Der weiße Pfeil

Nov 19th, 2007 von Maximilian Buddenbohm

Vor einiger Zeit zeigte mir ein Bekannter, der befremdlicherweise regelmäßig die Bild-Zeitung liest, einen Artikel aus dem grauenvollen Blatt. Dieser war mit einem Haus bebildert, das mir deutlich bekannt vorkam. Auf eines der Fenster unter dem Dach, das mir sehr nach unserem Schlafzimmerfenster aussah, zeigte ein riesiger, aufmontierter weißer Pfeil. Einer jener Pfeile, neben denen in dieser Zeitung üblicherweise etwas steht wie „Hier wohnt der Schafschänder“ oder „Da haust das Blogger-Liebchen“. Neben dem Pfeil aber, der da unverkennbar auf unser Schlafzimmer zeigte, stand erfreulicherweise nur: „Bis dahin wird alles abgerissen“. In dem Artikel darunter, betitelt mit „Hamburgs größte Baustelle“ war anschaulich beschrieben, daß hinter unserer Schlafzimmerwand nach einer größeren Zerstörungsorgie eine Art neuer Stadtteil entstehen wird, mit etlichen neuen Wohn- und Bürogebäuden, Wegen und Straßen – Baubeginn Dezember 2007.

Die Erwartung, daß eines Morgens in den nächsten Wochen eine Abrißbirne drei Meter neben unserem Bett zuschlagen wird, macht uns seitdem etwas nervös. Mich, weil ich mich noch nicht ausreichend mit den Gesetzmäßigkeiten der Mietminderung befaßt habe, die Herzdame, weil es ihr Lebenstraum ist, einmal ein Haus abzureißen und sie schon wieder nicht mitspielen darf.

Ich glaube es gibt eigentlich nichts, worauf wir jemals ähnlich reagieren.

9 Kommentare

  • schade eigentlich, die wohnungsfindung klang damals so sehr nach einer portion segen von oben… ist eben immer alles gemogelpackungt. da fällt mir son spruch aus einer uralten sendung ein: “obacht, falle!”

  • Wenn die Nachbarblöcke erst weg sind, können wir ein Loch in die Badezimmerkacheln bohren und haben dann Alsterblick beim Duschen. Dürfen wir dann aber keinem sagen, sonst steigt die Miete um 500%. Ja, es ist sehr schade. Die Bauphase soll aber nur zwei Jahre dauern.

  • Solange die Abrissbirne drei Meter daneben einschlägt, ist ja alles gut.

  • Falls es der Herzdame doch gelingen sollte, mitspielen zu dürfen, wäre ich gerne dabei … hach, Abrissbirnen sind irgendwie noch effektvoller als Kettensägen.

  • Oh, da zieht sich mir ja alles zusammen. Also ich meine, ziehen wir doch alle zusammen. Mir wird ja auch schon seit einem Jahr latent mit Kündigung gedroht, Ende offen. Dann hörte ich heute morgen, die hübsch verwilderte Insel Kaltehofe in Hamburgs Süden soll zu einem Erholungsgebiet mit Konzertplattform umgebaut werden. Es droht wohl ein Spaßbad. Kurz: Dieser Bauwahn in Hamburg ist bedenklich. Ich hoffe, ein Blick in die Sterne verheißt Ihnen drei eine gute Lösung fürs neue Jahr.

  • Das uns gegenüber liegende Hotel Atlantic will auch noch ein wenig an sich herumbauen lassen, hörten wir gerade. Pluto geht 2008 in den Steinbock, da bleibt kein Stein auf dem anderen, von oben keine Hilfe. Aber ein generelles Bauverbot in Hamburg für ein paar Jahre würde mir schon gefallen. Das Spaßbad in der Alster kommt übrigens auch nächstes Frühjahr…

  • Heute erhielt ich die Info – via http://www.hansaplatz.de – daß nächsten Donnerstag (28.11.) die Mauer um den Hansaplatz abgerissen wird. Es wird um rege Bürgerbeteiligung gebeten (ab ca. 13.00 Uhr, Abrissparty mit Glühwein und Buletten). Das ist doch ganz in der Nähe und überdies eine gute Gelegenheit, sich auf den Bagger-Sound so richtig einzugrooven…und vielleicht für die Herzdame der Beginn einer großen Karriere am Vorschlaghammer???

  • Danke, sehr guter Hinweis!

  • Achtung!
    Terminändernung Abrissparty!
    Heute hat das Bezirksamt den Abriss der Mauer am Hansaplatz kurzfristig auf kommenden Dienstag (27.11.), 13 Uhr verschoben – das Catering wird ebenfalls verschoben.