Mai, 2007 Archives

25
Mai

Kleine Pause

by Maximilian Buddenbohm in

Keep on moving

Die Herzdame und ich haben endlich die Schlüssel zu der neuen Wohnung bekommen. Die etwas überraschende Anzahl von immerhin siebzehn übergebenen Schlüsseln ist vermutlich mein bisheriger Rekord, vom letzten Vermieter bekam ich nur drei. Staunend besahen wir den riesigen Schlüsselbund und rasselten vergnügt mit der Pracht. Um überhaupt in unsere Wohnung zu kommen, müssen wir jetzt tatsächlich viermal nacheinander Türen mit verschiedenen Schlüsseln aufschließen, wozu ein Freund gleich warnend bemerkte, daß man das im betrunkenen Zustand sicher nicht schaffen würde. Er könnte Recht haben, zumal die Schlüssel alle ziemlich gleich aussehen. So sorgt auch ein schlichter Wohnungswechsel schon für ein Leben in Mäßigkeit, wer braucht da noch moralische Belehrungen.

Wir ziehen jetzt also mal eben um, und dieses “mal eben” meint, daß wir Stück für Stück von jetzt bis Anfang Juni den Haushalt verlagern.

Nach der wie immer überaus fragwürdigen Theorie der Telekommunikationstechniker sind wir am 4. Juni von der neuen Bleibe aus online – bis dahin werden die Abende wohl leider eher aus Räumerei, Herumtragen und Montagearbeiten als aus Blogeinträgen bestehen.

Im Juni gibt es dann den Abschlußbericht der Mission “Die Herzdame bekommt ein neues Nest” – und auf vielfachen Wunsch wird es auch eine neue Geschichte aus Travemünde geben.

21
Mai

Deutsch für moderne Menschen

by Maximilian Buddenbohm in

Hausmeister

Eine der interessanteren Google-Anfragen der letzten Tage, über die diese Seiten hier gefunden wurden, lautete wörtlich: “Sind Hausmeister auch Menschen?”

Je nach Mietwohnungserfahrung im Laufe des Lebens kann man sich die Geschichten ausmalen, die zu solchen Fragen führen. Wahrscheinlich und hoffentlich hat der oder die Suchende sogar eine Antwort gefunden, nämlich in dieser Geschichte von mir: Selbstverständlich sind Hausmeister auch Menschen. Aber, und es ist ein großes ABER, das hier einzuwerfen ist: Es gibt gar keine Hausmeister mehr. Sie heißen heute, wie man spätestens merkt, wenn man umzieht und spaßigen Briefwechsel mit Verwaltungsgesellschaften hat, nicht mehr Hausmeister, nein, sie heißen jetzt korrekt “Objekttechniker”. Das Wort Hausmeister darf auf keinen Fall mehr benutzt werden, es wirkt anscheinend herabsetzend, entwürdigend und geradezu beleidigend.

Der Hausmeister als solcher ist sozusagen der begriffliche Negerkuß der Immobilienbranche. Ein Pfui-Wort. Nur daß er leider nicht so lustig modern heißen darf wie die Süßigkeit, etwa Schokoschmatz oder Dickmann, was analog vielleicht etwas wie Graukittelchen oder Schraubmann wäre, sondern nur sachlich nüchtern: Objekttechniker.

Vorauseilend könnte man jetzt zum Beispiel auch Bademeister in Naßtechniker und japanische Zenmeister in Erleuchtungstechniker umbenennen, wenn man schon dabei ist. Und “Die Meistersinger” könnte man sicher auch unter “Die Gesangstechniker” aufführen.

Man muß mit der Zeit gehen, auch sprachlich.

21
Mai

Merlix dient der Forschung

by Maximilian Buddenbohm in

Ich reiche hier mal eine Bitte weiter, die sich an die Leserinnen und Leser der Herzdamengeschichten wendet, die kein eigenes Blog haben. Studentinnen der Universität Duisburg bitten freundlichst, hier zu klicken und ein paar Fragen zu beantworten, auf daß ein Forschungsprojekt munter vorangeht.

Die Studentinnen haben mir zugesagt, mir lebenslang zu huldigen, wenn ich diesen Link poste – aber ich hätte es natürlich auch sonst getan.

Glaube ich.

