August, 2006 Archives

30
Aug

Radio Merlix: Die dritte Folge

by Maximilian Buddenbohm in

Ortsmusik Traunkirchen

Auf mehrfachen Wunsch wird es ab sofort so sein, daß der Text zu den Folgen von Radio Merlix jeweils unter den Einträgen zu finden sein wird. So kann, wer keine Soundmöglichkeit hat oder wer nicht hören will, den Beitrag wie gehabt einfach durchlesen.

In der dritten Folge geht es um unsere Erlebnisse mit Musik in und aus Österreich.

Radio Merlix Folge 3

Das Intro “la valse des heures” wie gehabt von Collectif Unifié de la Crecélle.

Schlußstück “So blue without you” von Kevin Mark.

Viel Spaß!

Der Podcast als Text:

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29
Aug

Aus dem Reisetagebuch: Die Nichtnachrichten und der Weltfrieden

by Maximilian Buddenbohm in

Traunkirchen

Wenn man bei bestem Wetter an einem oberösterreichischen See liegt, auf einer dieser besonders saftgrünen Wiesen (so grün, daß man für einen Moment gerne Kuh wäre, nur um hineinbeißen zu dürfen) und auf die dezent gekräuselte Wasseroberfläche guckt, wobei einen die Sonne freundlichst bescheint und ein paar Bienen stimmig umsummen, dann kann man schon mal vergessen, was einem sonst an schlechten Nachrichten präsent ist. Kein Gedanke an die Lage im Nahen Osten, an Massenentlassungen oder Unglücksfälle in Atomkraftwerken, keine Meinungsbildung zum Ärztestreik oder spannenden Fragen des Tarifrechts, es ist Urlaub, man darf auch einmal Nichtdenken.
Ich habe aber nach drei Tagen doch gedacht, daß so etwas für einen mündigen Bürger kein Zustand ist, da geht am Ende die halbe Welt unter und man kriegt es gar nicht mit. Es machte mich doch zusehends nervös, so gar nichts zu wissen. Es ist ja immer so, kaum guckt man mal irgendwo nicht hin, schon passiert etwas, wie gerade wieder bei den Übertragungen der Fußball-WM gründlich bewiesen. Wer weiß, wer gerade mit wem einen Krieg beginnt? Man sollte doch zumindest einmal Schlagzeilen zur Kenntnis nehmen. Ich lag am See und hatte mein neues Handy mit Radiofunktion dabei, ich stöpselte die Kopfhörer ein und suchte einen Sender, was mangels Auswahl gar nicht so einfach war.

Schließlich hörte ich nach ziemlich langer Suche halbwegs rauschfrei einen Moderator, der Nachrichten ankündigte: “Sie hören Radio Oberösterreich”. Gespannt stellte ich lauter und wartete auf die erste Nachricht, die ja normalerweise die entscheidende Information zur Weltlage beinhaltet.
“Es ist fünfzehn Uhr, sie hören die Nachrichten. Am Mondsee ist es gestern zu einem Reitunfall gekommen. Eine junge Reiterin stürzte bei einem Ausritt und verletzte sich leicht…”.

Ich habe das Radio gleich wieder ausgemacht. In Oberösterreich ist die Welt noch in Ordnung – und das kann man ja zumindest im Urlaub einmal billigend zur Kenntnis nehmen.

28
Aug

Radio Merlix: Die zweite Folge

by Maximilian Buddenbohm in

Nachdem es beim ersten Mal anscheinend einwandfrei funktioniert hat, hier gleich die zweite Folge:

Radio Merlix 2

Intro “La valse des heures” von Le Collectif Unifié de la Crécelle

Hintergrundmusik “The Tennessee River Song” von Baily Jester.

Der Text zur Sendung befindet sich hier: Read the rest of this entry »

27
Aug

Radio Merlix: Die erste Folge

by Maximilian Buddenbohm in

Nach aufregenden Stunden voller Spaß mit Hard- und Software (vulgo Nervenkrise) gibt es hier unseren ersten Podcast:

Radio Merlix 1

D.h. beim Anklicken dieses Links sollte es zur spontanen Geräuschentwicklung kommen. Theoretisch.

Das Intro “La valse des heures” wird gespielt von Le Collectif Unifié de la Crécelle, die Hymne der Ehemänner am Ende ist von der Greg Morris Group: “Never enough für you“.

Viel Spaß!

