Wir ruinieren Rathäuser

Mrz 18th, 2006 von Maximilian Buddenbohm

Die Herzdame und ich sind über das Wochenende in ihr Heimatdorf gefahren, wo es gestern die Hochzeit der Schwester der Herzdame zu feiern gab. Die Ehe wurde im Rathaus der nahegelegenen Stadt Minden geschlossen, einem Bau, der von außen noch etwas nach vergangener Pracht einer einst erfolgreichen Handelsstadt aussieht, von innen jedoch nur noch nach akuter kommunaler Verarmung. Da wir mit der Hochzeitsgesellschaft viel zu früh da waren, mussten wir sehr lange Zeit im Vorraum des Trausaals warten. Ein eher trüber Raum, so dass uns nach einer Weile nicht unerheblich langweilig wurde.

Die Herzdame kam beim Umherschlendern auf die Idee, sich mit Schwung auf eine der breiten Marmorfensterbänke zu setzen, das hat in der Kindheit schließlich auch zur Überbrückung solcher endlosen Wartezeiten beigetragen, wenn man etwas auf dem Mobiliar herumalbern konnte.

Wir wissen daher jetzt, dass Marmorfensterbänke ganz erstaunlich leise brechen, mit einem wirklich bescheiden zu nennenden Geräusch. Marmor krümelt auch nur ein wenig, wenn er bei starker Belastung bricht, gar kein Vergleich zu Glassscherben etwa. War gar nicht schwer, die Trümmer dezent unter die Heizung zu schieben. Der Bruch in der Fensterbank passt eigentlich auch gar nicht schlecht zur ohnehin heruntergekommenen Ausstrahlung des Rathauses.

Man sollte aber wohl doch das kindgemäße Herumtollen in einem bestimmten Alter einstellen und eher Strickzeug dabeihaben. Zumindest in denkmalgeschützten Gebäuden. 

6 Kommentare

  • Bleibt zu hoffen, dass die Ehe beständiger sein wird als die Standesamtvorzimmermarmorplatte. Aber da sollte man sich sicherlich mehr Sorgen machen, wenn wirklich jemand angefangen hätte zu stricken anstatt Fensterbänken auf den Schoß zu hüpfen.

  • Das erinnert mich an einen 40-jährigen “Kindergeburtstag”: Bei dem Spiel “Reise nach Jerusalem” ging ein Stuhl zu bruch bei dem Versuch von 2 Personen sich auf einen der übriggebliebenen Stühle zu setzen. Wenn Erwachsene herumtollen…. Wir hätten wohl lieber Bridge oder andere seriöse Spiele spielen sollen.

  • Und es bleibt zu hoffen, dass die Verwaltung bewussten denkmalgeschützten Gebäudes keine Blogs liest.
    Stricken wär ganz falsch, schließlich haben wir noch genug Gelegenheit, uns richtig erwachsen zu benehmen, nachdem wir gestorben sind.

  • Was die lesende Verwaltung betrifft: Ich übernehme selbstverständlich keine Gewähr für die Richtigkeit zeitlicher und örtlicher Angaben. Vielleicht war es eine andere Stadt, vielleicht war es nicht an diesem Wochenende :-)

  • Nicht umsonst heißt es in popmusikalischen Kreisen “Marmor, Stein und Eisen bricht”.

  • Ich hielt es deswegen auch für ein sehr gutes Omen.