20
Mai

Und gleich noch eine Lesung

by Maximilian Buddenbohm in

Aber diesmal lese ich nicht selbst, diesmal liest Blue Sky einen Text von mir vor und macht faszinierenderweise noch Musik dazu. Die Geschichte “Der König ist tot“, die ich auch gerade in Wilhelmsburg gelesen habe, findet man jetzt frisch und sehr hörenswert vertont auf Blogread.

Danke für die Aufnahme!

19
Mai

Kurzer Nachtrag zu der Lesung

by Maximilian Buddenbohm in

Hatten wir im Vorwege eigentlich erwähnt, wie es Mek und mir erging, als wir den kleinen Club “Südbalkon” zum ersten Mal besichtigt haben? Da waren wir beide vorher noch nicht in Wilhelmsburg gewesen und kannten nur die üblichen Vorurteile gegenüber der Gegend. Wir fuhren eines Abends vor zwei Wochen gespannt mit der S-Bahn in Richtung Süden, um einmal selbst zu sehen, wie es dort zugeht, in diesem angeblich so wilden Stadtteil. Vor der Station allerdings hielt der Zug unerwartet – und hielt und hielt. Nichts rührte sich. Schließlich eine Durchsage, die ich wörtlich erinnere: “Die Weiterfahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit wegen einer Massenschlägerei im Bahnhof Wilhelmsburg”.

Mek und ich haben spontan beschlossen, uns zur Not hinter der schwangeren Herzdame zu verstecken, denn wer würde schon eine Schwangere schlagen – und natürlich erst recht dort zu lesen, in dieser äußerst spannenden Region Hamburgs, der allgemein so eine großartige Zukunft vorausgesagt wird.

Abgesehen von kleineren Vorkommnissen ist es dort aber tatsächlich viel charmanter, als man denkt und der Abend hat wirklich sehr viel Spaß gemacht. Danke an den Südbalkon für die Einladung und an die Gäste, die den Weg über die Elbe auf sich genommen haben und ein so sehr freundliches Publikum waren!

Schilderungen des Abends findet man hier, hier und hier, Bilder von der Lesung hier.

16
Mai

Zur Erinnerung

by Maximilian Buddenbohm in

Mek Wito & Merlix

Es sei noch einmal an diese Veranstaltung erinnert: Mek Wito und ich lesen diese Woche, 18.05.07, am Freitagabend, im Südbalkon in Wilhelmsburg.

Die Adresse und der Weg dorthin: Veringstraße 156, von der S-Bahn Wilhelmsburg mit dem 13er Bus in Richtung Veddel, Haltestelle Veringstraße Mitte, der Bus hält fast vor der Tür des Südbalkons. Einlaß ab 21 Uhr, beginn 21 Uhr 30. Eintritt frei!

14
Mai

Fragen zur Sesamstraße

by Maximilian Buddenbohm in

Sebas aus dem Blog-Bistro hat mit ein paar Fragen zu meiner Sesamstraßenzeit weitergereicht. Für die jüngeren Leser muß ich dabei vorweg erklären, daß ich noch mit der alten, der echten, der amerikanischen Sesamstraße groß geworden bin, bevor es diese unsägliche deutsche Version gab, die bis heute läuft. Die Sesamstraße war jahrelang die wirklich einzige Fernsehsendung, die wir Kinder überhaupt sehen durften, sonst gab es rein gar nichts. Später wurde sie dann ergänzt durch die deutsche Sendung “Rappelkiste”, die aber von Eltern zunächst eher kritisch gesehen wurde, da kamen nämlich Hochhaussiedlungsbewohner, Gastarbeiterkinder und andere echte Menschen drin vor, es war eine Sendung mit ausdrücklich sozialpolitischer Mission. Sehr verdächtig.

Hier die Fragen:

Welchen Charakter aus der Sesamstraße fandest du am coolsten?
Natürlich Supergrobi. Die Herzdame sagt, das erkläre so einiges. Ich weiß nicht, was sie meint.

Wen konntest du nicht leiden?
Ich fand diese Knetfiguren in den Zwischenfilmen immer sehr langweilig.