Der Text zur Sendung befindet sich hier: Read the rest of this entry »

24
Aug

Der Affe und ich

by Maximilian Buddenbohm in

Ich bin aus guten Gründen kein sehr eitler Mensch und ich rechne nicht damit, in alltäglichen Situationen mit Komplimenten überschüttet zu werden. Ich baue aber auf das gute Benehmen der Mitmenschen und rechne daher auch nicht damit, frei heraus beleidigt zu werden, was normalerweise auch gut klappt. Es klappt aber natürlich nicht bei Kindern, denn die kennen noch nicht alle Spielregeln und sind daher für seltsame Überraschungen gut.

Heute war ich mit meiner Freundin Andrea und ihrer dreijährigen Tochter Johanna-Marie in Hagenbecks Tierpark, wobei die Kleine natürlich reichlich Obst und Gemüse an diverse Tiere verfütterte. Füttern ist toll, Elefantenrüssel kommen aus dem Himmel herab, Ziegenmäuler ziehen am T-Shirt, Meerschweinchen fressen aus der Hand, alles ist großartig, da kann man im Überschwang des Moments auch mal gönnerhaft dem begleitenden Merlix etwas anbieten – und so stand sie strahlend vor mir, direkt neben dem Pavianfelsen, reichte mir ein Stück Obst auf der flachen Hand, guckte mich strahlend an und sprach zu mir: “Affe!”.

Das enttäuschte mich schon ein wenig, wie man vielleicht verstehen kann. Noch während ich krampfhaft überlegte, ob die Äußerung vielleicht nur ein Zeichen frühkindlicher Intelligenz war, der ferne evolutionäre Zusammenhang zwischen Pavian und Merlix also soeben dem schlauen Kind schlagartig klar geworden war, oder ob ich tatsächlich irgendwelchen Baumbewohnern verdächtig ähnlich sehe, erlöste mich allerdings die Mutter mit der korrekten Übersetzung des Wortes “Affe”. Das nämlich hieß eigentlich gar nicht Affe sondern “Apfel”, was für die junge Dame aber noch nicht auszusprechen ist. Sie hat also gar nicht mich als Primaten benannt, sondern nur ganz korrekt das mir angebotene Stück Obst. Das gute Kind.

Ich sollte mir vielleicht dennoch eine bessere Haltung, insbesondere einen aufrechteren Gang angewöhnen. Nur zur Sicherheit.

24
Aug

Aus dem Reisetagebuch: Nürnberg

by Maximilian Buddenbohm in

Auf der Fahrt nach Österreich haben wir in Nürnberg übernachtet. Wir hätten auch bis zum Ziel durchfahren können, aber Nürnberg kannten wir alle nicht und bis dahin zu kommen, schien in jeden Fall streßfrei. Um gleich mit ein wenig Erlebnisurlaub zu starten, haben wir dort in der Jugendherberge übernachtet, die in der Burg über der Stadt eingerichtet ist. Ein Viererzimmer im siebten Stock, mit schmalen Etagenbetten und großartigem Ausblick.

Verblüffenderweise gab es auf dem Flur Gemeinschaftsduschen für beide Geschlechter, in denen nicht einmal die Kabinen abschließbar waren – da muß einem die Jugend ja leid tun, die heutzutage auf diese Art um den Spaß des nächtlichen Flurwechsels gebracht wird. Wir haben uns damals auf Klassenfahrten noch nächtelang als Fassadenkletterer, Einbrecher und Sturmtrupp bemühen müssen, um die Etage der Mädchen zu erreichen. Da kriegt man ja Lust, Heranwachsende um sich zu scharen und von alten, harten Zeiten zu erzählen.

Wie Isa auch schon bemerkte, die ebenfalls kürzlich in einer Jugendherberge war, hätten wir glatt zum Frühstück roten Tee aus riesigen Blechkannen getrunken, eigentlich hatten wir uns darauf sogar gefreut, die Geschmackserinnerung (war es eigentlich Malve? Hibiskus?) war mir den ganzen Morgen über ganz erstaunlich präsent. Leider scheint auch diese Tradition gebrochen, im Frühstücksraum stand ein moderner Kaffeeautomat, der sogar Cappuccino und Milchkaffee ausgeben konnte. Irgendwie ernüchternd. Und nicht einmal das Geschirr muß man selbst abwaschen, daher war das eigentlich erwartete Animationsprogramm doch etwas unterhalb unserer Erwartungen. Aber für sechzehn Euro pro Person gut geschlafen.

