März, 2007 Archives
Mrz
Gewissensfragen aus den letzten Wochen
by Maximilian Buddenbohm in
Wenn sich eine schwangere Frau eine Woche lang nur von Pommes, Toffifee und Krabbensalat ernährt, kann man das wohl als ausgewogene Ernährung bezeichnen?
Und in allen Zeitungen stand gerade, schwangere Frauen sollten viel Fisch essen. Hat die Herzdame recht mit ihrer unumstößlichen Meinung, es würde vollkommen reichen, wenn ich den Fisch äße und sie nur mal vorsichtig daran riechen würde?
Man muß viel nachdenken, in dieser Zeit.
Mrz
Seltsame Veränderungen
by Maximilian Buddenbohm in
Zu den mehr oder weniger amüsanten Beschwerden, die Frauen insbesondere in den ersten Monaten der Schwangerschaft haben, gehört auch eine wirklich erstaunliche Müdigkeit. Die Herzdame könnte, wenn es denn nur möglich wäre, wahrscheinlich tagelang durchschlafen. Leider ist das aber wegen beruflicher und anderer Pflichten nicht recht möglich, weswegen sie sich fühlt, als hätte sie jetzt schon seit Wochen nicht mehr geschlafen.
Wenn ich mit ihr ein Gespräch führen möchte, muß ich das neuerdings im Stehen tun, denn im Sitzen dämmert sie sofort weg. Wortwechsel im Bett sind vollkommen ausgeschlossen, ihr Verhalten erinnert da deutlich an das von Schlafpuppen: Hinlegen, Augen zu.
Gestern abend hat sie noch versucht, mich in ein paar Abgründe der Bildbearbeitung einzuführen, sie saß dabei neben mir und meinem Notebook und murmelte Anweisungen über meine Schulter. Als es eine Weile überraschend still neben mir war, obwohl ich gerade ein Bild nicht eben plangemäß verunstaltet hatte, sah ich mich nach ihr um: Sie saß tief und fest schlafend, aber in überraschend aufrechter Haltung auf dem Stuhl, den Kopf zur Seite gelegt wie ein müder Wellensittich. Ihre rechte Hand hing noch etwas seltsam auf halber Höhe in der Luft, mit deutlich erhobenem Zeigefinger in meine Richtung zeigend – und die Hand sank dann im Zeitlupentempo ganz, ganz langsam, in minutenfüllender Bewegung sachte hinunter.
Es stimmt schon, was in den Büchern steht: Der Körper der Frau vollbringt ganz erstaunliche Leistungen während der Schwangerschaft.
Mrz
Erdkunde für pragmatische Denker
by Maximilian Buddenbohm in
Die Herzdame und ich planen gerade einen Urlaub im Juni, denn wer weiß, wann wir danach wieder dazu kommen. Wenn man nach den Paaren aus dem Freundeskreis geht, die bereits Kinder bekommen haben, wird es sich wohl um Jahre handeln. Bei diesen Überlegungen kam es gestern abend zu folgendem Dialog, der wiederum beweist, daß die Herzdame irgendwie immer Recht hat:
Herzdame: Wir könnten ja auch mal nach Elba, soll schön sein.
Ich: Ach ja, Italien…
Herzdame: Italien?!
Ich: Ja. Italien.
Herzdame: Wieso denn Italien?
Ich: Na, Elba gehört doch zu Italien.
Herzdame: Ach.
Ich: Ja. Was dachtest du denn, wo es hingehört?
Herzdame: Ins Mittelmeer.
Mrz
Was man so sagt
by Maximilian Buddenbohm in
Ich habe ein ausgezeichnetes Textgedächtnis. Sätze, die sich reimen, bleiben mir mit ganz erstaunlicher Intensität im Gedächtnis, wohlklingende Formulierungen muß ich nur ein paar Mal hören oder lesen, um sie für sehr lange Zeit zu behalten. Daher könnte ich eigentlich in wichtigen Situationen spontan ein paar feierliche Zeilen Goethe absondern, ein Bibelzitat, ein Bonmot von Wilde oder etwas anderes in der Art. Theoretisch. Tatsächlich klappt das aber leider nicht, denn was mir stets zuerst einfällt, sind keine Textkrümel aus dem über Jahre erarbeiteten klassischen Bildungsgut, sondern Sätze aus Fernsehserien, aus der Werbung oder aus Schlagern. Wenn ich, um es an einem Beispiel zu verdeutlichen, sinnend in die Wolken gucke, denke ich nicht spontan “Bedecke Deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst…etc”, nein, ich denke seit meiner Kindheit in solchen Momenten eher: “Der Weltraum – unendliche Weiten…” – und sehe in Gedanken das Raumschiff Enterprise von links nach rechts über die blaue Fläche flitzen.
Kein Wunder, daß ich auch in dem durchaus ergreifenden Moment, als die Herzdame und ich gemeinsam gebannt auf den Schwangerschaftstest mit der eindeutigen Anzeige starrten, kein edles Zitat aus der Literatur parat hatte, sondern nur wieder eine Formulierung aus meiner Fernsehfrühzeit.
Der Satz, den ich tatsächlich sagte, wird übrigens sehr vielen so bekannt sein, daß ich ihn hier nicht einmal aufschreiben muß. Denn allen, die genau wie ich ein paar Fernsehjahre mit dem A-Team verbracht haben, wird es völlig klar sein, was ich meine.