Kannst du ein Lied aus der Sesamstraße auswendig? Welches?
Ich kann das Anfangs- und das Schlußlied, ich kann die Hymne von Oskar “Ich mag Müll – alles was dreckig ist, fettig und speckig”, ich kann die umwerfende Sesamstraßenversion von “Manamana”. Und ich kann natürlich das legendäre Liebeslied von Ernie: “Quietscheentchen du bist mein, und ich lieb nur dich allein”. Die Herzdame sagt, jetzt hätte sie auch endlich erkannt, was ich beim Sex immer summen würde. Nun ja.

Was hat dir die Sesamstraße beigebracht?
Meinen Lieblingssatz in schlimmen, depressiven Momenten. Er kommt von Bibo und lautet: “Wer bin ich schon – ich bin doch nur ein großes, gelbes Etwas mit Federn”. Die Herzdame sagt, ich würde das beim Einschlafen gelegentlich vor mich her murmeln.

Wann hast du zum letzten Mal Sesamstraße gesehen?
Ich habe nach dem Ende der synchronisierten Originalreihe zwei, drei Folgen der neuen, deutschen Produktion gesehen, mit Tiffy und Samson etc., danach nie wieder, das war zu schlimm. Das ist aber sicher schon sehr lange her.

10
Mai

Merlix übt schon mal Kinderbetreuung

by Maximilian Buddenbohm in

Heute am Beispiel der dreijährigen Nachbarinnentochter gelernt:

Kindliche Phantasie ist unbedingt ernst zu nehmen. Wenn die Kleine gerade hinter einer imaginären Tür steht, sollte man das respektieren. Durchschreitet man die unsichtbare Barriere einfach, wird das Kind sehr, sehr sauer.

Kinder gehen heutzutage davon aus, daß ihnen von allen Kaffeespezialitäten, die sich die Erwachsenen aus den Cafés rings um den Spielplatz besorgen, der Milchschaum zusteht, insbesondere die Stellen mit dem Schokopulver. Verweigert man den Milchschaum, wird das Kind sehr, sehr sauer.

Wenn man das Kind auf einem Dreirad nach Hause schiebt, kann es vorkommen, daß eines der Räder quietscht. Wenn man dies mit einem heiteren “quiiietsch” in hoher Stimmlage kommentiert, muß man dieses Wort eventuell fünfhundertmal wiederholen, um das Kind weiter bei Laune zu halten.

Wenn man ein kleines Kind dabei hat, wird man nicht von den Huren hinter dem Bahnhof angesprochen. Dafür gucken sie sehr, sehr freundlich.

Die Menge an Spielplatzsand, die am Abend aus den Schuhen einer Dreijährigen rieselt, reicht locker aus, um ein durchschnittliches Wohnzimmer in einen Beachclub zu verwandeln.

Kinder sind sehr intuitiv. Wenn ich mit den Händen eine Kugel in die Luft male, fragt das Kind, ob die Herzdame auch bald kommt.

10
Mai

Weitere Umzugsvorbereitungen

by Maximilian Buddenbohm in

Zu den kreislaufbelebenden Erfahrungen bei einem geplanten Umzug kann es zum Beispiel gehören, daß die gerade noch knapp fristgerecht und per Einschreiben verschickte Kündigung der alten Wohnung nach etlichen Tagen als unzustellbar zurückkommt, weil die Verwaltungsgesellschaft schon vor einiger Zeit den Standort gewechselt hat, was uns aber entgangen ist.

Warum allerdings die Post eine neue Firmenanschrift, die schon im Telefonbuch steht und für die es sogar einen Nachsendeantrag gibt, für “nicht ermittelbar” hält, bleibt dabei etwas rätselhaft.

9
Mai

Rundung und Schiebung

by Maximilian Buddenbohm in

In der Schwangerschaft vergrößert sich der Busen, das ist ganz normal. Neben dem anschwellenden Bauch ist dies ein auffallendes körperliches Merkmal, tatsächlich kann man es kaum übersehen. Männer neigen daher seit einiger Zeit dazu, der Herzdame weniger ins Gesicht zu sehen, der Blick bleibt vielmehr gebannt weiter unten hängen. Einige kommentieren die Veränderung auch, wobei es ein wunderbar vielfältiges Spektrum in der Wortwahl gibt. Es reicht von einem anerkennenden und offenen “Meine Güte, die Dinger werden ja immer noch dicker!” über ein nur mir in einem günstigen Moment heimlich und leise zugemurmeltes “Prachteumel” bis zu einem etwas seltsam voreilig wirkenden, von abwehrend erhobenen Händen begleiteten “ich guck nicht hin, ich guck nicht hin!”