Nürnberg selbst hat mich insofern begeistert, als in jedem zweiten Geschäft in der Innenstadt entweder Rostbratwürstchen oder Lebkuchen verkauft werden. Ich schätze es sehr, wenn etwas meinem Vorurteil entspricht, das empfinde ich immer als angenehm stabilisierend. Auf den Verkehrsschildern, die Fußwege ausweisen, trägt der abgebildete Mann in der Nürnberger Innenstadt noch einen Hut, in Hamburg tut er das schon lange nicht mehr. Er ist hier eigentlich gar nicht mehr als Mann erkennbar, es ist eher eine geschlechtlich undefinierbare Strichfigur. Haben wir etwa metrosexuelle Verkehrsschilder und der katholische Süden nicht? Manche Reisebeobachtungen lassen einen ratlos zurück.

23
Aug

Merlix vorgelesen

by Maximilian Buddenbohm in

Drüben bei Blog:Read hat Gunnar Wrobel freundlicherweise einen älteren Text von mir vertont: “Lenken lernen“, aus meiner Blogfrühzeit, als ich noch jung und die Herzdame noch die Verlobte war. Falls beim Zuhören insbesondere unter Hamburgern Unruhe aufkommt: Im Gegensatz zu der damaligen Situation fahre ich mittlerweile recht manierlich mit dem Auto. Glaube ich.

23
Aug

Aus dem Reisetagebuch: Die Walhalla

by Maximilian Buddenbohm in

Walhalla

Ich hatte vor unserer Reise noch nie etwas von der Walhalla an der Donau gehört, aber da unser Begleiter Joachim sie unbedingt einmal sehen wollte, haben wir auf der Fahrt nach Süden einen kleinen Umweg gemacht und uns den deutschen Gedenktempel bei Regensburg angesehen. Ein durch schiere Größe beeindruckendes Bauwerk, das auf einer Anhöhe über der Donau errichtet wurde (kulturhistorisch interessierte Menschen können das hier nachlesen). Der Tempel ist als nationale Gedenkstätte gedacht, es finden sich innen zahlreiche Büsten und Tafeln für deutsche Dichter, Künstler und anderer berühmte Größen, bis hin zu Sophie Scholl.

Als wir um das Gebäude herumgingen, schritt neben uns ein älteres Ehepaar die Säulen ab, beide sehr gut angezogen, vielleicht ein wenig zu fein für so einen Ausflug, beide mit sehr ernsten Gesichtern. Sie machten mir den Eindruck, als würden sie tatsächlich zum Gedenken zu dieser Halle gefahren sein und fast nahm ich schon an, es wäre ein wichtiger Todestag und innen wäre gerade eine Kranzniederlegung vor einem der Marmorköpfe. Vor dem Gebäude stieg der Mann aber etwas zu Tal hinab und ließ die Frau oben alleine vor dem Portal stehen. Er packte unten eine Kamera aus. Kein weihevolles Gedenken also, nein, sie wollten nur Bilder machen. Bilder, die die Verbundenheit mit deutscher Geistesgröße dokumentieren sollten, die Nähe zur Dichtung und die kulturelle Beflissenheit des Paares.

Um einwandfreie Ergebnisse zu erzielen, brüllte der Mann, als er eine gute Position für das Erinnerungsbild gefunden hatte, mit kräftiger Stimme und weithin hörbar zu seiner Frau hinauf: “Du stehst hinter der Säule du dummes Stück! Beweg dich!”

Wahrscheinlich werden später Freunde der beiden beim gemeinsamen Diaabend (wenn es so etwas überhaupt noch gibt) feststellen, daß die Frau auf dem Bild vor der Walhalla dem Ort angemessen wirklich sehr ernst guckt.

Man muß als Fotograf eben genau wissen, wie man Menschen zum richtigen Ausdruck bringt.

22
Aug

Die Gesellschaft wird älter und ich mache mit

by Maximilian Buddenbohm in

Nachdem ich nun schon mehrere Stunden Erfahrung mit einem ganz neuen Zustand gesammelt habe, möchte ich als Gutmensch vom Dienst insbesondere meine jüngeren Leser, die für die Zukunft sicher noch etwas lernen möchten, gerne an meinen Erkenntnissen teilhaben lassen.

Es ist nämlich so, daß es rein gar nichts nützt, sich wochen- und monatelang intensiv damit zu beschäftigen, daß man vierzig Jahre alt wird. Lassen Sie das sein, wenn Sie mal in die zeitliche Nähe kommen. Es hat gar keinen Sinn, diesem befremdlichen Wort “vierzig” nachzufühlen, das so eigenartig seriös klingt, so graumeliert und gestanden. Man wacht trotz aller Vorbereitung dennoch eines Morgens auf – und ist es verblüffend schlagartig. Ein sehr seltsames Gefühl.

Ein wenig ist es so, als wäre man über Nacht befördert worden und hätte einen neuen Titel bekommen, man weiß nur gar nicht recht, wofür.

