Meine schwarzen T-Shirts sind meine roten Tulpen

Jens Scholz warf hier ein paar Fragen zu meinen Schlafgewohnheiten ein, wohl wissend, daß diese gerade durch den oft nachtaktiven Nachwuchs kaum noch als Gewohnheiten zu bezeichnen sind. Hier meine Antworten:

Lieblings-Schlafklamotte?
Schwarze T-Shirts, aus guten Gründen. Manche kennen vielleicht noch die Tiergeschichten von Manfred Kyber, einem ziemlich aus der Mode gekommenen, sehr esoteriktauglichen deutschen Schriftsteller aus dem letzten Jahrhundert. Da gibt es eine Geschichte von einer Käferfrau, die abends mit ihrem Käfermann in einer Tulpe schlafen geht und ihren Mann dadurch wahnsinnig macht, daß sie ihn alle fünf Minuten bittet nachzusehen, ob die Tulpe wirklich rot sei, denn in gelben Tulpen könne sie nun mal nicht schlafen. Das macht sie solange, bis es zu einem heftigen Ehestreit kommt, denn der Mann könnte eigentlich überall schlafen, wenn seine Frau ihn nur nicht immer durch Fragen daran hinderte. Die Moral von der Geschicht‘ ist natürlich, daß es gar nicht darauf ankommt, welche Farbe die Tulpe hat, solange man darin ein bequemes Nachtlager findet, es geht also eigentlich um das, was wirklich wichtig ist, im Leben. Was ich aber eigentlich sagen wollte: In weißen oder bunten T-Shirts könnte ich nicht schlafen.

Lieblings-Bettwäsche?
Sateng. Ich mag es, nachts durch die Gegend zu rutschen. Da die Herzdame das aber nicht mag, ist das Vergnügen eher selten und auf Geburtstage und andere Jubelfeiern begrenzt.

Lieblings-Schlafposition?
„I liag am Ruckn und stier mit zugmachte Augn in die Finsternis um mi herum“ (Ludwig Hirsch, keine Gewähr für die lautmalerisch korrekte Wiedergabe – Etosha, übernehmen Sie)

Hast Du ein „Einschlafritual“?
Herzdame küssen, Kind küssen, Wecker stellen, Licht ausmachen. Mit der Herzdame eine halbe Stunde die Anzahl der Zentimeter diskutieren, die das Fenster geöffnet sein darf. Warten, bis die Herzdame endlich eingeschlafen ist. Das Fenster dann heimlich richtig aufmachen. Zufrieden einschlafen.

Hast Du ein Kuscheltier, Knuddelkissen o.ä.?
Ich habe seit Jahren genug damit zu tun, das Stoffnashorn (sic!) der Herzdame zu ignorieren.

Was machst Du, wenn Du nicht schlafen kannst?
Ins Büro gehen, denn dann ist es ja schon Tag.

Wie groß ist Dein Bett?
1,40 mal irgendwas, wie die eben so sind. Wir brauchen ja nicht viel.

Wie viele Kissen hast Du?
Eines. Aber ein sehr, sehr großes.

Linke oder rechte Seite?
Die Herzdame liegt immer rechts von mir. Das hat einen guten und wichtigen Grund, denn ich weiß aus einem sicheren Gefühl heraus, daß die Welt schlagartig untergehen würde, wenn sie jemals auf der falschen Seite liegen sollte. Etwas viel Verantwortung, die ich da übernehme, ich weiß, aber ich tue das mit Freude. Wirklich, gern geschehen. Keine Ursache. Auch morgen wird die Sonne wieder für uns alle aufgehen, denn die Herzdame und ich, wir schlafen auf der richtigen Seite.

Wie läßt Du dich wecken?
Handywecker oder Kind oder Gelenkschmerz. Der Wecker ist dabei die unwahrscheinlichste Variante.

