Juni, 2007 Archives

28
Jun

Veranstaltungshinweis

by Maximilian Buddenbohm in

“More! More! More!” – Modernes Tanztheater in Containern, Choreografie Ives Thuwis. In der Spitalerstrasse in Hamburg, noch bis 01.07. jeweils um 20 Uhr 30 – kostenlos und sehenswert, wie soeben getestet.

28
Jun

Es war einmal

by Maximilian Buddenbohm in

Auf der Suche nach Stoff für die Travemünde-Erzählungen denke ich natürlich oft über meine Kindheit oder Jugend in diesem Ort nach, manchmal aber auch über die Jahre vor Travemünde, die ich in Lübeck verbracht habe. Dabei fiel mir gerade ein, daß es damals in einem Kaufhaus noch einen Fahrstuhlführer gab –mit beeindruckender Uniform sogar. „Dritter Stock, Damenwäsche und Kurzwaren“.

Seit mir dies einfiel, fühle ich mich schlagartig stark gealtert.

26
Jun

Alltagskultur

by Maximilian Buddenbohm in

Die Herzdame hat mein Notebook, welches sich in letzter Zeit zunehmend seltsam und ungebührlich benahm, zu einem ihrer Kollegen mitgenommen, der dafür bekannt ist, an Hardware wundertätige Handlungen vornehmen zu können. Seine erste Frage, nachdem er das Gerät eingehend betrachtet hatte, war: “Ißt Dein Mann sehr oft an, über oder auch auf diesem Notebook?”

Es ist dann doch vielleicht an der Zeit, die Tischsitten in diesem Haushalt zu überdenken.

25
Jun

Merlix macht Licht

by Maximilian Buddenbohm in

Die Herzdame und ich haben eine gewisse Vorliebe für eine sorgsame Ausstattung der Wohnung mit Lampen, Lämpchen und Lichterketten. Nach einem Umzug dauert es natürlich eine Weile, bis das ganze Zeug wieder richtig drapiert ist, jeder Platz will lange überlegt sein und erst gestern habe ich endlich beschlossen, die letzte Lichtdekoration mal eben anzubringen. Es handelt sich um eine Lichterkette fortgeschrittener Kitschigkeit, die unser eheliches Bett ziert – wenn sie denn funktioniert.

Das wollte sie allerdings durchaus nicht, trotz vollkommen korrekter Verkabelung und intakten Birnen, es leuchtete nichts. Die Herzdame sah mich kummervoll an, während ich daran bastelte und ging zu ihrem Yogakurs, beim Abschied murmelte sie noch etwas von Lieblingslichterkette und ausgerechnet und schade.

Ich besah mir die Sache genauer und noch genauer, drehte winzige Birnen hin und her, wechselte einige auf Verdacht aus und rüttelte an Kabeln. Es schien mir, als müsse der Schaden an den Verlängerungskabeln unter dem Bett liegen und ohne Begeisterung machte ich mich nach einer Weile daran, auch deren Stecker genauer zu erkunden. Zu diesem Zwecke zog ich mich aus, denn es war heiß im Schlafzimmer. Außerdem schien es unter dem Bett staubig zu sein und ich hatte ein schwarzes Hemd an, sehr ungeeignet für solche Unternehmungen. Da ich einen Arm wegen eines Gelenkschadens im Moment nur noch teilweise strecken kann, schien es außerdem sinnvoll, mich zur Montage ganz unter das Bett zu begeben, denn von der Seite aus nach den Kabeln zu hangeln, kam mir etwas anstrengend vor. So kroch ich unter das Bett und stöpselte den Kabelsalat aus und ein, drehte Stecker von links nach rechts und zog planlos an Verlängerungen, denn echte Kompetenz habe ich keineswegs in Elektrofragen. Immerhin wies mich aber nach einer gefühlten Ewigkeit ein roter Lichtschein von oben irgendwann auf einen Erfolg hin, was mich für mein Gefühl dazu berechtigte, spontane Freudenbekundungen im Sinne von “Hurra” oder auch “Ich kann alles” oder “Supermerlix fliegt wieder” oder dergleichen von mir zu geben, ich würde auf den genauen Wortlaut nicht mehr wetten wollen, was man eben so sagt, nach großen Erfolgen.

Die Herzdame, die von mir unbemerkt währenddessen in die Wohnung zurückkam, sah Folgendes: Ihr Mann, nackt unter dem Bett, mit Händen und Füßen auf den Boden trommelnd und dabei Triumphgeräusche von sich gebend.