Na, doch, schon klar: Dienstjahre.

Damit es hier aber nicht nur mit dem Jahreszähler, sondern auch inhaltlich aufwärts geht, war die Herzdame so freundlich, mir ein Mikro für Podcasts zu schenken, daher gibt es hier sehr bald auch etwas zu hören. Vielleicht ja die nervenzerfetzende Geschichte, wie unsere kleine Reisegesellschaft in der letzten Woche dank einer gewissen Ignoranz gegenüber dem Begriff “Höhenstieg” fast in den Bergen abhanden und zuschanden gekommen wäre. Österreich ist, soviel vorweg, ein wildes und gefährliches Land.

10
Aug

Kleine Sommerpause

by Maximilian Buddenbohm in

Alsterwasser

Urlaub, die Zeit um in sich zu gehen und fremde Länder zu begucken. Die Innenschau ist bei mir, wie meine Lebenserfahrung eindrucksvoll lehrt, meist vollkommen folgenfrei, das Reisen bringt aber hoffentlich einige Geschichten mit sich.

Allerdings ist Österreich, welches wir uns in diesem Jahr näher ansehen wollen, im Moment schwer verregnet, eine Situation, der ich als sonnenverwöhnter Hamburger seelisch wohl kaum noch gewachsen bin. Meine Mitreisenden, wir sind zu viert, drohen bereits wild entschlossen mit der abendlichen Anwendung von Brettspielen, sollte das Wetter dauerhaft zu naß zum Draußenherumlaufen sein. Ich wage gar nicht mir vorzustellen, welche Folgen es haben könnte, sollten die Herzdame und ich jemals gegeneinander “Mensch ärgere dich nicht” spielen. Andererseits gewinnt die nächste Woche dadurch natürlich etwas von Abenteuerurlaub – und wer wäre ich, mich dem nicht zu stellen. Wie immer gilt: Ich werde berichten.

Hier geht es in der übernächsten Woche wieder weiter, die Herzdame und ich wünschen bis dahin spaßige Tage allerseits.

8
Aug

Alles ganz anders

by Maximilian Buddenbohm in

Demonstration

Am letzten Freitag gab es in Hamburg wieder eine Demonstration von Libanesen oder doch jedenfalls von Menschen, die sich für dieses Land einsetzten. Es waren bedeutend mehr Teilnehmer als in der Woche davor und in den Reden ging es nun nicht mehr hauptsächlich um die Friedfertigkeit des Libanons, sondern nur noch um den aus ihrer Sicht von Israel ausgehenden Terror. Der Leiter der Demonstration trug dabei irritierenderweise ein Sweatshirt mit einem Porträt von dem Hisbollah-Chef Nasrallah darauf, diese Organisation wurde aber, wie schon in der Woche davor, mit keiner Silbe erwähnt. Auch auf den zahlreichen Transparenten und Schildern, die die Teilnehmer hochhielten, kam das Wort Hisbollah nicht vor.

Die Demonstranten hatten zahlreiche Kinder dabei, in allen Altersstufen. Auch die Kinder trugen Transparente mit Texten und Bildern, wie man sie reichlich aus den Nachrichten kennt, sehr drastische Bilder von Bombenopfern etwa und etliche Parolen, die Israel die Alleinschuld an dem Konflikt zuwiesen. Kaum vorstellbar, wie zum Beispiel ein etwa fünfjähriger Junge damit umgehen soll, daß auf dem von ihm getragenen Bild grausam zugerichtete Tote dargestellt sind. Ich stand eine Weile direkt neben einem solchen Jungen und kann erklären, wie das geht.

Er trug eine Libanonfahne wie ein Cape umgebunden und ein Pappschild, auf dem ein Foto mit Bombenopfern klebte. Er fiel mir auf, weil er das Pappschild besonders eifrig schwenkte und vor der Demonstration auf und ab lief. Er sprach deutsch mit seinen kleinen Freunden, daher kann ich wiedergeben, was er da genau tat. Die Fahne des Libanons nämlich war gar keine, zumindest nicht in Kinderaugen. Vielmehr handelte es sich um den wehenden Umhang eines Ritters, der vor der Menschengruppe hin und her ritt, um zu sehen, ob nicht vielleicht irgendwo jemand gerettet werden müßte. Das so besonders eifrig geschwenkte Pappschild war natürlich auch nicht das, wofür man es Erwachsener hätte halten können, sondern es war das Banner des sehr stolzen Ritters, der es so weit nach oben reckte, daß die ganze große Menschenmenge es auch bestimmt sehen konnte.

