Juli, 2007 Archives

12
Jul

Haste mal nen Euro?

by Maximilian Buddenbohm in

Die beiden Obdachlosen auf der Reeperbahn, die meinten, es wäre ein gute Idee, die Herzdame mit dieser Frage anzubetteln, konnten natürlich nicht wissen, daß wir bei unserem Spaziergang über den Kiez gerade mitten in einem intensiven Gespräch waren, in dem es um die Planung unserer privaten Finanzen ging. Sie haben sehr verblüfft geguckt, als die Herzdame vor ihnen stehen blieb, die Arme in die Hüften stemmte, schwungvoll und demonstrativ ihren kugeligen Achtmonatsbauch herausstreckte und in äußerst giftigem Tonfalls zurückfragte:

“Sehe ich vielleicht so aus, als hätte ich in den nächsten zwanzig Jahren noch mal irgendwann einen Euro über? Wie?!”

11
Jul

Veranstaltungshinweis: Seestücke

by Maximilian Buddenbohm in

Bei all dem Regen, der in diesen Tagen vom Himmel fällt, kann man als Hamburger oder Norddeutscher auch mal wieder in ein Museum gehen und sich ansehen, wie Wasser eigentlich aussieht, wenn es dort herumliegt, wo es wirklich hingehört, nämlich vor einer Küste. Die Ausstellung „Seestücke – von Max Beckmann bis Gerhard Richter“: Noch bis 16.09. in der Hamburger Kunsthalle – sehr sehenswert, sehr unterhaltsam, sehr überdacht.

Und man beachte unbedingt den Ringelnatz! Dort hängt ein Bild, auf dem er die Außenansicht der Kneipe zum Südwester gemalt hat, sehr interessant für Ringelnatzkenner (und wer wäre das nicht). Meine spontane Ringelnatzrezitation vor dem Bild fand jedenfalls reges Interesse der anderen Gäste. Vielleicht wollten sie aber auch nur, daß ich Ruhe gebe, wer weiß. Hier zum Mitmurmeln die zum Bild gehörige Hafenkneipe:

In der Kneipe „Zum Südwester“
Sitzt der Bruder mit der Schwester
Hand in Hand.

Zwar der Bruder ist kein Bruder
Doch die Schwester ist ein Luder
Und das braune Mädchen stammt aus Feuerland.

In der Kneipe „Zum Südwester“
Ballt sich manchmal eine Hand,
Knallt ein Möbel an die Wand.

Doch in jener selben Schenke
Schäumt um einfache Getränke
Schwer erkämpftes Seemannsglück.
Die Matrosen kommen, gehen.
Alles lebt vom Wiedersehen.
Ein gegangener Gast sehnt sich zurück.

Durch die Fensterscheibe aber träumt ein Schatten
Derer, die dort einmal
Oder keinmal
Abenteuerliche Freude hatten.

10
Jul

Experimente mit Eis: Ruam-Mit

by Maximilian Buddenbohm in

Was genau Ruam-Mit eigentlich heißt, hat sich mir auch nach der Befragung von Google nicht recht erschlossen, es scheint sich verdächtigerweise auf eine Zubereitungsart für Gemüse oder Fleisch zu beziehen. Das Eis jedenfalls schmeckt zunächst einmal überzeugend nach gar nichts oder einfach nur kalt; man könnte für den gleichen Genußfaktor auch einfach zuhause den Kühlschrank ablecken. Es handelt sich hierbei um eine Hypothese, ich habe, soviel Ehrlichkeit muß sein, nicht explizit getestet, wie unser Kühlschrank schmeckt, wenn ich ihn ablecke.

Nach einer Weile des langweiligen Herumleckens an der geschmacklosen Substanz stößt man aber, wie soll man das nur nennen, auf Dinge im Eis, die etwas seltsam anmuten und dort nach europäischen Maßstäben auch nicht unbedingt hingehören. Es handelt sich um wurmähnliche, ineinander verschlungene Gebilde in Vehementgrün, die von der Konsistenz her sehr gut abgehangenem, zerdrückten und porös gewordenen Weingummi ähneln, das man zulange in einer Manteltasche vergessen hat. Da auch diese etwas außerirdisch anmutende Zutat geschmacklich eher nichts bietet, hilft nur ein Blick auf den Karton weiter: Es handelt sich um „süße Dessertnudeln“, was vermuten läßt, das man sie auch ohne Eis essen könnte. Wenn man wollte.