Der Bauch der Herzdame nimmt währenddessen natürlich auch weiter zu. Seit klar ist, daß wir demnächst in eine Wohnung mit Fahrstuhl ziehen, kommen ihr die Treppen, die hinauf zu unserer alten Wohnung führen, geradezu unüberwindlich vor, weswegen sie sich neuerdings abends nach der Arbeit von mir zum fünften Stock hochschieben läßt. Zur Begründung für diese Anforderung an mich fiel ihr sogar praktisches Restwissen aus ihrem vor Jahren abgebrochenen Indologiestudium ein, auf Sanskrit heißt Ehefrau nämlich sehr tiefsinnig “die Tragende, die getragen wird”.

Ich zähle die Tage, bis wir hier ausziehen können.

8
Mai

Erste Umzugsvorbereitungen

by Maximilian Buddenbohm in

Während die Herzdame und ich normalerweise genau entgegen den herkömmlichen Rollenklischees leben, ich also zum Beispiel am Herd stehe, während sie mit dem Auto zur Werkstatt fährt, zeigt sich bei den ersten Schritten des Wohnungswechsels eine andere Verteilung. Ein sogar deutlich traditionelles Muster, könnte man sagen. Denn bei der wichtigen Aktion des Ballastabwerfens und Ausmistens in der alten Wohnung braucht sie die zahllosen Kosmetikproben auf, ich trinke die Hausbar leer. Alles muß raus.

7
Mai

Hohn und Spott

by Maximilian Buddenbohm in

Meine Lieblingsbeleidigung des Monats kommt, wie könnte es anders sein, von einem Orthopäden und lautet: “Sie sind ja mehr so der lasche Typ. Zumindest was die Gelenke betrifft.”

6
Mai

Die Stillwurst

by Maximilian Buddenbohm in

Wenn man ein Baby erwartet, ist es erfreulicherweise so, daß man von befreundeten oder verwandten Paaren, die bereits Kinder haben, zahlreiche abgelegte Ausrüstungsgegenstände umsonst oder sehr günstig bekommen kann. Hat man erst einmal Bedarf bekundet, fragt man sich nach einer Weile, ob man überhaupt jemals etwas Neues brauchen wird, außer dem Kind selbst natürlich. Ökonomisch denkende Menschen werden übrigens jetzt schwanger, um im nächsten Jahr von den Konsumresten des Babybooms in diesem Jahr zu profitieren.

Zu den Dingen, die wir auf diese Art jetzt schon erhalten haben, gehört ein Stillkissen, ein Gegenstand, von dem ich bis vor kurzer Zeit noch gar nicht gewußt hätte, daß es so etwas überhaupt gibt. Es handelt sich um ein sehr langes, biegsames, röhrenförmiges Kissen, welches man zu einem Nest zusammendrehen kann. Der genaue Verwendungszweck erschließt sich wahrscheinlich schlagartig, wenn man einmal Kind und Kissen nebeneinander legt und ein wenig nachdenkt, nehme ich jedenfalls an. Wenn unsere steinzeitlichen Vorfahren so etwas auch gebraucht haben, mußten sie eine gewaltige Menge Moos zusammendrehen, um ein solches Kissen herzustellen. Wer weiß, vielleicht waren die Männer dieser Zeit in Wahrheit gar nicht Mammutjäger, sondern schlicht emsige Moospflücker, die später ihr Tagewerk erzählerisch etwas ausgeschmückt haben.

