Hamburg Harley Days

Die „Hamburg Harley Days“ wurden von 55.000 „meist mittelalten“ Bikern besucht, wie die Hamburger Morgenpost heute sehr freundlich schreibt. Tatsächlich muß die durchschnittliche Lebenserwartung gerade sprunghaft gestiegen sein, wenn die Damen und Herren auf den schweren Maschinen mittelalt waren. Auf etwa hundertzwanzig Jahre, nehme ich an. Es ist eine Tragikomödie, die die wild gewordenen Apotheker und Notare in Leder da aufführen, wie rührend bemüht sie wilde Jungs spielen, mit welcher Sorgfalt sie die Insignien der Jugend an Maschine und Mensch drapieren. Ich habe mich nicht recht entscheiden können, ob ich es eher amüsant oder mitleiderregend finden sollte.

Sehr treffend eine Szene auf einer der drei oder vier Musikbühnen: Es spielte eine sich hart und ruppig gebende Rockband, deren Mitglieder auch bereits ergraut waren. Bei dem Refrain eines Liedes ging der Leadsänger etwas in die Knie und reckte seine Gitarre in dramatischer Geste gen Himmel, aus Leibeskräften den Text grölend. Leider kam er nach dem Refrain nicht mehr ohne weiteres hoch, seine Hand fuhr nach hinten in Richtung Steißbein, von wo ihn offensichtlich ein jäher Schmerz durchzuckte, er setzte den Gesang ein wenig aus und rollte sich zur Seite ab, um wieder in die stehende Position zu kommen. Von den Seniorenrockern im Publikum gab es dafür einen verständnisvollen Sonderapplaus. Vielleicht würde ein Konzert der Stones genauso laufen? „This concert is powered by Granufink and ABC-Wärmepflaster“.

Aber bevor ich mich darüber lustig mache – in zwanzig, dreißig Jahren werde ich vermutlich, dank nicht unbeträchtlicher Prägung in den achtziger Jahren, meinen Gehstock fröhlich zu „Wild Boys“ von Duran Duran schwingen und genauso erheiternd aussehen, wie die old boys auf den schweren Maschinen am Wochenende.

Aber ich möchte doch sehr hoffen, daß ich dann dazu nicht wieder die Kleidung trage, die gerade in Mode war, als ich sechzehn war.

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