Stehst Du direkt auf oder bleibst Du liegen?
Ich versuche zunächst, den Klammergriff zu lösen, mit dem das Kind meinen Zeigefinger festhält. Damit es dabei nicht aufwacht, darf ich mich nur millimeterweise und in Zeitlupe bewegen, daher dauert das Aufstehen zur Zeit oft etwas länger.

Was machst Du um wach zu werden?
Irgendwann während des ersten Kaffees stellt sich das Gefühl wach zu sein in der Regel ein. Sollte das nicht klappen, trinke ich einen weiteren Kaffee oder auch noch einen. Wenn das auch nicht hilft, liege ich sehr wahrscheinlich noch im Bett und träume nur, daß ich Kaffee trinke.

10 comments

  1. Etosha

    Ich auch! Leider hatte ich gerade den Mund voll, als ich zu der Stelle kam, wo ‚die Sonne morgen wieder für uns alle aufgehen wird, weil die Herzdame und du auf der richtigen Seite‘ und so, nun ist mein Display ein wenig *wegwischdamitichwasseh* ähmja, verschmiert, jetzt. War aber nur Pudding :)

    ‚I lieg am Ruckn‘ muss es heißen, denn ‚I liag‘ würde ‚Ich lüge‘ bedeuten, das tun zwar manche Wesen möglicherweise auch am Rücken, zB zwecks Mimikry, aber nicht hauptberuflich. ‚Um mi herum‘ kommt meiner Erinnerung nach erst nach ‚es is so eng und so feicht‘, dürft aber bei Sprechtext wurscht sein, wenn man schnell ist.

  2. Merlix

    @Etosha: Völlig richtig, um mi herum kommt erst nach eng und feicht, jetzt höre ich es in der Erinnerung wieder richtig. Schon eine ganze Weile her, aber so ungefähr kann ich die Texte noch – vielen Dank!

  3. Etosha

    Schön weitermachen! Menschen, die den Hirsch kennen, sind sogar hierzulande recht rar.

    Jojo, good old Hirsch… das dunkelgrauste Lied war für mich immer das vom Wolf. Ich war ja schon als Kind sehr leicht aus der Fassung zu bringen, bei dem Lied spritzen mir aber auch heute noch die Tränen waagrecht raus… sagte ich das nicht schonmal im gleichen Kontext?

  4. Merlix

    Der große schwarze Vogel ist in dieser Hinsicht auch recht brauchbar. Besonders, wenn man, wie ich damals, gerade pubertiert und randvoll mit zuckrigem Weltschmerz ist. Schlimme Zeit, aber gute Musik. Der Hirsch tritt bei Euch ja sogar noch auf, habe die Plakate gesehen, als wir in Österreich waren.

  5. Etosha

    Da kann man mal sehen, dass depressive Verstimmungen auch ihre konstruktiven Seiten haben können.
    ‚Zuckrig‘ ist der Weltschmerz aber auch nur, wenn man ihn im Nachhinein betrachtet, oder?

  6. DVL

    Ihre Finger werden des nachts vom Kind umfasst? Das heißt, das Kind schläft bei Ihnen im Bett? Immer?
    Wir als Eltern einer 11 Monate alten Tochter haben mal gelesen und erzählt bekommen, dass es nicht sonderlich „pädagogisch wertvoll“ sei, dass Kleinkind mit im Ehebett schlafen zu lassen.
    Und in Ihrem Fall – bei 1,40m Bettbreite – ist das Vergnügen sicherlich eher eingeschränkt, oder?
    Wäre es nicht ratsam, das Kind in ein eigenes Bettchen zu stecken. Dann fällt auch das Aufstehen leichter. Und das Schlafen auch. Glauben Sie mir.

    Vielleicht hab ich das aber auch nur falsch interpretiert und das Kind wühlt nur in den Morgenstunden, wenn es aufgewacht ist, bei Ihnen in den Kissen.

    Kann auch sein.

    Ein „knallharter“ Vater

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