Die Stillwurst

Mai 6th, 2007 von Maximilian Buddenbohm

Wenn man ein Baby erwartet, ist es erfreulicherweise so, daß man von befreundeten oder verwandten Paaren, die bereits Kinder haben, zahlreiche abgelegte Ausrüstungsgegenstände umsonst oder sehr günstig bekommen kann. Hat man erst einmal Bedarf bekundet, fragt man sich nach einer Weile, ob man überhaupt jemals etwas Neues brauchen wird, außer dem Kind selbst natürlich. Ökonomisch denkende Menschen werden übrigens jetzt schwanger, um im nächsten Jahr von den Konsumresten des Babybooms in diesem Jahr zu profitieren.

Zu den Dingen, die wir auf diese Art jetzt schon erhalten haben, gehört ein Stillkissen, ein Gegenstand, von dem ich bis vor kurzer Zeit noch gar nicht gewußt hätte, daß es so etwas überhaupt gibt. Es handelt sich um ein sehr langes, biegsames, röhrenförmiges Kissen, welches man zu einem Nest zusammendrehen kann. Der genaue Verwendungszweck erschließt sich wahrscheinlich schlagartig, wenn man einmal Kind und Kissen nebeneinander legt und ein wenig nachdenkt, nehme ich jedenfalls an. Wenn unsere steinzeitlichen Vorfahren so etwas auch gebraucht haben, mußten sie eine gewaltige Menge Moos zusammendrehen, um ein solches Kissen herzustellen. Wer weiß, vielleicht waren die Männer dieser Zeit in Wahrheit gar nicht Mammutjäger, sondern schlicht emsige Moospflücker, die später ihr Tagewerk erzählerisch etwas ausgeschmückt haben.

Dieses Kissen wird bei uns, seiner Form gemäß, Stillwurst genannt. Die Herzdame hat festgestellt, daß es unabhängig von seinem uns noch etwas rätselhaften erscheinenden eigentlichen Verwendungszweck ein ganz phantastisches Kopfkissen für den eigenen Gebrauch ist. Sie nimmt es also nachts mit ins Bett und bettet sich selbst in das zusammengerollte Plüschnest, was den kleinen Nachteil hat, das für mich kaum noch Platz neben ihr ist. Es fühlt sich in etwa so an, als würde ich neben einem aufgeblasenen Schlauchboot schlafen. Ich habe die Herzdame natürlich aufgefordert, sich zwischen der Stillwurst und mir zu entscheiden, denn schwanger hin oder her, man muß sich als Partner auch nicht alles gefallen lassen. Ihre Antwort lautete nach eher kurzer Überlegung. “Das Kissen ist viel knautschbarer als du. Es hat keine störenden Knochen und es widerspricht nicht. Außerdem hat es keine hysterischen Wahnvorstellungen vom Erstickungstod, wenn ich mich darauf lege. Du kannst gerne gehen.”

Mein Verteidigungshinweis, daß ich wenigstens nicht mit einem albernen, kindgemäßen Muster bedruckt sei, hat leider nicht weiter interessiert.

8 Kommentare

  • Beginnst du schon zu ahnen, Mohr?

  • Wir haben auch eine, nur ist unsere in einen Schafspelz gehüllt! ;-)
    Und sie ist unheimlich praktisch, die Wurst, erst Recht, wenns Baby dann da ist, denn der Arm kann auch bei einem kleinen Würmchen ganz schön schwer werden.
    Jetzt, da unsere Kleine bereits 10 Monate alt ist, überlege ich tatsächlich, die Wurst als Seitenschläferkissen zu nutzen. Mal schauen, was der Vater dazu sagt… ;-)

  • HiHi, tja wer fragt ist selber Schuld. ;D

  • Liesse sich die Wurst nicht auch als Zugluftstopper bei undichten Türen oder Fenstern einsetzen?

  • Sicher. Man könnte auch kleinere Sturmfluten damit aufhalten. Aber ich bin zuversichtlich, die Wurst noch der wahren Verwendung zuführen zu können und meinen Platz im Bett wieder einzunehmen. Spätestens wenn abgestillt wird.

  • Habe ich eigentlich schon angemerkt wie überaus fasziniert ich von dieser Babyuhr in Ihrer rechten Randspalte bin?

  • Wir sind noch auf der Suche nach einer Pubertätsuhr, für die Zeit nach der Geburt. Das Zählen liegt mir, Berufskrankheit.

  • Ich bin auch ganz verliebt in diesen Babyticker.