Hat man sie einmal freigeleckt, sieht das Eis, aus dem dann grünes Gewürm hängt, in etwa so aus, wie man sich vielleicht ein angenagtes Alien vorstellt. Die Kinder auf dem Spielplatz vor unserer Haustür bekamen große Augen und wollten gar nichts abhaben.

Dieses Eis kann man aber doch unbedingt allen Menschen empfehlen, die schon immer mal das interessante Gefühl kennenlernen wollten, auf plastinierte Regenwürmer zu beißen.

In der nächsten Folge: Das sehr, sehr rote Eis.

9
Jul

Sensationelles Beweisfoto

by Maximilian Buddenbohm in

Blauer Himmel über Hamburg ist möglich. Minutenlang!

8
Jul

Experimente mit Eis: Durian

by Maximilian Buddenbohm in

Der Kenner des globalen Obstmarktes weiß es natürlich: Durian nennt man auch Stinkfrucht. Eine wenig vertrauenerweckende Bezeichnung, wenn es darum geht, aus der Frucht Eis zu machen. Die Originalfrucht riecht angeblich stark nach faulen Eiern, Kot oder Benzin und die Tatsache, daß es sich dabei um das Lieblingsdessert der Orang-Utans handelt, verbessert das Image nur unwesentlich. Geschmacklich soll es sich laut Lexikonweisheit bei der Durianfrucht allerdings um etwas handeln, was an Vanille oder Karamel erinnert.

Die Erfahrungen, die wir mit diesem Eis gemacht haben, sprechen gegen diese mutmaßliche Ähnlichkeit mit wohlschmeckenden Produkten. Vielmehr schmeckt das Durianeis sehr deutlich, vollkommen unverkennbar und intensiv nach einem bei uns sehr bekannten Gemüse. Einem Gemüse, das man allerdings eher nicht als Eis am Stiel zu sich nehmen möchte, nämlich nach Zwiebel. Es riecht auch so, zwiebelig, abgestanden, muffig. Der Teint der schönen Nachbarin, die als mutiger Mensch zu Testzwecken herzhaft in das Eis gebissen hatte, verfärbte sich für einen Moment faszinierend grünlich, was gut zu ihrer Jacke paßte, aber nicht für Genuß stand. Die Herzdame verweigerte schon beim Anblick der Packung nähere Kontaktaufnahme und den Kindern auf dem Spielplatz enthielten wir das Eis nach diesem ersten Eindruck doch lieber vor, um dort nicht als Unmenschen bekannt zu werden, die Reste entsorgten wir heimlich und ohne weitere Proben.

Durianeis kann man nur für Situationen empfehlen, in denen man zum Beispiel unliebsame Gäste loswerden möchte. Ansonsten muß man wohl, um so etwas zu mögen, Thailänder oder Orang-Utan sein, womit ich natürlich weder die einen noch die anderen beleidigen möchte.

In der nächsten Folge: Ruam-Mit – auch sehr seltsam.

7
Jul

Experimente mit Eis

by Maximilian Buddenbohm in

Nachdem das Wasserbrotwurzeleis (siehe in den Kommentaren zu diesem Beitrag) wegen der geradezu dramatischen Süße eher nicht empfohlen werden kann, sieht das bei der Sorte „Pandanuseis mit Kokosgelee“ schon ganz anders aus, auch wenn Pandanus zu deutsch wenig erfreulich Schraubenbaum heißt. Das Eis in mildem Grün schmeckt dezent, zurückhaltend süß, vielleicht ein ganz klein wenig nach Apfel, in der Hauptsache eher vanilleartig. Das Kokosgelee im Eis fühlt sich, wie die Testrunde auf dem Spielplatz vor unserer Haustür befand, krümelig, bröckelig, stückelig, milchreisartig oder einfach nur seltsam an. Von der Konsistenz der Geleestücke her könnte man auch sagen, es fühlt sich an, als ob kleine Krabben im Eis wären, aber das hat mit dem Geschmack wirklich gar nichts zu tun.

Pandanuseis mit Kokosgelee – Prädikat empfehlenswert.

In der nächsten Folge: Durianeis (sehr, sehr anders).

7
Jul

Und nun zum Wetter

by Maximilian Buddenbohm in

4
Jul

Kleine, liegende Achten

by Maximilian Buddenbohm in

Seit gestern Abend kann ich nun auch mitreden, wenn es um Geburtsvorbereitungskurse geht – jene ominösen Veranstaltungen, bei denen man auf Gymnastikmatten seltsame Dinge tut und noch viel seltsameren Tee angeboten bekommt. Tee, der bei Frauen eventuell Wehen auslöst und bei Männern vollkommen unklare Folgen hat.