Manchmal ist es gar nicht so einfach, vollkommen plausible Vorgänge überzeugend zu erklären.

23
Jun

Ausgewogene Verhältnisse

by Maximilian Buddenbohm in

Es gibt bestimmte Situationen, bei denen es für die Herzdame deutlicher als sonst zu spüren ist, daß sie schwanger ist. Beispielsweise gestern, als sie auf dem Spielplatz vor unserer Haustür auf der Wippe saß – sie auf der einen Seite, die schöne Nachbarin, ihre Tochter und ich gemeinsam auf der anderen. Eine völlig ausgeglichene Angelegenheit.

23
Jun

Saisonale Besonderheiten

by Maximilian Buddenbohm in

Zum Beispiel in den Sorten Jackfrucht und Wasserbrotwurzel. Immer neugierig bleiben.

21
Jun

Auf der Paloma

by Maximilian Buddenbohm in

In Travemünde war es ganz normal, zum Kaffeetrinken eine Butterfahrt auf der Ostsee zu machen. Die Menschen aus dem Binnenland gingen am Nachmittag vielleicht in einen schattigen Park, in ein Gartencafé oder an einen idyllischen See, in Travemünde fuhr man eben Schiff. Das schien mir als Kind ganz gewöhnlich und gar nicht spektakulär, obwohl ich doch jeden Tag erlebte, wie hingerissen die Touristen waren, die solche Fahrten zum ersten Mal mitmachten. Denn auch wenn so ein kleines Butterschiff nicht gerade sehr imposant aussah, es fuhr doch ziemlich weit hinaus – und wenn man aus Recklinghausen oder Gütersloh kam, dann war es wohl schon die christliche Seefahrt, dieses abgezirkelte Herumschaukeln vor der Küstenlinie. Die Touristen jubelten aufgeregt, wenn der Inhalt ihrer Kaffeetassen etwas Schräglage bekam, weil wir gerade die Bugwellen eines großen Fährschiffes kreuzten. Sie freuten sich, wenn sie an der Reling standen und etwas Gischt nach oben flog, so daß sie ein paar Tropfen abbekamen, sie hielten ihre Hände nach unten, griffen begeistert nach den Wellen, bis die Finger und Ärmel naß wurden und rochen dann an den Spritzern auf der Haut: “Salzig, es riecht wirklich salzig!”. Sie warfen den Möwen, die über dem Schiff kreisten, Brot zu und winkten den Menschen an Land, wenn das Schiff ablegte. Die Touristen sagten auf den Treppen, die zu dem Restaurant unter Deck führten, laut und besserwisserisch “immer eine Hand fürs Schiff”, weil sie das irgendwo gelesen hatten, und dabei klammerten sie sich krampfhaft mit beiden Händen an das abgegriffene Messinggeländer. Touristen waren oft etwas seltsam. Die kleinen Butterschiffe waren etwa anderthalb Stunden unterwegs, gerade genug Zeit, um etwas zu reden, ein oder zwei Stücke Torte zu essen, etwas auf das Meer zu sehen, ein paar Tassen Kaffee zu trinken und eine Stange Zigaretten zu kaufen. Wenn wir Hilde dabei hatten, reichte die Zeit natürlich auch für ein ordentliches Besäufnis.

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21
Jun

Neulich an der Ostsee

by Maximilian Buddenbohm in

Ich dachte, man kann seinem Nachwuchs das heimatliche Meer gar nicht früh genug vorführen.
20
Jun

Reisenotizen (9)

by Maximilian Buddenbohm in

Wir haben einen dänischen Supermarkt besucht. Die Obstabteilung ist verblüffend klein, die Joghurtabteilung dagegen vollkommen überdimensioniert. Damit die Dänen nicht an Skorbut sterben, enthalten alle Joghurtsorten Fruchtstücke, die hier sehr niedlich Frugstykker heißen. Wenn man also etwa eine Melone haben möchte, kann man sich zehn Liter Melonenjoghurt kaufen und dann aus den darin reichlich enthaltenen Frugstykkern eine melonenähnliche, große Kugel zusammensetzen. Fast so gut wie das Original, nur ohne Schale. Aber die ißt man ja eh nicht.

