Ich habe vor einiger Zeit bei einem sehr großen Elektronikkaufhaus einen billigen Radiowecker mit CD-Teil erworben. Da ich das Gerät in die Küche stellen und beim Kochen nebenbei benutzen wollte, kaufte ich das billigste Ding aus dem überreichlichen Angebot, einen befremdlich gestalteten Silberkasten, er sah aus wie ein Bordgerät des Raumschiffs Orion. Der erste Test zuhause ergab leider, daß es nicht möglich war, einen Sender einzustellen, ohne daß der Suchmechanismus aus ganz eigenem Antrieb nach einigen Minuten beschloß, auf Wanderschaft ins Frequenznirwana zu gehen, woraufhin endloses Rauschen ertönte. Eine CD abzuspielen ging auch nicht recht, denn offensichtlich war der CD-Teller nicht ganz eben, weswegen jede CD vor sich hin hoppelte und dabei einen nicht vorgesehenen, aber recht lauten Percussioneffekt abspielte. „Klack.“

Am nächsten Tag brachte ich den Radiowecker zurück und stellte mich eine halbe Stunde an der Information des Marktes an, um zu erfahren, wie der Umtausch stattfinden könne. Man schickte mich nach dem Ausfüllen einiger Formulare direkt in die Fachabteilung, wo ich eine weitere halbe Stunde auf einen Verkäufer wartete. Ein endlich frei gewordener Verkäufer nahm das Gerät deutlich genervt in Empfang, hörte sich meine Schilderung an und erklärte mir dann: „Sie haben ja auch das billigste Ding gekauft. Da können sie doch gar nichts erwarten.“ Ich antwortete, daß ich schon erwarten würde, daß das Gerät funktioniert, vielleicht nicht in bester Qualität, aber doch im Prinzip. Er schüttelte den Kopf: „Also bei dem Preis…- das kann ja nicht gehen“ Meine Frage, warum sie denn wohl bekanntermaßen nicht funktionierende Geräte verkaufen würden, wollte er nicht recht beantworten. Ich nahm ein zehn Euro teureres Produkt und ging.

Zuhause stellte sich beim Auspacken heraus, daß es sich um ein typengleiches Gerät handelte, wie jenes, welches ich gerade getauscht hatte, es klebte lediglich ein anderer Herstellername auf der Verkleidung. Ohne weitere Funktionsversuche habe ich es unter Opferung von weiteren anderthalb Stunden Freizeit wieder getauscht, noch einmal zehn Euro dazubezahlt und ein anderes Produkt ausprobiert. Allerdings ließen sich auch darauf keine CDs abspielen, zu hören war diesmal nur gehackter Ton, etwa zehn Sekunden Musik, zehn Sekunden Stille, zehn Sekunden Musik usw.. Es scheint sehr schwer und anspruchsvoll zu sein, solche Geräte fehlerfrei herzustellen.

Für einen weiteren Aufpreis nahm ich am nächsten Tag ein wirklich funktionsfähiges Gerät mit nach Hause – und es spielt tatsächlich CDs tadellos ab. Allerdings haben weder die Herzdame noch ich die Anleitung ganz verstanden, da jeder Knopf xfach belegt ist und seine Bedeutung wandelt, sobald man einen der anderen Knöpfe, alle nur mit kryptischen Piktogrammen erklärt, parallel drückt, weswegen wir weder die Uhr noch den Wecker benutzen und auch den Radiosender lieber nicht mehr verstellen. Mittlerweile ist mir allerdings die Lust vergangen, jeden Tag in den Elektronikmarkt zu gehen, daher steht auf der Küchenfensterbank nunmehr eine ungenutzte Technikruine und blinkt unentwegt hektisch und um Aufmerksamkeit bittend vor sich hin, weil die Uhrzeit nicht gestellt ist.

Sobald das CD-Laufwerk kaputt geht, was sicher nicht lange dauern wird, singe ich wieder selber beim Kochen. Die Herzdame ist in der Hinsicht Kummer gewohnt.

Nachtrag: Dieser Text erschien auch in dem Magazin „mindestens haltbar“.

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