Versöhnung mit Föhn

Mai 23rd, 2006 von Maximilian Buddenbohm

Die Herzdame und ich haben gestern eine kleine Unstimmigkeit etwas eskalieren lassen, da uns beiden gerade danach war, so etwas kommt ja mal vor. Und weil wir gerade so gut im Zuge der wechselseitigen Beleidigungen waren und der jeweils andere so furchtbar im Unrecht war, haben wir beschlossen, die Sache ganz zu Ende zu denken und einfach den Scheidungsfall anzunehmen. Natürlich nicht ernsthaft. Man kann ja auch in Streitsituation noch scherzhaft sein, denn wenn man das Ganze nur stark genug übertreibt, endet man im besten Fall irgendwann in Gelächter. Dachten wir.

Wir begannen also unsere Habseligkeiten aufzuteilen, denn bei Trennungen muß ja entschieden werden, wer was bekommt. Dein Bett, mein Bett, deine Bücher, meine Bücher, jeder ein halbes Sofa und so weiter. Das ging erstaunlich gut und flott, wir sind aber auch erst seit kurzer Zeit verheiratet und haben bisher nicht allzuviel Gegenstände gemeinsam erworben. Wir wissen fast bei allem noch, was von wem kommt und, wie die Herzdame sagt: “Deine CDs möchte eh keiner haben.” Wir haben mit diesem Gespräch allerdings unsere Tanzlehrerin sehr irritiert, denn wir diskutierten die Trennungsmodalitäten dummerweise während einer Einzelstunde zum Wiener Walzer. Man stimmt Beziehungskrisen ja nun mal nicht mit dem Kalender ab, die treten eher unvermutet auf. Gleichzeitig die Linksdrehung dieses Walzers zu üben und dabei zu klären, welcher Teller wem gehört – auch nicht einfach.

Wir kamen jedenfalls inhaltlich geradezu erschreckend einfach voran, nichts schien uns aufzuhalten, alles klar geregelt in Wohnzimmer und Schlafzimmer, was liegt eigentlich im Bad? Die beiden Föhne nehme ich, sagte die Herzdame, woraufhin ich sie natürlich fragte ob sie noch bei Trost sei. Einer der beiden gehört selbstverständlich mir, denn den habe ich in den gemeinsamen Hausstand eingebracht, wie ich deutlich erinnere. “Da hattest du auch noch Haare”, sagte die Herzdame und sah mich triumphierend an. Ich habe ihr erklärt, daß es aber doch eine Frage des Prinzips sei, bei einer anständigen Teilung nicht einen der beiden Partner mit zwei Föhnen ziehen zu lassen, das ginge einfach nicht. Und soviel Haare, daß ein Föhn nicht reichen würde, hat sie nun auch nicht.

Außerdem würde ich es natürlich, wenn ich denn wieder Single wäre, es von Zeit zu Zeit begrüßen, Damenbesuch zu haben, sogar über Nacht. Und wer weiß, so ein Damenbesuch freut sich am Ende über einen Föhn im Bad des männlichen, stoppelhaarigen Singles und weiß es zu schätzen, daß da Service geboten wird. Ich bin ja eigentlich ein Netter und habe das Wohl der anderen stetig im Blick, sogar das der mir noch unbekannten künftigen Dame mit nassen Haaren.

Darüber hat die Herzdame eine ganze Weile nachgedacht. Und mir dann angeboten, doch lieber zusammenzubleiben, denn das mit dem unkontrollierten Damenbesuch, das hatte sie so nicht bedacht und der Gedanke schien ihr doch recht unsympathisch. Das nahm ich wiederum mit großer Freude zur Kenntnis, denn ich phantasierte gerade über eine Diskussion mit einem künftigen weiblichen Übernachtungsgast, sie fragte mich drohend und in giftigem Ton, ob ich als eher haarloser Mensch etwa extra für die ganzen One-Night-Stands einen Föhn im Bad hängen hätte. Das Leben als Single erschien mir schlagartig als viel zu kompliziert, um es wieder erstrebenswert zu finden. So vertrugen wir uns lieber wieder und der Wiener Walzer, den wir bis dahin im Eifer des Gefechts eher wie ein geflippertes Vieleck absolviert hatten, wurde plötzlich zu einer runden und eleganten Angelegenheit. Es ist ungemein hilfreich, Dinge zu Ende zu denken.

Ich habe dann zu Hause der Herzdame schon einmal ganz offiziell meinen Föhn geschenkt. Als Zeichen ewiger Verbundenheit, sozusagen.

9 Kommentare

  • Kommentator

    “Ich habe dann zu Hause der Herzdame schon einmal ganz offiziell meinen Föhn geschenkt. Als Zeichen ewiger Verbundenheit, sozusagen.”

