblende auf die sehr frühe Kindheit. Die mit erstaunlicher Kraft getroffene Figur wickelt sich zweimal bis zur Bewegungsunfähigkeit um das Gestänge, die links und rechts benachbarten Glöckchen beläuten leise ihren Abgang aus der Spielzone. Das Kind bewahrt eine djangomäßige Ruhe im Gesicht und fixiert lange die nächste Figur. Ihr Schicksal ist schon besiegelt.
Mit neun Wochen ist es aber wohl noch etwas zu früh, um den Kleinen beim Kampfsport anzumelden, nehme ich an.
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Zubehör für stillende Mütter
by Maximilian Buddenbohm in
Ich verbringe einen nicht unwesentlichen Teil meiner Freizeit damit, der stillenden Herzdame Dinge zuzureichen, an die sie gerade nicht ankommt. Sie sitzt irgendwo mit dem Baby am Busen, während dringend benötigte Gegenstände knapp außerhalb ihrer Reichweite herumliegen, was ihr aus offensichtlich prinzipiellen Gründen erst dann einfällt, wenn ich mich anderweitig hinsetze. Solange ich direkt vor ihr stehe, braucht sie nichts, auch nicht, während ich weggehe, der Moment des Bedarfs entsteht aufgrund geheimnisvoller Gesetze erst, wenn ich sitze oder liege. Vorzugsweise, wenn ich in einem anderen Raum liege.
Ich wundere mich etwas, daß es da keine Lösung im Bekleidungsgeschäft gibt. Für den eifrigen Heimwerker gibt es ja auch die unverzichtbare Funktionsweste mit diversen Verstaumöglichkeiten für Schraubenzieher und Phasenprüfer. Wieso gibt es nicht ein Kleidungsstück für die stillende Mutter, in welchem sie ein Festnetztelefon, ein Handy, eine Flasche Wasser, eine Flasche Apfelsaft, eine Tüte Kekse, ein Käsebrot, einen Roman, etwas Ratgeberliteratur, die aktuelle Zeit, eine Stoffwindel, einen Schnuller, ein Notebook, einen Kugelschreiber, einen Notizblock, eine Digitalkamera, einen USB-Stick, einen iPod, die Kontoauszüge des letzten Monats, ein paar Überweisungsformulare, Vitamin-D-Pillen, warme Socken, Hausschuhe, eine Strickjacke, ein Kissen, einen Kalender, die Post von heute, die Fernbedienung des Fernsehers, die Fernbedienung der Stereoanlage, eine Pinzette, eine Nagelfeile und eine Schere elegant so unterbringen kann, das alles mit einem Handgriff schnell erreichbar ist?
Gibt es denn keine Menschen in der Textilindustrie, die noch Herausforderungen suchen? Ich wäre wirklich dankbar.
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Tips für Väter (2)
by Maximilian Buddenbohm in
Stellen Sie sich vor, sie stehen morgens frisch und ausgeschlafen auf, während ihre Frau, die nachts mehrmals gestillt hat, noch übermüdet und stöhnend liegen bleibt. Der Säugling ist bei der letzten Fütterung neben der mütterlichen Brust eingeschlummert, seine Händchen winken sacht im Schlaf, ein Finger der Mutter streichelt unbewußt das Bäuchlein des Nachwuchses – ein Bild des Friedens. Sie gehen unter die Dusche, singen sich ein vergnügtes Liedchen, preisen den Morgen und gehen in das eheliche Schlafzimmer zurück. Da ist die Mutter jetzt ebenfalls wach, hält ein vergnügtes und sehr munteres Kind auf dem Schoß, strahlt sie in offensichtlich bester Stimmung an und sagt mehrmals: “Gewonnen! Gewonnen! Ha!”, wozu sie etwas singt, was verdächtig wie “nänänä” klingt.
Bedenken Sie: Die Frau ist in solchen Momenten nicht vollkommen übergeschnappt, wie man auf den ersten Blick vielleicht annehmen könnte – und wie es bei längerem Schlafentzug ja auch nicht überraschend wäre. Sie freut sich nur einfach über scheinbare Kleinigkeiten, die ihr den langen Tag mit dem Kind etwas versüßen. Wundern Sie sich also besser nicht, wenn sie Ihnen die Jubelstimmung so erklärt: “Er hat heute auf deine Bettseite gekotzt, nicht auf meine!”
Wechseln Sie einfach Ihre Bettwäsche und genießen Sie die gute Laune Ihrer Frau.
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Herrenabend, die Fortsetzung
by Maximilian Buddenbohm in
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Veranstaltungshinweis
by Maximilian Buddenbohm in
Sicherlich kein mehrheitsfähiger Veranstaltungshinweis, aber doch einer, den ich nicht unerwähnt lassen möchte. Ich habe vor einiger Zeit mal einen Artikel über die “Vergessenen Toten” geschrieben, über Menschen, die in Hamburg sterben, ohne irgendwelche Angehörige oder Mitmenschen zu haben, die sich um ihre Beerdigung kümmern. Sehr arme Menschen, Flüchtlinge aus aller Welt, Obdachlose, vergessene Menschen, vereinsamte Menschen, sozial isolierte Menschen. Frater Rafael, den ich damals auf den Friedhof Öjendorf begleitet habe, organisiert kurze Beerdigungszeremonien für diese Menschen, die ohne dieses ehrenamtliche Engagement vollkommen ritual- und würdefrei unter die Erde kommen würden.
Meinen Artikel von damals kann man hier nachlesen, einen wichtigen Nachtrag dazu hier.
Am 25. November um 15 Uhr gibt es in der Hamburger Hauptkirche St. Petri einen Gedenkgottesdienst für die Vergessenen Toten der Freien und Hansestadt Hamburg, gestaltet von Mitgliedern der Hamburger Staatsoper und anderen Künstlern, Frater Rafael und den Pastoren Nils Gerke und Jürgen Probst, dem Diakon Henry Kirsche und der Pastorin Martina Severin-Kaiser.
In diesem Jahr werden in Hamburg etwa tausend Menschen ohne jeden ermittelbaren Angehörigen oder Freund sterben und von Frater Rafael beerdigt werden. Das Thema ist weder schön noch populär – aber die Herzdame und ich weisen empfehlend auf diesen Gottesdienst hin.