20
Jun

Reisenotizen (8)

by Maximilian Buddenbohm in

Ein Ferienhaus in einer menschenleeren Gegend zu mieten ist eine ganz hervorragende Idee, wenn man mit einem ziemlich großen Bücherstapel anreist und wild entschlossen ist, sehr viel durchzulesen. Dann findet man auch wieder Perlen der Literaturgeschichte, wie das folgende Zitat, das ich hier zur Freude aller abschreibe, die wie auch die schöne Nachbarin oder ich einmal im Buchhandel gearbeitet haben:

“Eines Morgens trat ein junger, knabenhafter Mann bei einem Buchhändler ein und bat, daß man ihm den Prinzipal vorstellen möge. Man tat, was er wünschte. Der Buchhändler, ein alter Mann von sehr ehrwürdigem Aussehen, sah den etwas schüchtern vor ihm Stehenden scharf an und forderte ihn auf, zu sprechen. “Ich will Buchhändler werden”, sagte der jugendliche Anfänger, “ich habe Sehnsucht danach und ich weiß nicht, was mich davon abhalten könnte, mein Vorhaben ins Werk zu setzen. Unter dem Buchhandel stelle ich mir von jeher etwas Entzückendes vor und ich verstehe nicht, warum ich immer noch außerhalb dieses Lieblichen und Schönen schmachten muß. Sehen Sie, mein Herr, ich komme mir, so wie ich jetzt vor Ihnen dastehe, außerordentlich dazu geeignet vor, Bücher aus Ihrem Laden zu verkaufen, so viele, als Sie nur wünschen können zu verkaufen. Ich bin der geborene Verkäufer: galant, hurtig, höflich, schnell, kurzangebunden, raschentschlossen, rechnerisch, aufmerksam, ehrlich und doch nicht so dumm, wie ich vielleicht aussehe. Ich kann den Preis herabsetzen, wenn ich einen armen Teufel von Studenten vor mir habe, und kann Preise hochschrauben, um den reichen Leuten ein Wohlgefallen zu erweisen, von denen ich annehmen muß, daß sie manches Mal nicht wissen, was sie mit dem Geld anfangen sollen. Ich glaube, so jung ich noch bin, einige Menschenkenntnis zu besitzen, außerdem liebe ich die Menschen, so verschiedenartig sie auch sein mögen; ich werde also meine Kenntnis der Menschen nie in den Dienst der Übervorteilung stellen, aber auch ebensowenig daran denken, durch allzu übertriebene Rücksichtnahme auf gewisse arme Teufel ihr Geschäft zu schädigen. Mit einem Wort: meine Liebe zu den Menschen wird angenehm balancieren auf der Waage des Verkaufens mit der Geschäftsvernunft, die ebenso gewichtig ist und mir ebenso notwendig erscheint für das Leben wie eine Seele voll Liebe: Ich werde schönes Maß halten, dessen seien sie zum voraus versichert.”

(Robert Walser: Die Geschwister Tanner. Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1997. Der Roman erschien erstmals 1907)

20
Jun

Bel Ami

by Maximilian Buddenbohm in

Wenn die Frauenärztin “bel” in den Mutterpaß schreibt, meint sie gar nicht, daß das Baby auf dem Ultraschall besonders schön ist, sondern “Beckenendlage”. Wieder was gelernt.

20
Jun

Reisenotizen (7)

by Maximilian Buddenbohm in

Die Rillen auf dem Meeresboden kommen übrigens gar nicht von Strömungen, Wellen und Wind oder dergleichen, sondern von den Bäuchen hochschwangerer Frauen, die sich gen Land treiben lassen, bis sie auf Grund laufen. Wir konnten das in Versuchen nachweisen.

19
Jun

Reisenotizen (6)

by Maximilian Buddenbohm in

Zwei Beobachtungen in Flensburg: Erstens hat die Innenstadt eine ganz verblüffende Ähnlichkeit mit der Innenstadt von Minden, zumindest in der Fußgängerzone. Zweitens haben die Jugendlichen hier wirklich ungewöhnliche Mengen Alkohol dabei und zwar, soweit wir sehen konnten, alle. Böswillig genug betrachtet könnte zwischen den beiden Beobachtungen ein Zusammenhang bestehen.

19
Jun

Reisenotizen (5)

by Maximilian Buddenbohm in

Rätsel Mitmensch: Die beiden Touristen, die das Ferienhaus neben dem unseren gemietet haben, haben die weite Fahrt aus dem Ruhrgebiet auf sich genommen, um in einem dänischen Ferienhaus, das direkt am Meer liegt, eine Woche besten Wetters komplett und durchgehend vor dem Fernseher zu verbringen. Bei geschlossenen Türen und Fenstern.

18
Jun

Neulich in D?nemark

by Maximilian Buddenbohm in