Dieses Kissen wird bei uns, seiner Form gemäß, Stillwurst genannt. Die Herzdame hat festgestellt, daß es unabhängig von seinem uns noch etwas rätselhaften erscheinenden eigentlichen Verwendungszweck ein ganz phantastisches Kopfkissen für den eigenen Gebrauch ist. Sie nimmt es also nachts mit ins Bett und bettet sich selbst in das zusammengerollte Plüschnest, was den kleinen Nachteil hat, das für mich kaum noch Platz neben ihr ist. Es fühlt sich in etwa so an, als würde ich neben einem aufgeblasenen Schlauchboot schlafen. Ich habe die Herzdame natürlich aufgefordert, sich zwischen der Stillwurst und mir zu entscheiden, denn schwanger hin oder her, man muß sich als Partner auch nicht alles gefallen lassen. Ihre Antwort lautete nach eher kurzer Überlegung. “Das Kissen ist viel knautschbarer als du. Es hat keine störenden Knochen und es widerspricht nicht. Außerdem hat es keine hysterischen Wahnvorstellungen vom Erstickungstod, wenn ich mich darauf lege. Du kannst gerne gehen.”

Mein Verteidigungshinweis, daß ich wenigstens nicht mit einem albernen, kindgemäßen Muster bedruckt sei, hat leider nicht weiter interessiert.

6
Mai

Die Herzdame als Vorbild

by Maximilian Buddenbohm in

Die schöne Nachbarin und ich haben in den letzten Wochen sehr oft gemeinsam auf dem Spielplatz in idealer Lage gesessen, wobei wir ja, wie berichtet, erfolgreich zwei Wohnungen herbeigewünscht haben. Gestern war die Herzdame auch einmal mit, um das Lebensgefühl auf diesem lauschigen Platz zu testen, denn sie wird dort bald etwas mehr Zeit verbringen. Die dreijährige Tochter der Nachbarin nutzte die Gelegenheit, sich die Herzdame einmal etwas genauer anzusehen und befand nach gründlicher Inspektion und einiger Überlegung sehr entschieden: “Wenn ich groß bin, kriege ich auch ein Piercing!”

Es mag einen vielleicht wundern, daß ein dreijähriges Kind schon so ein Wort kennt. Als ich nach dem letzten Kaffee.Satz.Lesen mit Alexander und Mek zur Station Hasselbrook ging, lief uns ein ebenfalls etwa drei- oder vierjähriges Kind über den Weg, das auf eine Frau vor sich zeigte und fröhlich krähend “Da, Arschgeweih!” rief.

Moderne Zeiten, moderne Vokabeln.

4
Mai

Die Metaphysik des Anästhesiegesprächs

by Maximilian Buddenbohm in

Ich habe mich wegen zu befürchtender Dauerschäden an einem Schultergelenk zu einer Operation entschieden, welche ich gerade überstanden habe. Vor so einer Operation muß man ein Anästhesiegespräch führen, also mit dem Narkosearzt besprechen, in welchem Zustand man ist. Da war in meinem Fall eine reizende Ärztin, die meinen Fragebogen durchsah und mir dann noch ein paar Fragen stellte. Das ergab ein etwas seltsames Gespräch.

Ärztin: “Können sie einem Bus hinterherlaufen?”
Ich: “Nein. Ich lehne es grundsätzlich ab, Bussen hinterherzulaufen.”
Ärztin: “OK, können sie Treppen steigen? Macht ihr Kreislauf das mit?”
Ich: “Ich wohne im fünften Stock ohne Fahrstuhl. Also ja, kann ich.”
Ärztin: “Ach. Der Mann eben vor ihnen wohnte auch im fünften Stock ohne Fahrstuhl.”
Ich: “Aha.”
Ärztin: “Und was machen sie beruflich?”
Ich: ” Ich bin Controller.”
Ärztin: “Gibt es ja nicht. War der Mann vor ihnen auch! Jetzt sagen sie nur noch, daß sie gerade Vater werden?”
Ich: “Ja, werde ich. Echt.”
Ärztin: “Und sie wohnen wohl auch in Sankt Georg, was?”
Ich: “Ja.”

Darauf hin sah die Ärztin einen Moment aus dem Fenster und wirkte irritiert.

Ich: “Sah er so auch so aus wie ich? Das würde mich dann doch interessieren.”
Ärztin: “Das überlege ich gerade. Irgendwie schon. Ich weiß nicht recht.”
Ich: “Glauben sie an Paralleluniversen?”
Ärztin: “Das ist irgendwie nicht mein Tag heute.”

Dann sah die Ärztin wieder lange aus dem Fenster. Ich verabschiedete mich. Keine Ahnung, wer der andere ist, aber ich hoffe, er hat die Operation auch gut überstanden.