Der Vater des Jungen, der sich sichtlich über die Begeisterung seines Sohnes freute, hat vielleicht gar nicht verstanden, was da gespielt wurde – aber das macht nichts. Der Junge hat ja auch überhaupt nicht verstanden, was der Vater da spielte.

4
Aug

Vorhin im Handyladen

by Maximilian Buddenbohm in

Ich: Guten Tag, ich hätte gerne ein neues Handy.
Verkäufer: Ja, welches denn?
Ich: Keine Ahnung. Sie können mich ja mal beraten.
Verkäufer: Wie – sie wissen nicht, was sie wollen?!
Ich: Nein. Ich weiß ja auch nicht, was sie alles haben.
Verkäufer: Die hier haben wir [zeigt mit kreisenden Armen um sich]
Ich: Aha. Das sind ja viele. Was empfehlen sie nun?
Verkäufer: Äh – sie müssen doch wissen, was sie haben wollen? Das ist ja sonst sehr schwer.
Ich: Nein. Muß ich nicht.
Verkäufer: Doch!
Ich: Nein.
Verkäufer: Dann könnten sie ja irgendeines nehmen.
Ich: Ganz genau. Irgendeines, das sie mir jetzt empfehlen.
Verkäufer: Also gut. Moment. Das hier.
Ich: Aha. Sehr schick. Kostet?
Verkäufer: Zwohundertfünfzig.
Ich: Ich dachte mehr an die Obergrenze von einem Euro.
Verkäufer: Ach so. Dann das hier.
Ich: Nehme ich. Danke.
Verkäufer: Gern. Sie sind aber auch ein schwieriger Kandidat!

2
Aug

Ein Regenspiel

by Maximilian Buddenbohm in

Stormy weather coming

Nachdem sich gestern in Hamburg nach sehr vielen heißen Wochen ein kräftiges Gewitter ausgetobt hat und das Thermometer deutlich gefallen ist, habe ich mit der Herzdame sofort etwas ausprobiert. Ein Regenspiel. Keines, mit dem man Kinder in verregneten Ferien beschäftigen könnte, sondern eines für Erwachsene. Es erfordert etwas Phantasie, einen Partner, ein offenes Fenster, zwei sehr kalte Getränke und ein Bett, das dürfte alles in jedem gepflegten Haushalt zu finden sein. Allerdings ist es hilfreich, wenn man ein Fenster hat, in das nicht zahlreiche Nachbarn hineinsehen können.

Man zieht sich zu Spielbeginn komplett aus und stellt sich an das Fenster, welches man weit zu öffnen hat, ungeachtet der Tatsache, daß es dann vielleicht auf den Teppich regnet. Der trocknet schon wieder. Locker nebeneinander stehen, aber ohne jede Berührung. Still stehen, unbedingt dabei so nahe am Fenster wie es geht. Vielleicht treffen einen Tropfen von draußen, um so besser. Wenn man eine Weile so gestanden und dem Regen zugeguckt hat, wenn einen viele Tropfen getroffen haben und vielleicht sogar der Wind günstig steht, merkt man ein seltsames Gefühl am ganzen Körper. Es scheint von der Haut auszugehen und erinnert an frühere Zeiten. Es ist eigentlich nur ein mäßiges Nichtwarmsein, aber im Spiel nennen wir es Frieren. Die Frierphase nimmt man mindestens bis zur ersten Ganzkörpergänsehaut mit. Dann trinkt man ein Kaltgetränk, je mehr desto besser, möglichst auf ex. Der Alkoholgehalt spielt keine Rolle, nur die Temperatur zählt. Nach dem Trinken fühlt man eine Weile nach, wie sich die Kälte im Bauch ausbreitet. Die leere und noch eisige Flasche oder das Glas kann man hinterher noch eine Weile an die Schlagader am Handgelenk halten, oder auch an die Stirn. Und dann! Dann rennt man schnell ins Bett, wirft sich hinein und kuschelt sich sofort sowohl aneinander als auch unter eine Decke und drückt sich etwas. Hauptgewinn! Zum ersten Mal seit langen und zu heißen Wochen ist es schön, richtig schön, sich zu umarmen und zu wärmen. Unglaubliche Erfahrung.

Hält nur etwa zwei Minuten, dann merkt man doch die Restwärme in der Wohnung und wirft den Partner lieber wieder aus dem Bett (oder doch zumindest die Decke), aber zwei Minuten Spaß sind nach einem Tag im Büro gar nicht schlecht. Zur Nachahmung dringend empfohlen – wer weiß, bis zum Herbst ist es noch weit.