Wie der Gentleman von Welt weiß, gibt es keine Situation, in der man sich nicht blamieren kann, also habe ich mir auch gestern abend redlich Mühe gegeben. Zu den drolligen Übungen, die man bei diesem Kurs zu absolvieren hat, gehört es, sich mit der Partnerin so aufzustellen, daß sich die die Hüftknochen berühren um dann gemeinsam mit den Unterleibern kleine, liegende Achten zu kreiseln. Das fällt, wie man sich denken kann, dem deutschen Durchschnittsmann schwer, der ja eher hüftlahm durch das Leben geht. Mir jedoch fiel das verblüffend leicht, jahrelanges Tanzen zahlt sich eben doch irgendwann aus. Die Kursleiterin, die eine Weile kritisch guckend neben mir stand, lobte mich aber keineswegs für besonders gelungenes Hüftschwingen und beglückwünschte auch nicht die Herzdame zu einem so formidablen und engagierten Partner, nein, sie sagte nur: “Kleine Achten sollst du machen, kleine Achten! Keine großen Angeberkreise!”

Immer wieder erstaunlich, wie schnell man sich charakterlich enttarnen kann.

3
Jul

Die Herzdame allein zu Haus

by Maximilian Buddenbohm in

Die Herzdame arbeitet nun nicht mehr, da der Resturlaub natürlich vor dem Mutterschutz genommen wird. Das ist für eine Nordostwestfälin aber gar nicht leicht, einfach so zuhause zu bleiben, während andere Menschen arbeiten gehen. Ich zum Beispiel. Morgens sieht sie mir mit großen Augen zu, wie ich in meine Bürokleidung steige und wenn ich die Wohnung verlasse, fragt sie leise: “Und was mache ich?” Nach den ersten zehn Minuten meines Arbeitstages klingelt das Telefon und eine sehr vertraute, nörgelige Stimme sagt: “Mir ist langweilig”.

Mein freundlicher Hinweis, daß es sich bei dem großen Gerät in der Küche, dem Ding mit den komischen schwarzen Kreisen obendrauf und den Drehknöpfen vorne dran, um einen Herd handeln würde, schien nicht die richtige Antwort zu sein. Vielleicht war die Leitung aber auch aus technischen Gründen plötzlich unterbrochen, wer weiß.

2
Jul

Wartezeit, Lesezeit

by Maximilian Buddenbohm in

Sehr angenehm, wenn man beim Warten auf den Bus mal eben eine Fassade durchlesen kann. Die Grindelhochhäuser in Hamburg, die durchaus nicht irgendwelche Hochhäuser sind, sondern ein besonderes Stück Hamburger Stadtgeschichte, sind gerade fünfzig Jahre alt geworden und zur Feier dieses Jubiläums wurde an einer der Fassaden ein Riesenplakat mit Zitaten aus Briefen der ersten Bewohner in der Nachkriegszeit aufgehängt, eine sehr schöne Idee.

Wenn man das Bild anklickt und dann auf “großes Bild” oder “large”, sollte der Text lesbar sein.

1
Jul

Wildwechsel

by Maximilian Buddenbohm in

“Maud Philby hielt den Abstand des Ebennochberührens, der das Fluidum allen Tanzens ist. Man schritt in einer sanften Parallele, die nie zerbrochen wurde durch ein Gegeneinander, man fühlte die langen Schenkel wie Rehe kommen und fliehen unter der dünnen Seide und das verwirrende Spiel der Knie.”

Erich Maria Remarque: Station am Horizont, Köln.: Kiepenheuer & Witsch, 2002. Der sicher wenig bekannte Roman über einen äußerst mondänen Rennfahrer erschien 1927 und 1928 in Fortsetzungen in der Zeitschrift “Sport im Bild” und wurde bis 1998 nie als Buch veröffentlicht.

Das Buch ist in einem Ausmaß unmodern, das viele noch wesentlich ältere Autoren bis heute nicht erreicht haben. Nahezu unlesbar, aber dadurch auch fast schon wieder interessant, man kommt aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Gut jedenfalls, daß die Herzdame und ich uns schwangerschaftsbedingt beim Tanzen vorerst abgemeldet haben, ich müßte sonst bei den Trainingsstunden vermutlich unentwegt an die fliehenden Rehe unter der Seide denken. Ist Tango, Bambi.