Juni 25th, 2006 Archives
Jun
Die Liebe und der Vaterlandsverrat
by Maximilian Buddenbohm in
Ein Schweizer Familienvater stand vor dem Spiel der Schweizer gegen die Südkoreaner auf dem Fan-Fest in Hamburg am Stand seines Heimatlandes und brüllte gemeinsam mit seinen Landsleuten aus Leibeskräften den für unsere Ohren drolligen Schlachtruf “Hop Schwiz!”. Er hatte dabei einen etwa sechsjährigen Sohn an der Hand, dessen Arm er fortwährend zum Mitjubeln hochriß. Der Sohn wirkte eindeutig unmotiviert, versuchte den Arm seinem Vater zu entwinden und störte den Familienfrieden außerdem empfindlich durch knurriges Rufen des falschen Begriffs: “Korea!”.
Der Vater war weit davon entfernt, das erheiternd zu finden, er zeigte nachdrücklich auf die Fahne, die sein Trikot schmückte, auf all die anderen Schweizer ringsum, gab wieder “Hop Schwiz” von sich, rüttelte am Arm des Jungen und sah ihn erwartungsvoll an. Dieser schob nur sehr entschlossen die Unterlippe vor: “Korea!”.
Und als der Vater sich gerade suchend nach jemandem umsah, wahrscheinlich nach der Mutter, die jetzt dringend um Rat gefragt werden mußte, verstand ich auch, warum der Nachwuchs das falsche Land bevorzugte. Er ging nämlich, kaum war seine Hand frei, ein paar Meter weiter zu einer Fangruppe aus Korea, stupste etwas tapsig eines der bildschönen kleinen Mädchen dort an und wiederholte mit einem wirklich sehr charmanten Lächeln die entscheidende Parole: “Korea!”.
Jun
Gute Arbeit!
by Maximilian Buddenbohm in
Ich bekam vor einigen Tagen eine Mail eines Kollegen und Vorgesetzten aus Frankreich, die begann mit “Zunächst herzlichen Glückwunsch zu der ausgezeichneten Leistung, ein ganz wundervolles Ergebnis!”. Sehr nett, dachte ich, dabei krampfhaft überlegend, ob ich tatsächlich irgend etwas sehr gut gemacht hatte. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, bis ich darauf kam, daß nicht etwa mein besonders schwungvolles Zahlenschubsen der letzten Werktage gemeint war, sondern das Ergebnis des Spiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador.
Ich bin Deutschland, zumindest für ausländische Kollegen. Daher kann ich mich in diesen Wochen ganz entspannt in meinem Bürostuhl zurücklehnen und ohne jede Anstrengung geradezu meisterliches vollbringen. Ich entdecke doch mehr und mehr Vorteile an dieser WM.




