Bei Etosha und der Nachtschwester geht es gerade um musikalische Erinnerungen, um Gefühle und Bilder, die von alten Liedern heraufbeschworen werden. Einmal Milva an Sommerabenden, einmal Demis Roussos auf der Fahrt in den Süden, Alexandra und der tote Baum, da hat natürlich jeder ab einem gewissen Alter ganze Filme abrufbar.

Apropos Film, ich möchte bei diesem Thema noch etwas weiter zurückgehen, in die frühere Kindheit – und es geht auch zunächst gar nicht um ein Lied, sondern gleich um eine ganze Gattung.

Wenn ich an diese Gattung zurückdenke, fällt mir kein bestimmter Ort ein und keine bestimmte Zeit, es mischt sich sehr vieles und ist sehr bunt durcheinander – und wundervoll bebildert. Immer ist es am Anfang lieblich, mit viel Geige und Flöte, besonders beim Sonnenuntergang, wenn sich äußerst niedliche Tierchen im Unterholz zusammenkuscheln. Die Musik hebt dann bald schwungvoller wieder an und dreht sich in eine heller werdende, strahlende Höhe, wenn die Sonne leuchtend aufgeht, wenn Vögel mit lautem Jubel aus dem Blattwerk steigen, wenn eine neue Geschichte beginnt. Viele Geschichten sind es, die da im Rückblick durcheinander gehen, mit sehr vielen Figuren, Orten und Abenteuern. Immer kann man, wie es sich ja schließlich auch gehört, mit den Tieren reden, immer wirkt Zauber und immer geht es gut aus. Immer haben die Bäume in meiner Erinnerung Augen und wenn der Waldweg einsam wird und die Musik tiefer, unheimlicher, greifen sie hinterhältig mit Ästen und Zweigen nach einem – ganz so wie in der Wirklichkeit. Nichts ist je langweilig und die größte Gefahr die es gibt, ist so unvorstellbar schrecklich, daß man nicht hingucken kann, obwohl es doch nur eine gezeichnete alte Hexe bei Gewitter ist. Aber was für eine!

Wenn es an das Finale geht, wird die Musik so mitreißend, schwungvoll und furios, daß es mich mit rudernden Armen förmlich vom rotsamtenen Kinoklappsessel reißt, den meine eiskonfektverschmierten Hände ohnehin nur mit Mühe unten halten können, so leicht bin ich noch. Die Musik kann die Menschen hier im riesigen dunklen Saal anfeuern, sogar die mich begleitenden Erwachsenen, sie kann gute Laune machen, sie ist lustig, fröhlich, quietschvergnügt und immer wieder, wenn es eine heitere Stelle in der Erzählung ist, swingt sie unverkennbar. Das Wort sagt mir natürlich noch gar nichts, aber ich finde es doch ganz wundervoll, was für eine phantastische, belebende und beglückende Musik, noch tagelang, wochenlang kann man sie pfeifen und nachsingen, sie macht weiterhin gute Laune, die Refrains machen süchtig, sie halten. Teilweise bis heute.

Die Soundtracks der Walt-Disney-Filme haben meinen Musikgeschmack sicherlich deutlich in Richtung Swing geprägt. Viele Titel könnte man als Beispiel nennen, aus Schneewittchen etwa oder aus dem Dschungelbuch, mit dem großartigen, unvergeßlichen, viel zu wenig bekannten Louis Prima, der das Stück für den Affenkönig schrieb und auch das Vorbild für die Figur war, aber ich wähle mal zur Belebung der allgemeinen Erinnerung noch ein anders Stück aus, das ich hier mit der kategorischen Feststellung einbaue.

Vor dem Ratpack kam für mich immer noch das Catpack.

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