    Merlix, sorry und “Halten zu Gnaden” und so, aber: Du bist ein Weichei.

    Was hat sich durch Dein Geschenk geändert? Haben Du oder Dein potentieller zukünftiger Besuch “auf einmal” weniger resp. die Herzdame “plötzlich” mehr Haare? Benötigte Frau Merlix inzwischen doch zwei Föhne, um die Haare trocknen zu können? Ist die Krise, nur weil sie vorbei ist, pure Fiktion, oder hat sich nicht doch wirklich stattgefunden und damit einen Hinweis auf eine mögliche Variante (“Hosenbein”, scherzen Physiker) der Zukunft gegeben?

    Und: “Ewig”? Hallo?

    Ein Trost: Föhne kosten nicht die Welt. Für meinen habe ich kaum zehn Euro bezahlt, und er trocknet Haare zur meiner und meiner Besucher/innen vollen Zufriedenheit.

  • Ich hab herzlich lachen können. Aber bei mir kommt der Föhn ja auch nicht weit, wenn ich in mal in ein Ohr pusten lasse… *gnarf*

  • @ Kommentator: Sie irren, Unbekannter :-) Die Bezeichnung “Weichei” in Zusammenhang mit Mr.Merlix ist ein stets naheliegender, aber teuflischer Fehler. Die wenigen Geschlechtsgenossen seines Schlages sind nicht in moderne Sprachschubladen zu stecken, sie sind Seelen aus längst vergangnen Minnezeiten, die uns heute eine vage Ahnung echter Männlichkeit zu zeigen vermögen. So wir fähig sind, über GenerationX Verschnitte und RockyV Vorbilder zurückzublicken. Er ist ein Löwe. Ein feiner, aber ein Löwe. Und ein kluger. Wer von uns mag unbescholten sagen können, er hätte 1o Euro Warenwert eines Föhns erfolgreicher und zukunftsträchtiger angelegt, als in eine Entscheidung die eines Robin Hoods würdig wäre? Denken Sie ruhig darüber nach, die mögliche Antwort könnte Ihr Leben, vielleicht sogar die Restwertdauer Ihrer feuchthaarigen Beziehungen verändern :-)

  • Fön wird schwierig bei uns, wir haben bloß einen.
    Aber uns kommt allgemein immer was dazwischen, wenn wir uns scheiden lassen wollen. Letztes mal der Urlaub. O-Ton M in voller Rage: “OK, du willst es so, nach dem Urlaub gehn wir zum Anwalt.” Da mußten wir dann aber beide lachen.

  • @Andrea: Hach :-))
    @L9: Genau. Man kommt zu nix, immer nur Albernheiten. Was wiederum vermuten lässt, seröse Menschen werden schneller geschieden.

  • @Kommentator: Natürlich brauche ich 2 Föhne. Den einen wegen der Care-Funktion und den anderen wegen des Turbo-Boosters, wenn es mal schnell gehen muss. Und geändert hat sich durchaus etwas, ich liebe ihn wegen dieser kleinen Geste jetzt noch ein bisschen mehr, vor allem weil ich meine Haare meist gar nicht föhne. Es ist kompliziert….

  • Der Besitz eines Föns scheint tatsächlich eine zentrale Angelegenheit für weibliche Besucher zu sein!
    Habe grade ein paar Jahre in einer attraktiven Stadt im Ausland verbracht und relativ viel Besuch bekommen.
    Die erste – und oft einzige – besuchsvorbereitende Frage aller Besucherinnen, egal ob Tochter, Bekannte, Freundin oder Tante war immer: “gibts bei Dir einen Fön”?
    Für Bügeleisen zum Beispiel hat sich nie eine interessiert!
    Ich hatte beides!
    Zurück in Hamburg hab ich alles doppelt und dreifach.
    Ob das Besucherinnen motiviert?

  • MIr gefällt Deine Art, zu schreiben!
    Habe herzlich über die Geschichte gelacht!!

    Liebe Grüsse

    die Hausmeisterin

  • [...] Was ich nicht wusste – oder vielleicht nicht bedacht habe – ist, dass keine Storyline ohne Dramatik auskommt. Und so rutscht mir doch fast das Herz in die Hose, wenn in der vorletzten Folge plötzlich ganz offen das Thema Scheidung diskutiert wird. Eine radikale Plotänderung wird einfach so in den Raum gestellt. Der nichts-ahnende Zuschauer sieht schon endlose Abfolgen belangloser One-Night-Stand Sequenzen vor dem inneren Auge ablaufen. Die monatelange Begeisterung für die tänzerische Laufbahn des geliebten Paares, das stetige Hoffen auf die Verkündung von Nachwuchs, für nichts und wieder nichts? [...]